Erlassjahr fordert Umbau von Finanzsystem

Schuldenstreichungen und eine Abkehr von "exklusiven Gläubigerclubs" verlangt die Kampagne "Erlassjahr 2025". Mit einer Liste von mehreren Zehntausend Unterschriften macht sie der Politik jetzt Druck.

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Schuldenstreichungen und eine Abkehr von „exklusiven Gläubigerclubs“ verlangt die Kampagne „Erlassjahr 2025“. Mit einer Liste von mehreren Zehntausend Unterschriften macht sie der Politik jetzt Druck.

Mit mehr als 72.000 Unterschriften fordert die Kampagne „Erlassjahr 2025“ die Bundesregierung zur Streichung von Schulden für arme Länder auf. Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) ist Mitglied des Bündnisses und hat in Gemeinden, Kirchenkreisen und auf Großveranstaltungen wie dem Kirchentag die Kampagne bekannt gemacht und Unterschriften gesammelt.

Der Appell, der auch zu konkreten Reformen des internationalen Finanzsystems aufruft, sei nun dem Bundesfinanzministerium übergeben worden, erklärte das Bündnis aus 71 zivilgesellschaftlichen Organisationen und Institutionen, das die internationale Kampagne in Deutschland trägt.

Reformen und Dach der UN angemahnt

Viele ärmere Länder seien durch ihre Schuldensituation stark belastet, betonte das Bündnis, dem auch andere kirchlichen Hilfswerke wie „Brot für die Welt“, Misereor und erlassjahr.de angehören. Enorme Zins- und Tilgungszahlungen, ungünstige Refinanzierungsbedingungen und strukturelle Ungleichheiten im internationalen Finanzsystem verschärften die Lage. Die internationale Kampagne „Erlassjahr 2025 – Turn Debt into Hope“ dringe deshalb unter anderem auf die Einrichtung einer UN-Schuldenrahmenkonvention, hieß es.

„Gemeinsam mit 72.000 Menschen fordern wir, die Länder des Globalen Südens dauerhaft von ihrer erdrückenden Schuldenlast zu befreien“, betonte Ute Straub, Referentin für Entwicklungsfinanzierung und internationale Finanzpolitik bei „Brot für die Welt“. Dafür seien grundlegende Reformen des internationalen Finanzsystems nötig. „Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie diese Reformen unter dem Dach der Vereinten Nationen aktiv vorantreibt.“

Schulden auf Kosten des Sozialstaates

Unter derzeitigen Bedingungen fielen Schuldenerlasse viel zu klein aus, erklärte Malina Stutz vom Entschuldungsbündnis erlassjahr.de. Zudem seien sie häufig an harte wirtschaftspolitische Bedingungen geknüpft, die den Sozialstaat in den betroffenen Ländern weiter aushebelten.

„Über Schuldenstreichungen muss deshalb unter dem Dach der Vereinten Nationen entschieden werden – und nicht wie bisher in exklusiven Gläubigerclubs“, betonte sie. Das Recht der Gläubiger dürfe nicht länger über der Würde der Schuldner stehen, forderte Helmut Müller, Pfarrer des Regionalen Dienstes der VEM. Die internationale Kampagne „Turn Debt into Hope“ war 2025 anlässlich des Heiligen Jahres der Katholischen Kirche gestartet worden.

Text: VEM/epd
Foto: erlassjahr.de/ Copyright: Christian Grodotzki

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