Waldschutz hat leider keine Priorität: Zum Urteil Halde Osterholz

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat Klagen gegen das Planfeststellungsverfahren zur Erweiterung der Halde Osterholz abgewiesen. Damit endet das juristische Tauziehen um das Waldstück im Westen Wuppertals und mit einer Rodung ist in den nächsten Wochen zu rechnen.

Ulrich T. Christenn, GRÜNER Stadtrat vom Brill-Arrenberg, Vorsitzender des Umweltausschusses, nimmt für die GRÜNE-Stadtratsfraktion dazu Stellung:

„Die rechtliche Beurteilung ist nun klar und eindeutig. Und dennoch ist es schmerzhaft zu sehen, das nach geltendem deutschem Recht für das Aufschütten von unbelastetem Abraum eher ein Wald abgeholzt werden darf, als dass alternativ das Material in Gruben in der Nachbarschaft verfüllt werden kann.
In den sog. Osterholz-Gesprächen hat es sich gezeigt, dass die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen zu große Hürden bedeuten, um kurzfristig solche Alternativen umzusetzen. Leider ist dieser Weg – in einem Dialog-Prozess aller Beteiligten alternative Ablagerungen zu diskutieren – viel zu spät beschritten worden.

Waldschutz – und damit Klimaschutz – muss eine viel größere Bedeutung in der Gesetzgebung und in Verwaltungsvorgängen bekommen. Dafür ist es notwendig, dass sich Planfeststellungsverfahren nicht vornehmlich auf wirtschaftliche Nutzenbetrachtungen stützen, sondern auch ökologische Nachhaltigkeitsaspekte vermehrt einbeziehen. Vor allem die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft wie Ressourcenschonung und Wiederverwertung müssen in den Verfahren viel stärker berücksichtigt werden und Vorrang vor kurzfristigen Nutzungskonzepten mit möglicherweise langfristigen und irreversiblen Umweltschäden erhalten. Hier müssen das Land NRW und die Bezirksregierung Düsseldorf umdenken und handeln.“

Im letzten halben Jahr hatte es intensive Bemühungen aller Beteiligten gegeben, um alle technischen, rechtlichen, ökologischen und betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten zu diskutieren. Diese sog. Osterholz-Gespräche zur Suche nach Alternativen für die Abholzung wurden auf Initiative von Bündnis90/Die Grünen und der CDU im Sommer vom Stadtrat beschlossen.

„Das ehrliche Bemühen aller Beteiligten eine alternative Lösung zu finden, der offene Austausch, die positive Atmosphäre der Gespräche, der technische Support der Verwaltung und das Engagement des Oberbürgermeisters ist sehr zu loben. So könnten auch andere konfliktbehaftete Themen in unserer Stadt begleitet werden. Es ist zu hoffen, dass dieses friedliche Miteinander auch in den nächsten Wochen und Monaten weiter bestehen bleibt und es nicht zu einer Eskalation des Konfliktes kommt.

Für mich und viele Wuppertaler*innen, bleibt es schwer zu verstehen, dass es ein Unternehmen gibt, das unbelastetes Material produziert und abgeben möchte und wenige Kilometer entfernt es leeren Gruben anderer Unternehmen gibt, die mit Material abgesichert werden müssen, aber rechtliche und ökonomische Hürden das verhindern. Dass stattdessen ein Wald gerodet werden muss, erscheint absurd.“

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Kommentare

  1. Susanne Zweig sagt:

    „Dass stattdessen ein Wald gerodet werden muss, erscheint absurd.“
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    Zur Zeit wird der Abraum auf eine Halde unmittelbar neben der Grube gebracht. Die Kalkwerke rechnen offensichtlich mit 600 m³ Abraum pro Tag. Um diese 600 m³ in eine wenige Kilometer entfernte Nachbargrube zu bringen, werden Diesel-LKW zusätzlich CO2 erzeugen müssen.
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    Wenn es nur um Klimaschutz geht, müsste eine einfache CO2-Bilanz möglich sein: Wieviel CO2 binden die von Abholzung bedrohten 5 Hektar Wald im Jahr, und wieviel CO2 erzeugt der tägliche Transport von 600 m³ Abraum zur nächsten Grube jährlich?
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    Annahmen: 1 Liter Diesel verbrennt zu 2,65 kg CO2. 1 Lkw mit einem Dieselverbrauch von 50 l / 100 km fasst 10 m³ und fährt damit 5 Kilometer zur nächsten Grube und zurück.
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    Eine solche Fahrt kostet 2,5 Liter Diesel, also 6,625 kg CO2. Bei 60 Fahrten am Tag und 250 Arbeitstagen im Jahr komme ich auf 15.000 Fahrten im Jahr. Macht summa summarum 99,375 Tonnen CO2 / Jahr.
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    Ein Buchenwald bindet ca. 12 Tonnen CO2 pro Jahr und Hektar. Bei 5 Hektar also 60 Tonnen CO2 / Jahr.
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    Die Rechnung basiert auf groben Schätzungen und wild aus dem Netz zusammengeklickten Informationen. Aber wenn sie nur ungefähr stimmt, würde man mit dem Transport für viel Geld dem Klima mehr schaden als nützen.

    1. Ötte Troll sagt:

      Von LaieMann zu LaieFrau:

      Mit welchem Volumen sind Ihre LKWs auf Fahrt? Einen Hänger mehr ankoppeln und Ihre Rechnung wackelt.
      Sie rechnen auf ein Jahr bezogen, dies ist unseriös. Der Wald würde auch dann noch CO2 binden, wenn kein Abraum mehr transportiert wird.

      1. Susanne Zweig sagt:

        Nicht schlecht.

        Ein Hänger mehr hilft leider nicht viel. LKW sind nach StVZO auf 40 t Gesamtgewicht begrenzt und wiegen leer meist um die 15 t. Aber Sie können es gern mal mit 12,5 m³ versuchen.

        Die Kalkwerke rechnen noch mit 10 Jahren Kalkabbau. Das Defizit muss der Bestandswald erstmal aufholen. Nach dem Ende des Kalkabbaus kann auf der Halde wieder Wald wachsen. Außerdem müssen die Kalkwerke irgendwo Ausgleichsmaßnahmen für jeden abgeholzten Baum durchführen. Welche das genau sind, wird leider nicht sehr klar kommuniziert. Trotzdem wird’s eng.

        Aber rechnen Sie gerne selbst.

        1. Uli Armbruster sagt:

          „Nach dem Ende des Kalkabbaus kann auf der Halde wieder Wald wachsen“

          lesen Sie bitte mal das Buch:
          Peter Wohlleben
          Das geheime Leben der Bäume

          Nach Lektüre dieses Buches werden Sie obigen Satz nicht mehr in den Mund nehmen.

  2. Ötte Troll sagt:

    Leider scheint der Protest für den Erhalt einer liebenswerten Umwelt noch nicht erfolgreich zu sein.
    Doch das Drücken der Grünen auf die Tränendrüsen scheint mir unehrlich.
    Auf Bundesebene unterstützen Die Grünen NATO und Aufrüstung, sogar Nukleare Teilhabe. Sind Krieg, Manöver und Rüstung umweltfreundlich? Die Fraktion der Grünen hat relativ geschlossen NATO Einsätzen und höheren Rüstungsausgaben zugestimmt. Ein Schelm, wer einen Zusammenhang zwischen Grünen Politik und Spenden der Rüstungsindustrie erkennt (die Die Grünen erhalten und annehmen).
    Auf komminaler Ebene unterstützen Die Grünen und der grünschwarze OB Prof. Schneidewind eine BUGA mit sinnlosem Leuchturmprojekt (Hängebrücke). Für Bau, Parkraum und Sicherungsmassmahmen sollen zahlreiche Bäume gerodet werden.

    Doch freue ich mich über jene Grünen, die es ehrlich meinen und initiativ sind. Leider eine radikale Minderheit in der Partei Die Grünen.

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