Vier Tage in Berlin

Wuppertaler Bürger besuchten den SPD-Bundestagsabgeordneten Helge Lindh

„Nach zwei Jahren Zwangspause starten endlich wieder die Besuchs- und Informationsfahrten nach Berlin. Das Entscheidende ist, dass man hier in den Clinch geht, Bundestag und Bürgerschaft hautnah, ohne Netz und doppelten Boden.“ Menschen besäßen einen Anspruch darauf, „jenseits von Pressemitteilungen und Talkshows“ hinter die Kulissen zu blicken. „Es hat mich daher umso sehr gefreut, 50 engagierte und interessierte Wuppertalerinnen und Wuppertaler auf ihrer Fahrt nach Berlin begleiten zu dürfen“, resümiert Helge Lindh MdB den Besuch, den ihm eine große Gruppe von Frauen und Männern aus Wuppertal vom 12. bis 15. Juni in der Bundeshauptstadt abstattete.

Die Besuchs- und Informationsfahrten des Bundespresseamts seien ein Highlight der politischen Bildung: „Für viele der Teilnehmenden ist es das erste Mal, dass sie den Deutschen Bundestag, das Hohe Haus unserer Demokratie, besuchen können.“ Politische Entscheidungen müssten begründet werden. Die Kombination aus politischen, kulturellen und geschichtlichen Programmpunkten sei eine besondere Stärke der Besuchsfahrten, die dabei wie kaum ein anderes Angebot dabei helfen würden, den Austausch zwischen Bürgerschaft und Abgeordneten auszubauen und die Arbeit des Parlaments näherzubringen. Lindh spricht in diesem Zusammenhang von „aufsuchender Demokratie“.

Bei der Fahrt Mitte Juni kamen die Teilnehmer von der Friedrich-Spee-Akademie, der Lindh selber angehört, der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), aus Gruppen von ZWAR („Zwischen Arbeit und Ruhestand“), der Versehrtensportgemeinschaft Wuppertal und weiteren ehrenamtlich aktiven Bürgern der Stadt.

Jeder Abgeordneter kann pro Jahr drei Besuchergruppen à 50 Personen nach Berlin einladen. Diese Fahrten sind vollfinanziert und werden über das Bundespresseamt abgewickelt. Eingeladen werden politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger aus den Wahlkreisen. Die Wahlkreis- und Abgeordnetenbüros kümmern sich im Vorfeld um die Auswahl und den Kontakt zu den Gästen, die Buchung der Zugverbindung, die Zusammenstellung der Programmwünsche.

Bereits im Vorfeld einer jeden Besuchsfahrt sind deshalb viele Abstimmungen zwischen Abgeordnetenbüro, Bundespresseamt und Gästen zu erledigen. Jede Fahrt wird ab Ankunft in Berlin durch eine Reisebegleitung des Bundespresseamts übernommen, die fortan in Abstimmung mit dem Abgeordneten und seinem Team erste Ansprechpartnerin für alle organisatorischen Belange ist.

Die Zahl der Interessierten, die sich jedes Jahr für eine Fahrt nach Berlin melden, übersteigt bei weitem die verfügbaren Plätze und zeigt, wie erfolgreich dieses Angebot der politischen Information und Bildung ist. Für die Teilnehmenden ist es in der Regel eine ganz besondere Erfahrung, für drei Übernachtungen nach Berlin zu fahren und dabei die Arbeit der Abgeordneten sowie viele kulturelle Sehenswürdigkeiten und geschichtliche Erinnerungsorte kennenzulernen.


Die Teilnehmer der Fahrt unter der Reichstagskuppel. Foto: Sabine Mittermeier/BPA

Für die Mitarbeiter des Abgeordnetenbüros ist im Vorfeld der Besuchs- und Informationsfahrten einiges zu beachten: Die Teilnehmenden müssen ausgewählt, angeschrieben und mit den notwendigen Informationen zum Ablauf der Fahrt versorgt werden. Die Programmpunkte werden in Abstimmung mit dem Bundespresseamt erstellt. Kern des Besuchsprogramms ist dabei die Besichtigung des Deutschen Bundestags und eine Diskussionsrunde mit dem einladenden Abgeordneten, die in jeder Fahrt enthalten ist. Um diesen Programmpunkt herum werden die Besuche bei Gedenkstätten, Ministerien und anderer „Highlights“ gelegt. Bei der ersten Fahrt 2022 stellte sich zudem die Herausforderung, dass einzelne Institutionen, die sonst fest ins Programm gehören, noch keine Besuchergruppen empfangen. Ein Besuch im Bundeskanzleramt war deshalb leider nicht möglich. Eine besondere Herausforderung ist auch, den Interessen der meistens sehr heterogen zusammengesetzten Gruppen und deren Interessen gerecht zu werden.

Auf manche Probleme während der Fahrten hat man jedoch auch schlicht keine Einfluss, musste der die Gruppe auf der Hin- und Rückfahrt sowie an allen Besuchstagen in Berlin begleitende Markus Stockschläder feststellen. Der Buchungsservice der Deutschen Bahn hatte Sitzplatzreservierungen doppelt vergeben. Man musste also schlicht das Beste aus der unkomfortablen Situation herausgeholt werden. Umso erfreulicher, dass es Stockschläder nach 45 Minuten intensiver Absprache mit Fahrgästen, Zugpersonal und der Leitung einer mitfahrenden Kölner Besuchergruppe gelang, allen Teilnehmern zu einem Sitzplatz zu verhelfen. Glück im Unglück, dass der ICE zumindest nicht vollkommen überbucht war und so alle einen Platz finden konnten.

In Berlin gestalten sich die Termine dank der Begleitung des Bundespresseamts und der absolut routinierten Durchführung seitens der besuchten Institutionen hingegen stressfreier. Zum Programm gehörten Besuche und Führungen in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, im Bundestag (Plenarsaal und Kuppel), zum Denkmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma und zur East-Side-Gallery am Montag, eine Stadtrundfahrt, Infogespräch in der NRW-Landesvertretung und Gedenkstätte KZ Sachsenhausen am Dienstag sowie Spazieren über den Kudamm, für viele verbunden mit einem Besuch des KaDeWe, und Abreise am Mittwoch.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Gedächtniskirche 1943 schwer beschädigt. Nach einem Streit um den Wiederaufbau folgte die Einigung auf den Abriss des Kirchenschiffs, den Erhalt der 71 Meter hohen Turmruine als Mahnmal gegen den Krieg und auf den Neubau eines vierteiligen Bauensembles. Dieses wurde in den Jahren 1959 bis 1963 von Egon Eiermann im Stil der Moderne erbaut und besteht aus dem Kirchenschiff, dem Kirchturm, der Kapelle und dem Foyer. Sehr beeindruckt waren die Wuppertaler Besucher von der einmaligen Konstruktion des neuen Gotteshauses, die aus einer doppelwandigen Glasfensterwand besteht.

Die Führung durch die Gedächtniskirche war ebenso beeindruckend wie die per Bus erledigte, unwahrscheinlich informative und humorvolle Stadtführung, bei der nicht zuletzt der Gang über den Waldfriedhof Zehlendorf beeindruckte, auf dem Willy Brandt und Hildegard Knef liegen. Matthias Dohmen

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