03.09.2026Verteilungsstelle Kunst und Geschichte
So. 6.9.2026 – Verteilungsstelle Geschichte geöffnet – Kunstseide im Wuppertal

Am Sonntag von 14 bis 17 Uhr ist die Ausstellung zur genossenschaftlichen Verkaufskultur und zur politischen Geschichte des Wuppertals der 1920er Jahre wieder geöffnet. Um 16 Uhr wird die neue Ausstellungseinheit über die Kunstseidenindustrie der 1920er Jahre in Elberfeld und Barmen vorgestellt und eine Führung mit Reiner Rhefus angeboten.
Der Anlass der Ausstellung ist die Übersiedlung der Vereinigten Glanzstoff-Fabriken AG im Jahr 1901 nach Elberfeld. Damit gab das Unternehmen vor 125 Jahren den Anstoß zu einer rasanten Entwicklung. Neben Glanzstoff ist auch die Türkischrotfärberei J. P. Bemberg in Barmen zu nennen, die sich zu einer der international bekanntesten Kunstseidenspinnereien entwickelte und die über Jahrzehnte der größte Industriebetrieb der Stadt war. In den 1920er-Jahren stieg das Wuppertal zum Zentrum der deutschen Kunstseidenindustrie auf und beherrschte zeitweise gemeinsam mit zwei Unternehmen aus England und Italien den Weltmarkt.
„Die Stadt Barmen ist die wichtigste Industriestadt des Bergischen Landes und wird dieses in Zukunft noch mehr werden. Bisher in der Welt bekannt durch die„Barmer Artikel“ hat sich jetzt noch die Kunstseidenindustrie hinzugesellt.“ – so skizzierte die Elberfelder „Freie Presse“ im März 1928 den Aufstieg dieser Industrie. Der Zeitroman „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun (1932) brachte zum Ausdruck, in welchem Maße das neue Produkt zum Symbol von Glanz und Elend der 1920er Jahre wurde.
Die „Verteilungsstelle Kunst und Geschichte“ und die Dauerausstellung
Zur Bauzeit (1928) war das Ladenlokal auf der Sedanstraße eine mustergültige Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft „Vorwärts-Befreiung“. In der „kombinierten Verteilungsstelle“ wurden Kolonialwaren, Gemüse, Fleisch- und Backwaren unter einem Dach angeboten. Damals eine neue Entwicklung. (Führung Konsum 15 Uhr)

Auf einem anderen Teil der ehemaligen Verkaufsfläche wird der zeitgeschichtliche Hintergrund, die politische und Sozialgeschichte von Elberfeld und Barmen während der „Weimarer Republik“, erzählt.
In den Jahren zwischen 1919 und 1926 erlebten die Wupper-Städte heftige politische Auseinandersetzungen und Klassenkämpfe: Der große Generalstreik und die örtlichen Kämpfe gegen den Kapp-Putsch – die in Barmen und Elberfeld annähernd 70 Zivilisten das Leben kosteten, die Besetzung Vohwinkels durch französische Soldaten („Ruhrkampf“), die Hungerdemonstrationen und der Ausnahmezustand im Inflationsjahr 1923 und schließlich der größten Streik in der Stadtgeschichte, der Streik um den Erhalt des Achtstunden-Arbeitstages im Jahr 1924. Plakate und Broschüren dokumentieren auch das Volksbegehren für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten im Jahr 1926 – mit 15 Millionen Stimmen das größte Volksbegehren in der deutschen Geschichte. Erst vor diesem historischen Hintergrund wird der Name der Genossenschaft – „Vorwärts-Befreiung“ – verständlich.
Ort: Sedanstraße. 86/88, 42281 Wuppertal.
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