30.01.2026

Baustraße auf der Königshöhe

 Salamitaktik im Wald für Projekte ohne Finanzierung?

 

Während in Wuppertal gern von Nachhaltigkeit, Circular Valley und einer zukunftsweisenden BUGA 2031 gesprochen wird, laufen auf der Königshöhe und im Umfeld des Grünen Zoos Planungen, die zu diesen Leitbildern nur schwer passen. In der Sitzung des Beirats der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) am 29. Januar 2026 wurden mehrere Tagesordnungspunkte behandelt, die unmittelbar mit der BUGA und der geplanten Seilbahn verknüpft sind – bislang weitgehend abseits der öffentlichen Wahrnehmung. 

Konkret ging es um:

die Fällung von vier geschützten Linden im Bereich des Boettingerwegs,

sowie um die Errichtung einer Baustraße tief in den Wald der Königshöhe, um dort Probebohrungen für mögliche Seilbahnstützen durchzuführen.

Seilbahn nicht Teil der BUGA-Finanzierung – trotzdem Vorleistungen

Unstrittig ist: Die Seilbahn selbst ist nicht Bestandteil der Finanzierung der BUGA 2031.
Sie soll – sofern sie überhaupt realisiert wird – durch einen privaten Investor finanziert und von einem Betreiber betrieben werden. Genau dieser Investor bzw. Betreiber existiert bislang nicht.

Umso problematischer ist es, dass bereits jetzt städtisch beauftragte und finanzierte Vorleistungen erfolgen sollen. Mit Baustraße, Schotterauftrag und dem Einsatz eines Raupenfahrzeugs würden erhebliche Eingriffe in den Wald vorgenommen – für ein Projekt, dessen Umsetzung und Finanzierung völlig offen sind.

Baustraße tief im Wald – kein Bagatelleingriff

Nach den im UNB-Beirat vorgestellten Informationen soll die Baustraße weit in den Wald der Königshöhe hineinreichen, damit schwere Technik die Probebohrungen erreichen kann. Dafür ist die Einbringung von Schotter vorgesehen, um die Strecke tragfähig zu machen.

Es handelt sich also nicht um einen temporären Waldweg, sondern um einen massiven Eingriff in Bodenstruktur, Wasserhaushalt und Vegetation – mit langfristigen Folgen. Auch wenn die Seilbahn nicht kommen sollte. 

Parkhaus am Boettingerweg: Betrieb ungeklärt, Bäume sollen trotzdem fallen

Auch das geplante Parkhaus am Boettingerweg, für das vier geschützte Linden gefällt werden sollen, wirft grundlegende Fragen auf. Bis heute ist nicht geklärt, wie dieses Parkhaus betrieben werden soll, wer es nutzt und wer die Kosten trägt. Dennoch sollen bereits jetzt Bäume gefällt werden zumindest eine Befreiung schon mal eingeholt werden – wiederum ohne gesichertes Gesamtkonzept.

Denkmalschutz und Grüner Zoo: Alte Bäume unter Druck

Hinzu kommt ein weiterer, bislang wenig thematisierter Aspekt: Denkmalschutz und Baumbestand im Grünen Zoo.
Zwar ist die Seilbahn so geplant, dass sie „hoch“ geführt wird, zugleich aber zu niedrig für den bestehenden Altbaumbestand. Das bedeutet: Selbst wenn Bäume formal stehen bleiben, müssten große, prägende Bäume gekappt werden.

Das hat gravierende Folgen:

Der Habitus (das Erscheinungsbild) der Bäume wird dauerhaft geschädigt.

Gekappte Altbäume sind deutlich anfälliger für Pilz- und Bakterienbefall.

Langfristig steigt das Risiko, dass diese Bäume ganz verloren gehen.

Für einen Zoo, dessen Charakter maßgeblich durch seinen alten Baumbestand geprägt ist, wäre das ein schwerer Verlust.

Fehlende Gutachten, fehlende Transparenz

Besonders kritisch: Das Artenschutzgutachten ist noch nicht abgeschlossen. Dennoch sollen bereits jetzt Eingriffe vorgenommen werden. Damit werden mögliche Konflikte mit streng geschützten Arten bewusst vorweggenommen – entgegen dem Vorsorgeprinzip.

Am Tag vor der UNB-Sitzung berichtete Susanne Brambora-Schulz, Geschäftsführerin der BUGA Wuppertal 2031 gGmbH, in der Bezirksvertretung Elberfeld-West über den Stand der BUGA. Über die geplante Baustraße auf der Königshöhe wurde dort jedoch nicht informiert. Im UNB-Beirat selbst war sie nicht anwesend; dort trat ein anderer Vertreter der BUGA gGmbH auf.

Salamitaktik der Befreiungen – selbst der Beirat wird deutlich

Bemerkenswert ist, dass selbst der UNB-Beirat ungewöhnlich klare Worte fand. Kritisiert wurde eine Salamitaktik der Befreiungen: Einzelne Maßnahmen werden isoliert beantragt, während die Gesamtfolgen für Wald, Arten und Landschaft schrittweise vorweggenommen werden.

Als Reaktion darauf wurde ein Arbeitskreis zur BUGA eingerichtet, der sich nun intensiver mit diesen Fragen befassen soll – ein deutliches Zeichen dafür, dass auch aus fachlicher Sicht erheblicher Klärungsbedarf besteht.

Nachhaltigkeit ist mehr als ein Schlagwort

Baustraße im Wald, Baumfällungen ohne Betreiber, ungeklärte Finanzierung, fehlende Gutachten und Vorleistungen auf Kosten der Stadt – all das passt kaum zu den großen Worten von Nachhaltigkeit, Circular Economy und Zukunftsfähigkeit.

Die zentrale Frage bleibt:
Warum werden im Wald der Königshöhe, am Grünen Zoo und am Boettingerweg bereits Fakten geschaffen, obwohl weder Finanzierung, Betrieb noch rechtliche Voraussetzungen geklärt sind?  

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