18.03.2026evangelisch wuppertal
Iran im Herzen
Mit Sorge und Angst kommen viele Iraner zu Daniel Njikeu, Leiter der Internationalen Evangelischen Gemeinschaft (IEG). Als Zeichen der Solidarität lädt er daher zum gemeinsamen Feiern des Neujahrsfestes Nouruz (21.03.) ein - mit Friedensgebet, Infos und Austausch.

Mit Sorge und Angst kommen in diesen Tagen viele Iraner zu Daniel Njikeu, Leiter der Internationalen Evangelischen Gemeinschaft (IEG). Als Zeichen der Solidarität lädt er zum gemeinsamen Feiern des Neujahrsfestes Nouruz (21.03.) ein – mit Friedensgebet, Infos und Austausch.
„Neuer Tag“ – so heißt das Neujahrsfest Nouruz, das im Iran zu Frühlingsbeginn groß gefeiert wird. Die Menschen besuchen Nachbarn und Freunde, um einander alles Gute zu wünschen und Geschenke auszutauschen. Sie sitzen an Tischen zusammen, die nach der alten Tradition des „Haft-Sins“ dekoriert sind. Dabei symbolisiert jeder Gegenstand auf dem Tisch eine bestimmte Hoffnung oder Segnung für das kommende Jahr.
Auf ein fröhliches Neujahrsfest und einen „neuen Tag“, an dem der Iran Demokratie, Freiheit und Frieden erfährt, hatte Omid (Name geändert) gehofft. Jetzt lebt er wie viele andere der etwa 1.700 Iraner in Wuppertal in großer Angst und Sorge um die Menschen in seinem Heimatland, um Angehörige und Freunde. „Schon seit Wochen höre ich nichts mehr von ihnen und weiß nicht, ob sie getötet, verhaftet oder verschleppt wurden.“
Unter Lebensgefahr im Iran und in Deutschland
Seit Beginn des Krieges mit den USA und Israel ist jeder Kontakt in die „freie Welt“ zur Lebensgefahr geworden – besonders für diejenigen, die sich an den großen Demonstrationen beteiligt haben. Darunter sind auch viele Christ:innen, die im Iran zu den religiösen Minderheiten gehören und schon lange unter Repressionen leiden.

Omid im Gespräch mit IEG-Leiter Daniel Njikeu
Omid hat sich erst in Deutschland taufen lassen und einer evangelischen Gemeinde in Wuppertal angeschlossen. Über die Internationale Evangelische Gemeinschaft (IEG) steht er im Kontakt mit vielen anderen iranischen Christ:innen. IEG-Leiter Daniel Njikeu kennt ihre Sorgen um die Angehörigen im Iran, aber auch die Angst, in Deutschland ins Visier des iranischen Geheimdienstes und fanatischer Anhänger des islamischen Regimes zu geraten. Daher gibt sich auch Omid nicht öffentlich zu erkennen.
Aufruf zu Empathie und Solidarität
„Es ist wichtig, dass wir jetzt Solidarität zeigen mit den Iranerinnen und Iranern, die hier mit uns leben“, sagt er. „Das Nouruzfest ist für alle von großer Bedeutung und deshalb wollen wir es in diesem Jahr mit ihnen begehen, um an die Menschen im Iran zu denken, mehr über das Land, seine Geschichte und die derzeitige politische Situation zu erfahren und für Frieden zu beten.“
Iran im Herzen
Gedenken, Information und Gebet für Frieden und Gerechtigkeit
Samstag, 21. März, 16 Uhr
Gemeindezentrum Gemarke (Zwinglistraße 5)
Im Anschluss wird zum Austausch bei Snacks, Kaffee, Tee und Kuchen eingeladen.
Empathie sei das, was sich Iraner wie er gerade von den Deutschen wünschen, ergänzt Omid. Der Psychologe ist erst vor zwei Jahren nach Deutschland geflüchtet. Zehn Jahre hatte er sich im Iran für Kinderrechte eingesetzt und über seine Frau Kontakte zu einer christlichen Gemeinde gehabt.
Hoffnung auf Frieden und Freiheit
„Tausende Menschen sind im Januar auf die Straßen gegangen, weil sie endlich in Freiheit und Frieden leben möchten statt unter diesem Regime. Das hat mir Hoffnung auf ein neues, demokratisches Iran gemacht“, sagt Omid. „Gerade junge Menschen wollen keinen Terrorismus mehr, aber sie wollten auch keinen Krieg mit den USA und Israel.“
Noch immer hofft er darauf, dass die islamistische Führung angesichts des großen Widerstands im Land aufgibt. Doch der Weg dorthin scheint weit und die Sorge vor einem langen Krieg und Flächenbrand in der gesamten Region ist groß. „An der weltpolitischen Lage können wir nicht viel ändern, aber als Christ:innen glauben wir an die Kraft des Gebets“, betont Daniel Njikeu. Er wünscht sich, dass viele Menschen zum Nouruzfest in die Gemarker Kirche kommen, um ihre Solidarität mit den Iranerinnen und Iranern in Wuppertal zu zeigen und für Frieden und Gerechtigkeit zu beten.
Christ:innen im Iran
Derzeit leben im Iran rund 800.000 Christen, zumeist Konvertiten aus dem Islam. Auch wenn das Christentum im Iran eine offiziell anerkannte Religion ist, steht Konversion vom Islam unter Strafe. Christliche Gruppen mit internationalen Kontakten geraten leicht in Generalverdacht einer Nähe zu außenpolitischen Feinden. Die Lage ist prekär, da das Regime auch systemisch gegen religiöse Minderheiten vorgeht und die Situation durch politische Unruhen weiter eskalieren kann, was zur Flucht vieler Christ:innen führen kann. (Quelle: epd)
Text und Fotos: Sabine Damaschke
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