05.09.2026

BUGA-Beteiligung Sportpark Wassack-Deponie

Ein Sams voller Sammel Punkte

Zurzeit findet die Bürgerbeteiligung zur BUGA 2031 statt. Zur ganzen BUGA? Nein, natürlich nicht. Beteiligt wird derzeit nur zu zwei konkreten Vorhaben: zum Sportpark auf der ehemaligen Wassack-Deponie, die zur Kernzone der BUGA gehört, und zur Parkanlage auf dem Nützenberg.

Durchgeführt wird das Verfahren vom Team Bürgerbeteiligung der Stadt Wuppertal. Am heutigen Samstag verteilte das Team Wunschpunkte. Diese kleinen selbstklebenden Punkte durften auf einer Schauwand frei vergeben werden. Zur Auswahl standen unter anderem Streetball, Bouldern, Skaten, Hindernislauf, Slackline und Körpergewichtstraining.

Also im Wesentlichen genau jene Angebote, die bereits durch den vorherigen freiraumplanerischen Wettbewerb definiert worden waren. Die Bürgerinnen und Bürger konnten damit vor allem vorgegebene Sportarten gewichten. Die Frage, was auf der Fläche grundsätzlich entstehen soll, stand nicht mehr zur Diskussion.

Auch ein Namensvorschlag für den zukünftigen Sportpark konnte abgegeben werden. Das ist niedrigschwellig und sympathisch, betrifft aber nicht die wesentlichen planerischen Entscheidungen.

Dialog war möglich, aber ohne Dokumentation

Ich selbst verzichtete auf die Vergabe meiner drei Punkte und suchte stattdessen das Gespräch. Dieser Dialog war grundsätzlich möglich. Das Team Bürgerbeteiligung beantwortete Fragen und sprach Menschen aktiv an. Positiv hervorzuheben ist, dass nicht nur offensichtlich Interessierte angesprochen wurden. Dadurch sollte zumindest eine breitere Gruppe zur Teilnahme bewegt werden.

In der ersten Stunde war ich allerdings offenbar der Einzige, der länger das Gespräch suchte, statt lediglich seine drei Punkte zu verteilen. Gesprächsnotizen wurden dabei nicht angefertigt. Damit bleibt unklar, ob und wie Argumente aus solchen Gesprächen später in die Auswertung einfließen. Was nicht dokumentiert wird, kann gegenüber Planungsbüros, Verwaltung und Politik kaum nachvollziehbar weitergegeben werden.

Die Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten von relais, die den Siegerentwurf erarbeitet haben und die Fläche gestalten sollen, waren nicht vor Ort. Der Austausch zwischen Bevölkerung und Planenden findet somit nur indirekt statt: Das Beteiligungsteam nimmt Rückmeldungen entgegen und muss diese anschließend vermitteln.

Der Ort stimmt mit ab

Spannend war der Ort der Befragung: Das Angebot fand auf dem Bergischen Plateau direkt vor der Indoor-Skateranlage Wicked Woods statt. Entsprechend viele Punkte entfielen auf das Skaten.

Einer der Jugendlichen, der seine drei Stimmen gezielt dafür eingesetzt hatte, brachte es treffend auf den Punkt:

> „Sehr schlau, das vor der Skateranlage zu machen.“

Das ist mehr als eine beiläufige Beobachtung. Der Standort einer Befragung beeinflusst, wer teilnimmt und welche Interessen sichtbar werden. Vor einer Skateranlage werden erwartbar besonders viele Menschen erreicht, die bereits einen Bezug zum Skaten haben. Das Ergebnis bildet deshalb nicht einfach die Wünsche der Wuppertaler Bevölkerung ab, sondern auch die Auswahl des Befragungsortes.

Das macht die Punkteverteilung nicht wertlos. Sie muss aber entsprechend eingeordnet werden. Aus vielen Punkten für das Skaten lässt sich hier nicht ohne Weiteres ableiten, dass Skaten in der gesamten Stadtbevölkerung dieselbe Priorität besitzt.

Beteiligung aus der Liegeposition

Wegen des Wetters war der Stand zeitweise eher zum Liegeplatz geworden. Das war allerdings nicht dramatisch. Eine solche neue Perspektive auf das Prinzip „Setz deine Punkte dorthin, worauf du Lust hast“ kann schließlich auch den Blick auf die Gewichtung verändern.

Jenseits dieses kleinen Bildes bleibt die Methode ausgesprochen einfach: Drei Punkte erzeugen ein schnell sichtbares Ergebnis. Sie erfassen aber keine Begründungen. Man sieht, was jemand bevorzugt, jedoch nicht, warum diese Person es bevorzugt, unter welchen Bedingungen sie das Angebot nutzen würde oder welche Bedenken sie gegen andere Teile der Planung hat.

Auch die Online-Beteiligung hat Grenzen

Daneben besteht die Möglichkeit, sich online zu beteiligen. Positiv ist, dass das System erkennt, wenn von einem Computer bereits abgestimmt wurde. Das erschwert einfache Mehrfachabstimmungen.

Genau darin liegt allerdings auch eine Schwäche: Teilen sich mehrere Personen ein Gerät, kann die technische Begrenzung unterschiedliche Interessen unsichtbar machen. Gerade in Familien können Kinder, Jugendliche und Erwachsene sehr verschiedene Vorstellungen von einem Sportpark haben. Ein gemeinsamer Computer bedeutet nicht automatisch eine gemeinsame Meinung.

Beteiligung innerhalb eines engen Rahmens

Insgesamt sind solche Angebote besser als gar keine Beteiligung. Sie schaffen Aufmerksamkeit, informieren über das Projekt und ermöglichen eine unkomplizierte Rückmeldung. Das Team Bürgerbeteiligung hat vor Ort aktiv versucht, Menschen zur Teilnahme zu bewegen. Das verdient Anerkennung.

Als ausreichende Bürgerbeteiligung kann ich das Verfahren dennoch nicht bewerten. Die Auswahlmöglichkeiten sind durch den vorausgegangenen Wettbewerb bereits stark eingegrenzt. Abgefragt wird hauptsächlich, welche der vorgesehenen Sportangebote besonders beliebt sind. Grundsätzliche Alternativen, Nutzungskonflikte und andere Vorstellungen von der Fläche finden in der sichtbaren Methode kaum Raum.

Auch beim noch ausstehenden Workshop, dessen Ablauf bisher nicht genauer beschrieben ist, dürfte es deshalb vor allem um Details gehen. Die grundlegenden Weichen sind längst gestellt.

Eine echte Bürgerbeteiligung unter der Überschrift BUGA 2031 hätte früher beginnen und eine grundsätzlichere Frage stellen müssen:

> Wie wollen wir als Stadtgesellschaft, dass die BUGA 2031 Einfluss auf die Entwicklung Wuppertals nimmt?

Dann hätte öffentlich diskutiert werden können, welche Flächen entwickelt werden, welche Bedürfnisse Vorrang erhalten, wie dauerhaft die Investitionen wirken und welchen Beitrag die BUGA zur sozialen, ökologischen und städtebaulichen Zukunft Wuppertals leisten soll.

Diese Chance wurde nicht gesät – obwohl Beteiligung versprochen wurde.

Ein Sportpark ist nicht automatisch ein BUGA-Projekt

Grundsätzlich ist die Idee eines öffentlich zugänglichen Sportparks nicht negativ zu bewerten. Im Gegenteil: Attraktive, inklusive und frei nutzbare Bewegungsangebote können einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten. Kritisch ist jedoch, wie dieses Vorhaben in die BUGA 2031 eingebunden wird und welche Entscheidungen bereits getroffen wurden, bevor Betroffene einbezogen worden sind.

Die Fläche wird derzeit von einem Bogenschießverein mit rund 300 Mitgliedern genutzt. Trotz langer und offenbar intensiver Suche wurde bislang keine geeignete Ersatzfläche gefunden – auch außerhalb Wuppertals nicht. Nach Angaben aus dem Umfeld des Vereins fand zu Beginn der Machbarkeitsplanung noch nicht einmal ein Gespräch mit ihm statt. Die bestehende Nutzung wurde damit offenbar nicht zum Ausgangspunkt der Planung gemacht, sondern zunächst schlicht überplant.

Das wirft eine grundsätzliche Beteiligungsfrage auf: Wie glaubwürdig ist ein Verfahren, das heute Wunschpunkte für einzelne Sportarten verteilt, wenn die Verdrängung einer bereits vorhandenen Sportnutzung zuvor nicht gemeinsam gelöst wurde? Bürgerbeteiligung darf nicht erst dort beginnen, wo wesentliche Entscheidungen bereits gefallen sind.

Was ermöglicht hier tatsächlich die BUGA?

Häufig heißt es, erst die BUGA ermögliche die Entstehung des Sportparks. Diese Darstellung greift zu kurz. Städte können Sport- und Bewegungsflächen grundsätzlich auch unabhängig von einer Bundesgartenschau bauen. Viele dafür infrage kommende Fördermöglichkeiten richten sich nach Sport, Spiel, Städtebau, Freiraumentwicklung oder sozialer Infrastruktur – nicht ausschließlich nach einer BUGA.

Notwendig wäre deshalb ein professionelles Fördermittelmanagement der Stadt, das Programme systematisch erfasst, passende Projekte entwickelt, Anträge koordiniert und Vereine frühzeitig berät. Bislang entsteht häufig der Eindruck, dass Vereine die Stadt erst dazu drängen müssen, Fördermöglichkeiten zu verfolgen – etwa bei Kunstrasenplätzen oder bei der Weiterentwicklung der Mirke als Naturfreibad.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob der Sportpark ohne BUGA theoretisch möglich wäre. Entscheidend ist, welchen konkreten zusätzlichen Nutzen die BUGA bringt, welche Kosten sie verursacht und ob dieselben Fördermittel auch ohne das Veranstaltungsformat verfügbar wären. Das müsste transparent aufgeschlüsselt werden.

Ein öffentlicher Sportpark hinter dem BUGA-Zaun?

Besonders widersprüchlich wäre es, wenn die neue Sportfläche ausgerechnet während der rund 180 Veranstaltungstage der BUGA nur eingeschränkt öffentlich zugänglich wäre. Sollte das sogenannte Rollfeld regelmäßig als Bühne innerhalb des eintrittspflichtigen und eingezäunten Ausstellungsbereichs dienen, wäre ein wesentlicher Teil des Parks der Bevölkerung zeitweise vorenthalten.

Dann entstünde mit öffentlichen Mitteln ein Sportpark, der zunächst als Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche genutzt wird. Zu klären ist deshalb:

  • Welche Bereiche liegen während der BUGA innerhalb des eintrittspflichtigen Geländes?
  • Welche Sportangebote bleiben ohne Eintritt zugänglich?
  • An wie vielen Tagen und zu welchen Zeiten wird das Rollfeld als Bühne genutzt?
  • Welche Einschränkungen entstehen durch Auf- und Abbau, Veranstaltungen und Sicherheitsauflagen?
  • Ab wann steht der Sportpark der Bevölkerung vollständig und dauerhaft zur Verfügung?

Solange diese Fragen nicht verbindlich beantwortet sind, sollte nicht pauschal von einem frei zugänglichen „Sportpark für alle“ gesprochen werden.

Sport und Spiel auf einer ehemaligen Deponie

Hinzu kommt die Vorgeschichte des Geländes. Die Bezeichnung „ehemalige Brachfläche“ beschreibt den Ort nur unvollständig: Es handelt sich um eine frühere Deponie. Deshalb muss nachvollziehbar geklärt werden, welche Stoffe dort abgelagert wurden, welche Belastungen heute vorhanden sind und welche Sicherungsmaßnahmen für eine intensive Nutzung durch Kinder, Jugendliche und Sporttreibende notwendig werden.

Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:

  • Welche Boden- und Grundwasseruntersuchungen liegen vor?
  • Welche Schadstoffe wurden in welchen Konzentrationen festgestellt?
  • Bestehen Risiken durch direkten Bodenkontakt, Staub, Deponiegase oder belastetes Sickerwasser?
  • Muss die Deponie abgedichtet, abgedeckt oder dauerhaft überwacht werden?
  • Welche Bereiche dürfen nicht tief gegründet oder bepflanzt werden?
  • Wer trägt langfristig die Kosten für Kontrolle, Pflege und mögliche Sanierungen?
  • Sind Einschränkungen bei späteren Umbauten zu erwarten?

Ein Sportpark auf einer ehemaligen Deponie muss nicht grundsätzlich ausgeschlossen sein. Er verlangt aber eine besonders transparente Risikobewertung. Die Altlastenfrage darf nicht erst während der Bauplanung sichtbar werden, sondern gehört in die öffentliche Diskussion über Machbarkeit, Kosten und dauerhafte Nutzung.

Die eigentliche Abwägung

Am Ende steht nicht die einfache Entscheidung Sportpark oder kein Sportpark. Abgewogen werden müssen mindestens vier Interessen:

  1. der Wunsch nach neuen, frei zugänglichen Sportangeboten,
  2. der Erhalt oder angemessene Ersatz der bestehenden Bogensportnutzung,
  3. die sichere und wirtschaftlich tragfähige Behandlung der Deponie,
  4. die Frage, ob die BUGA die öffentliche Nutzung ermöglicht oder während ihrer Laufzeit zunächst einschränkt.

Ein guter Sportpark kann ein Gewinn für Wuppertal sein. Dafür muss er aber sozial fair, ökologisch verantwortbar und dauerhaft öffentlich nutzbar geplant werden. Die BUGA darf nicht als pauschale Begründung dienen, bestehende Nutzer zu verdrängen, ungeklärte Altlastenfragen zu vertagen und einen öffentlichen Park zunächst in einen eintrittspflichtigen Veranstaltungsbereich zu verwandeln.

 

Dennoch beteiligt Euch gerne an den Beteiligungsformat

 

Start der Beteiligung zum Sportpark Wassack! – Talbeteiligung

 

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