26.01.2026evangelisch wuppertal
Abschied von der Christuskirche
Sinkende Mitgliederzahlen und hohe Gebäudekosten: Das kann sich die evangelische Kirchengemeinde Elberfeld-Südstadt nicht mehr leisten. Im Herbst 2027 trennt sie sich von der Christuskirche und konzentriert sich auf ihre Johanneskirche.

Sinkende Mitgliederzahlen und hohe Gebäudekosten: Das kann sich die evangelische Kirchengemeinde Elberfeld-Südstadt nicht mehr leisten. Nach langen und intensiven Beratungen hat die Gemeindeleitung beschlossen, sich im Herbst 2027 von der Christuskirche zu trennen und auf den Standort Johanneskirche zu konzentrieren.
Über ein Viertel ihrer Mitglieder hat die evangelische Kirchengemeinde Elberfeld-Südstadt in den vergangenen 15 Jahren verloren. Rund 5000 Menschen gehören noch zur Gemeinde mit ihren zwei großen Kirchen, die im Unterhalt teuer sind. „In unserer auf allen Ebenen kleiner werdenden Kirche ist es leider notwendig, uns auch räumlich anzupassen“, sagt Pfarrerin Lisa Staaden.
Über ein Jahr wurde intensiv beraten, von welche der beiden Kirchen für das Gemeindeleben erhalten bleiben soll – und zwar im Hinblick auf Auslastung, Unterhaltungskosten, Sanierungsbedarf, aber auch unter Berücksichtigung bereits bestehender geistlicher, sozialer und kultureller Angebote in der Nachbarschaft. Nun steht fest, dass die Christuskirche voraussichtlich zum Herbst 2027 aufgegeben und sich die Gemeindearbeit künftig auf den Standort der Johanneskirche konzentrieren wird.
Trauer um einen geschichtsträchtigen Ort
„125 Jahre lang war die Christuskirche Heimat für Protestant:innen in der Elberfelder Südstadt. So manches Gemeindeglied erinnert sich noch, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurde und wie groß die Freude war, als auch ihre kostbaren Glocken wieder läuten konnten“, erzählt Lisa Staaden. „Es berührt uns alle sehr, dass wir einen Ort verlieren, an dem sich im Laufe der Jahre viele Menschen engagiert und wohlgefühlt haben.“

Pfarrerin Lisa Staaden vor der Johanneskirche, die nun zum zentralen Standort der Gemeinde wird.
Die gründliche Analyse der beiden Gemeindestandorte sei aber deutlich zu Gunsten der Johanneskirche ausgefallen, so die Pfarrerin weiter. Rund 77.000 Euro muss die Gemeinde jährlich für den Unterhalt der Christuskirche aufbringen, deren Gottesdienste im Schnitt von rund 50 Menschen besucht wird. Die Johanneskirche hat doppelt so viele Gäste im Gottesdienst, hat aber mit 35.000 Euro nur die Hälfte der Betriebskosten. Zudem gibt es einen erheblichen Sanierungsbedarf an der Nordfassade der Christuskirche.
Viele geistliche und soziale Angebote im Umfeld
Das allein sei aber nicht entscheidend für den Beschluss gewesen, erklärt Lisa Staaden. „Von der Christuskirche ist es nicht weit zu anderen evangelischen Kirchen wie der CityKirche oder Sophienkirche. Zudem ist die Diakonie mit vielen sozialen Angeboten in der Südstadt präsent. In direkter Umgebung der Johanneskirche gibt es all das nicht. Da würde eine große Lücke entstehen, wenn wir uns als Gemeinde zurückziehen.“
Die Leitung des evangelischen Kirchenkreises in Wuppertal unterstützt diese Entscheidung. „Die Christuskirche ist umgeben von vielen kirchlichen und diakonischen Akteuren in der Südstadt. Da ergeben sich Möglichkeiten der Vernetzung von Angeboten für die Menschen im Wohnbezirk. Das bietet die Chance einer engeren Zusammenarbeit und Beheimatung“, betont Superintendentin Ilka Federschmidt.
Gemeinde rückt enger zusammen
Doch auch von der Christus- zur Johanneskirche ist der Weg nicht weit. Es gibt eine gute Nahverkehrsanbindung, wie Pfarrerin Lisa Staaden erklärt. „Wir erleben bereits jetzt eine große Flexibilität unserer Gemeindeglieder, auch der älteren.“ Um Raum für alle Gruppen und Kreise zu schaffen, werde die gesamte Gemeinde enger zusammenrücken müssen, so die Pfarrerin. „Aber das werden wir schaffen.“
Für die Christuskirche hofft Lisa Staaden auf eine „würdige Anschlussnutzung“. In diesem Jahr soll aber erstmal Raum für Erinnerung und Abschied gegeben werden. „Diese Kirche hat eine spannende Geschichte und ist uns allen ans Herz gewachsen. Deshalb werden wir im Sommer noch ein großes Jubiläumsfest feiern“, kündigt die Pfarrerin an.
Kontakt: Lisa Staaden,
Weiter mit:
Kommentare
Neuen Kommentar verfassen