Auch wir müssen lachen: Über Männermangel und viele Klischees

Improvisiertes. Ein Stück des Jugendclubs der Wuppertaler Bühnen. In verschiedenen Blogs berichten die Teilnehmer der Jungen Theaterfestivals Wuppertal, das vom 22. bis 28. Mai im Haus der Jugend Barmen stattfindet, über den Fortgang ihrer Proben, peinliche Pannen und die Herausforderung, Theater zu spielen. Text: Maren Christoph.

Beim Improvisationstheater geht es darum, in jeder Szene in eine andere Rolle zu schlüpfen und diese möglichst gut zu verkörpern. Natürlich geht es nicht anders, als dass bei der Rollenauswahl Klischees bedient werden, die es dem Zuschauer offensichtlich machen, was dargestellt wird. Man hat ja nur kurz Zeit für die Szene und keine Vorbereitung, deshalb kann man keinen hochphilosophischen Charakter auf die Bühne bringen, sondern vielleicht eher kreischende, verrückte Mädchen bei einer Pyjamaparty. Besonders ist dies der Fall, wenn man einen Charakter des anderen Geschlechts darstellen will, was bei uns sehr häufig vorkommt, da wir genau einen Jungen in unserem Jugendclub haben. Dieser Junge, Wolff, ist groß, immer am Grinsen und fühlt sich bei uns Mädchen sichtlich wohl. Er hat beim Spielen seinen ganz eigenen Humor, der uns immer wieder zum Lachen bringt, was bei uns sowieso die meiste Zeit der Fall ist.

Männermangel
Woran liegt dieser Männermangel beim Jugendtheater? Wir wissen es nicht, ehrlich nicht. Wir in unserem Jugendclub sind die letzten, die männliche Schauspieler irgendwie anders behandeln würden und glauben auch nicht, dass es irgendwo anders so wäre. Wahrscheinlich finden manche es einfach nicht ‚männlich’, auf der Bühne zu stehen. Doch da kann ich nur sagen „Pech gehabt, ihr wisst nicht, was euch entgeht!“. Uns jedenfalls hält diese Tatsache nicht davon ab, Szenen mit den verrücktesten Gestalten – zum Teil sogar nur männlichen Rollen – zu spielen. Die Palette reicht hier vom gestressten Familienvater, über einen Bestatter, Arzt, Penner und  bis hin zum schwulen Schuhverkäufer an der Bushaltestelle. Wir Mädchen haben dabei einen Riesenspaß, wenn wir in diese Rollen schlüpfen, bedienen uns sämtlicher Klischees, die es über Männer so gibt und übertreiben natürlich auch das ein oder andere Mal. Doch komischerweise hat der gute Wolff noch nie eine Frauengestalt gespielt. Woran mag das wohl liegen…?

Ein Gespräch mit Fragen
Aber um nicht nur von unserem „Hahn im Korb“ zu sprechen, kommen wir mal zu etwas anderem: Wir proben seit einiger Zeit eine sehr, sehr lustige, aber auch schwierige Übung, bei der es darum geht, ein Gespräch nur mit Fragen zu führen. Dabei geht es immer reihum. Wenn jemand keine Frage mehr weiß, geht er aus der Szene und der nächste macht direkt weiter. Diesen Freitag kam es dann zum Showdown der Giganten: Mira und Wolff lieferten sich einen Zweikampf der Fragen, bestimmt vier Minuten lang – was bei dieser Übung eine lange Zeit ist. Normalerweise steigt man nach 30 Sekunden aus, weil man nicht mehr weiter weiß. Es ging immer weiter und weiter und wurde schon fast absurd. Als wir dachten, Mira hätte gewonnen, rettete sich Wolff mit einem „Meinst du nicht?“ am Satzende und weiter ging es. Wir konnten nicht mehr vor Lachen, sein Gesicht war zu gut. Am Ende hat Wolff dann doch irgendwann aufgegeben, doch es war einfach nur witzig für uns, den beiden zuzusehen, und wir alle haben wieder mal gemerkt, wie lustig Improvisationstheater auch als Zuschauer ist. Womit man jedoch immer rechnen muss ist, dass die Schauspieler von der Laune des Publikums angesteckt werden und anfangen müssen zu lachen, was auch einfach nur lustig ist. Hoffen wir trotzdem mal, dass uns so etwas beim Festival nicht passiert. Aber genau dafür proben wir unter anderem ja auch: um uns zusammen reißen zu können und eine gute Szene zu zeigen, auch wenn wir uns die ganze Zeit kaputtlachen könnten.

Alle Aufführungstermine und weitere Informationen über das Junge Theaterfestival Wuppertal stehen auf: www.jungestheaterfestival-wtal.de

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