„Ein individuelles Recht auf Asyl“

Bei einem Besuch im Sophiencafé für Geflüchtete äußern sich Präses Latzel und die Diakonie Wuppertal kritisch zur geplanten EU-Asylreform.


Bei einem Besuch im Sophiencafé für Geflüchtete äußern sich Präses Latzel und die Diakonie Wuppertal kritisch zur geplanten EU-Asylreform.

Heute ist Weltflüchtlingstag. Kurz davor haben sich die EU-Innenminister:innen getroffen, um über Neuerungen im Asyl- und „Migrationsmanagement“ zu beraten. Die Diakonie Deutschland, die Evangelische Kirche im Rheinland und viele andere Organisationen nehmen das zum Anlass, einen besseren Schutz für Geflüchtete zu fordern.

Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, war zu Besuch im Sophiencafé in Wuppertal, wo sich Ehrenamtliche für Geflüchtete einsetzen, und äußerte sich in diesem Zusammenhang kritisch über den jüngsten EU-Beschluss zum Umgang mit Geflüchteten an den EU-Außengrenzen: „Es ist wichtig, dass jeder Mensch ein individuelles Recht auf Asyl hat. Es ist gut, wenn wir eine faire Lastenverteilung zwischen den Ländern schaffen. Aber wir müssen gewährleisten, dass Menschen überhaupt nach Europa kommen können und ihr Antrag auf Asyl dann wirklich eine faire Chance hat – und wir sie nicht in Lager einsperren“, sagte Latzel.

Faire Asylverfahren werden ausgehebelt

Der Asylkompromiss der EU-Innenminister:innen hebelt nach Einschätzung von Diakonie Deutschland, Brot für die Welt und vielen anderen faire Asylverfahren an den EU-Außengrenzen aus und muss dringend vom Europäischen Parlament nachgebessert werden. Gerade die Belange und Rechte von Familien mit zum großen Teil traumatisierten Kindern müssen gewahrt bleiben. Zudem darf die EU ihre Schutzverantwortung nicht an Drittstaaten delegieren.

Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt: „Der Kompromiss für eine EU-Asylreform ist kein historischer Erfolg, sondern ein historischer Bruch des Flüchtlingsschutzes. Künftig werden nur wenige Menschen das Recht und die Chance haben, in der Europäischen Union Asyl zu beantragen. Durch die Ausweitung des Sicheren Drittstaatsprinzips können sich Mitgliedsstaaten ihrer Schutzverpflichtung zukünftig entziehen. Trotz aller Anstrengungen für einen gemeinsamen europäischen Kompromiss ist dieses Ergebnis ein menschenrechtliches Armutszeugnis. Das EU-Parlament muss diesen Weg dringend korrigieren.“

Ein tiefer Burggraben um die EU-Außengrenzen

Die Sichere Drittstaatenregelung sieht eine Zulässigkeitsprüfung vor, durch welche Anträge abgelehnt werden können, wenn Geflüchtete über einen sogenannten sicheren Drittstaat in die EU eingereist sind. Sie ermöglicht eine Abschiebung in diesen Drittstaat mit dem Verweis, dass auch dort Schutz bestehe. „Die Realität ist jedoch, dass viele Menschen dort nicht sicher sind und auch aus diesen Ländern weiter abgeschoben werden. Mit der beschlossenen Aufweichung der Kriterien für sichere Drittsaaten würde Europa einen tiefen Burggraben um die Außengrenzen ziehen“, so Pruin weiter.

Diakonie Präsident Ulrich Lilie: „Dass die EU-Innenministerinnen und -minister am Tag nach dem Asyl-Kompromiss an die Einhaltung der Menschenrechte erinnert werden müssen, ist ein fatales Signal – nicht nur für die Schutzsuchenden, sondern für alle Menschen in der EU. Nun ist es am Europäischen Parlament, diesen faulen Kompromiss auf Kosten der Schwächsten zu korrigieren. Die Vorstellung, dass künftig auch Familien mit Kindern in Lagern an den Außengrenzen inhaftiert werden könnten, ist unerträglich. Ebenso die Aussicht, dass schutzbedürftigen Menschen faire und sorgfältige Asylverfahren verwehrt würden. Eine humanitäre und an den Prinzipien der Menschenrechte orientierte Asylpolitik ist eine tragende Säule der europäischen Erzählung. Stürzt diese Säule ein, werden wir international als Anwalt von Menschenrechten zurecht belächelt werden.“

Foltererfahrungen an den EU-Außengrenzen

Auch Gülcan Çengel-Atilmis von der Flüchtlingsberatung der Diakonie Wuppertal Soziale Teilhabe gGmbH sieht die geplante EU-Asylreform kritisch: „Damit wird das Grundrecht auf Asyl untergraben. Jugendliche, die zu uns kommen, berichten von Foltererfahrungen an den EU-Außengrenzen. Das beschämt uns.“

Die Diakonie steht mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen schon seit langem für den Flüchtlingsschutz und für eine menschenwürdige Aufnahme in der EU. „Stattdessen soll das Prinzip der Ersteinreise verschärft werden und sollen sich Staaten künftig vom Flüchtlingsschutz freikaufen können. Mit ihrem Kompromiss bereiten die EU-Innenminister den Boden für Rechtlosigkeit und Verelendung von Schutzsuchenden. Nun ist es an der Volksvertretung der Europäer, diesen Kurswechsel zu stoppen“, so Lilie.

Hier geht es zum gemeinsamen Appel

Text: Diakonie Deutschland/Dünow
Foto: Aaron Clamann

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