Der Komponist und seine Passion

Unter der Überschrift "Sanssouci - Ohne Sorge" starten die diesjährigen Barmer Bach Tage am 16. März in der Unterbarmer Hauptkirche.

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Unter der Überschrift „Sanssouci – Ohne Sorge“ starten die diesjährigen Barmer-Bach-Tage am 16. März in der Unterbarmer Hauptkirche. Die Besucher:innen erwartet ein abwechslungsreiches Programm mit Konzerten, Gottesdiensten und Vorträgen.

Im Mittelpunkt der Barmer-Bach-Tage, die in diesem Jahr bereits zum vierten Mal stattfinden, steht die Johannespassion in ihrer Fassung von 1725. Ein Jahr nach seiner Erstaufführung habe der berühmteste Komponist des Barock sein Werk so umgeschrieben, dass nicht mehr die Verherrlichung des Gottessohnes, sondern das menschliche Versagen im Zentrum stünden, erklärt Dr. Matthias Lotzmann, Initiator der Bach Tage.

„Sie hat theologisch und ethisch einen vollkommen anderen Schwerpunkt als die bekannte erste Version und ist deshalb besonders interessant.“

Vier Versionen der Johannespassion

Bis heute werde die Theologie des Johannesevangeliums distanziert gesehen, weil sie angeblich voll von antijudaistischen Aussagen sei, so Lotzmann weiter. „Aber für Bach war sie zentral. Mindestens vier Versionen dieses Werkes hat er erstellt, die zum Teil mit Aufführungsverbot belegt waren.“

Zum Einstieg in die Barmer Bach Tage gibt es daher einen Vortrag der ehemaligen Rektorin der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, Konstanze Kemnitzer, am Donnerstag, 16. März um 19.00 Uhr. Sie beschäftigt sich mit der Passionstheologie des Johannesevangeliums und ihrer Rezeption in der Musik Johann Sebastian Bachs. Am Donnerstag, 23. April, um 19 Uhr setzt Professor Meinrad Walter von der Musikhochschule Freiburg die Betrachtungen aus musikwissenschaftlicher Perspektive fort.

Dr. Matthias Lotzmann initiert die Barmer-Bach-Tage zum vierten Mal

Bach und der Komponistenkönig

Das Motto der Barmer Bach Tage „Sanssouci – Ohne Sorgen“ spielt auf die Begegnung zwischen Bach und Friedrich II. von Preußen am 7. Mai 1747 im Schloss Sanssouci in Potsdam an. Hier seien zwei Welten aufeinandergeprallt, erklärt Lotzmann. Dies finde seinen Niederschlag in den Konzerten des Programms, vor allem im Kammerkonzert am 26. März um 17 Uhr mit Kölner Vokalsolisten.

Damals empfing der König den „alten Bach“ in seinem berühmten Schloss. Der kriegerische Herrscher war ein Kultur- und Musikliebhaber. Friedrich II. war bewusst, was für eine musikalische Koryphäe vor ihm stand, er ließ es sich aber nicht nehmen, das Können des Besuchers einer königlichen Prüfung zu unterziehen. Friedrich spielte ein Thema vor, über das Bach spontan eine dreistimmige Fuge spontan improvisieren sollte.

Zurück in Leipzig, widmete Bach dem König eine Sammlung mit dem Titel: „Ein Musikalisches Opfer“ – alle Stücke auf der Basis des „königlichen“ Themas komponiert. „Mit Bach und Friedrich II. treffen zwei vollkommen verschiedene Welten aufeinander“, erkärt Lotzman, „die der okkupatorischen Staatserweiterung durch den König und die der vollkommenen Durchdringung der musikalischen Gesetze durch den Thomaskantor. Bachs Werk sollte überdauern.“

Jugend trifft J.S. Bach

Seine überragenden Kompositionen auch jungen Leuten nahezubringen, sie dafür zu begeistern und zur Ausübung seiner Musik zu bewegen, sei ebenfalls Ziel der Bach Tage, betont Lotzmann. Daher lädt der Kirchenmusiker am 28. April um 17 Uhr unter dem Titel „Jugend trifft J.S. Bach“ mit Schüler:innen des Carl-Duisberg-Gymnasiums zu einem kirchenmusikalischen Workshop ein.

Im November findet ein Orgelwettbewerb in Wuppertal statt. „Dabei soll allen, die das Musizieren an der Orgel zu ihrem Beruf machen wollen, die Gelegenheit gegeben werden, sich auf Bach und seine Musik zu konzentrieren“, kündigt Lotzmann an.

Das Programm der Barmer-Bach-Tage 2023 gibt es hier.

Text: Lotzmann/Damaschke
Fotos: pixabay/Archiv KK

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