19.05.2010

Umfrage: Hartz IV BezieherInnen in Wuppertal fühlen sich schlecht behandelt

Der Erwerbslosenverein Tacheles hat mit kollegialer Unterstützung diverser Einrichtung und Beratungstellen in Wuppertal die Zufriedenheit der Hartz-IV-Bezieher in Wuppertal erforscht und ist dabei auf schwerwiegende Mißstände in der Wuppertaler Arbeitslosenverwaltung gestoßen und stellt zudem fest, dass die Tacheles-Erhebung gravierende Unterschiede zu den Ergebnissen einer offiziellen bundesweiten Befragung aufweißt, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) regelmäßig bei Leistungsbezieher/innen durchführt.

agenturschluss

Wir möchten Ihnen/Euch daher unsere heutige Pressemitteilung und auch das Untersuchungsergebnis vorstellen.

Die Pressemittelung ist eingefügt und schön formatiert hier zu finden: http://www.frank-jaeger.info/fachinformationen/PM-Umfrage-Bericht.pdf/at_download/file,

die Untersuchung ist hier zu finden: http://www.frank-jaeger.info/fachinformationen/Bericht-Umfrage.pdf/at_download/file

Jetzt ist es an der Zeit für Wuppertal Änderungen einzufordern, denn so darf und kann es nicht weitergehen!

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Pressemitteilung, Tacheles e.V., Wuppertal, 18. Mai 2010

Umfrage bei Erwerbslosen widerlegt offizielles Ergebnis der Bundesagentur für Arbeit
Die vom Erwerbslosenverein Tacheles e.V. durchgeführte „Kundenzufriedenheits­umfrage“ offenbart schwerwiegende Mängel an der Arbeit der Wuppertaler ARGE.

In dem soeben von Tacheles vorgelegten 33seitigen Bericht werden die Ergebnisse einer Umfrage dargestellt, die im letzten Quartal 2009 und im Januar 2010 bei Arbeitslosengeld II-Bezieher/innen in Wuppertal durchgeführt wurde. Mit Hilfe eines 16 Fragen umfassenden Erhebungsbogens wurden 446 erwerbslose Personen größtenteils in den Geschäftsstellen der ARGE zu ihrer Zufriedenheit mit der Wuppertaler Hartz IV-Behörde befragt.

Bei der Bewertung der Gesamtzufriedenheit mit der Arbeit der ARGE lag die Durchschnittsnote aller Befragten bei 4,6. Das schlechteste Ergebnis bei dieser Frage erzielte die Geschäftsstelle 7 der ARGE in Oberbarmen (Schwarzbach) mit dem der Notendurchschnitt 5,4. Schlechte Noten gab es auch für den Umgangston und die telefonische Erreichbarkeit der ARGE-Mitarbeiter/innen, die fachliche Beratung oder die Bearbeitungsdauer der Anträge. Weiter brachte die Umfrage zutage, dass zwei Drittel der Befragten bei der ARGE Wuppertal bereits Erfahrungen mit verloren gegangen Unterlagen gemacht hatten und dass über die Hälfte der Befragten die Wartezeit bis zur Ausstellung einer Eingangsbestätigung mit mangelhaft und ungenügend bewerteten. Die durch die Befragung ermittelten Missstände betreffen sowohl die allgemeine Situation in den Wuppertaler ARGE-Geschäftsstellen (z.B. Umgang und Wartezeit) als auch den Bereich der materiellen Existenzsicherung (z.B.
Beratung/Unterstützung und Bearbeit
ungsdauer von Anliegen).

„Die Befragung legt insgesamt grundlegende strukturelle Mängel bei der Verwaltung der 46.500 Wuppertaler Hartz IV-Bezieher/innen offen, die für eine Sozialverwaltung untragbar sind und dringend beseitigt werden müssen,“ äußert Frank Jäger, der die Untersuchung von Tacheles leitete. „Dem kann man nur mit einer ausreichenden personellen Ausstattung mit unbefristet eingestellten Mitarbeiter/innen und einer besseren, kontinuierlicheren Schulung des Personals beikommen.“ Neben einer qualifizierten fachlichen Aufklärung und Beratung der Leistungsbeziehenden fordert Tacheles die Erreichbarkeit der Mitarbeiter/innen zu verbessern und die Bearbeitungsdauer von Anträgen zu verkürzen. Des Weiteren sei die verzögerte Auszahlung der Leistung und der Schwund von eingereichten Schreiben einzudämmen. „Außerdem bleiben wir bei unserer langjährigen Forderung, dass endlich Poststellen geschaffen werden, in denen schnell und unbürokratisch Schreiben
und Belege entgegengenommen und entsprechende
Eingangsbestätigungen ausgestellt werden können. Das wäre ein bedeutender Zugewinn an Rechtssicherheit für Erwerbslose“, erläutert Jäger.

Des Weiteren legt die Tacheles-Erhebung gravierende Unterschiede zu den Ergebnissen einer offiziellen bundesweiten Befragung offen, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) regelmäßig bei Leistungsbezieher/innen durchführt. Dass die Ergebnisse der Behördenumfrage wesentlich positiver für die ARGE ausfallen, führt der Verein auf unzulässige Untersuchungsmethoden zurück. „Wir bemängeln vor allem, dass die telefonische Datenerhebung durch Mitarbeiter/innen der BA eben nicht die erforderliche Anonymität und Unbefangenheit der Befragten gewährleistet, damit diese in einer unbelasteten Befragungssituation ehrliche und unbeeinflusste Antworten geben“, erläutert Frank Jäger. „Diese Voraussetzung wäre nur erfüllt, wenn die Befragung durch ein unabhängiges Institut mit einem anonymisierten Verfahren durchgeführt würde.“ Der Verein fordert daher die Bundesagentur auf, diese für die Qualitätssicherung zentralen Kennzahlen im Rahmen einer
aussagekräftigen unabhängigen Untersuchung zu ermitte
ln. „Anderenfalls werden die tatsächlichen Zustände in den ARGEn und Jobcentern mit einer manipulierten Statistik verschleiert“, konstatiert Jäger.

Dass ein starkes Bedürfnis an der Offenlegung der Situation in den Hartz IV-Behören besteht, wird durch das Interesse bestätigt, das die Tacheles-Umfrage hervorgerufen hat. „Unsere unabhängige ‚Kundenzufriedenheitsumfrage’ dient inzwischen als Vorlage für vergleichbare Untersuchungen, die von mehreren Organisationen im Bundesgebiet durchgeführt werden“, berichtet Jäger. „Die größte davon wird vom Diakonischen Werk in Bayern organisiert.“

Durch die nun vorliegenden Ergebnisse erhofft sich Tacheles ein gesteigertes Problembewusstsein bei den Verantwortlichen und der Öffentlichkeit. Die Untersuchung zeigt einmal mehr, dass die offen gelegten Verwaltungsmängel und die insgesamt schlechte Bewertung der ARGE Wuppertal nicht mit Verweis auf „bedauerliche Einzelfälle“ abgetan werden können. Dessen ungeachtet rät der Verein den betroffenen Erwerbslosen, sich künftig bei Behördenfehlern schriftlich zu beschweren und sich bei Problemen mit der ARGE an die Sozialberater/innen des Vereins oder eine andere kompetente Beratungsstelle zu wenden.

Hintergrund:
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Untersuchungsbericht: Unabhängige „Kundenzufriedenheitsumfrage“ bei Bezieher/innen von  Leistungen nach dem SGB II  in Wuppertal (http://www.frank-jaeger.info/fachinformationen/Bericht-Umfrage.pdf/at_download/file)

Pressemitteilung vom 20.09.2009: Tacheles fühlt ARGE auf den Zahn — Unabhängige „Kunden”zufriedenheitsumfrage in Wuppertal gestartet (http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2009/Kundenzufriedenheitsumfrage.aspx)

Am 1. März, dem Zahltag, stellen wir die Ergebnisse unserer unabhängigen „Kundenzufriedenheitsumfrage” vor – Zum „Zahltag“ trifft sich der Erwerbslosenverein Tacheles

(http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2010/Zahltag-20100301.aspx
die PDF Fassung der PM zum Herunterladen findest du unter
http://www.frank-jaeger.info/fachinformationen/PM-Umfrage-Bericht.pdf/at_download/file

und den Bericht selbst unter
http://www.frank-jaeger.info/fachinformationen/Bericht-Umfrage.pdf/at_download/file
(steht schon im Dokument)

Presse:

http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/rueckschau/2010/05/18/lokalzeit_bergisches_land.xml?offset=48&autoPlay=true

Radio Wuppertal Tacheles beurteilt Arge schlecht – Arge sich selbst gut

Die Arge und der Erwerbslosenverein Tacheles streiten sich, wie zufrieden Hartz-IV-Empfänger in Wuppertal sind. Tacheles kommt in seinen Umfragen zu einem wesentlich schlechteren Ergebnis als die Arge.
In Schulnoten bewertet liegt die Leistung der Arge bei Tacheles zwischen 4- und 5+. Die Arge selbst kommt auf eine 2,7 für ihre Arbeit. Tacheles kritisiert, die Arge frage nicht anonym und bekomme deshalb nur unehrliche und damit zu positive Antworten. Arge-Chef Thomas Lenz weist das zurück. Die Methoden von Tacheles würden keiner sozialwissenschaftlichen Überprüfung standhalten. Tacheles klagt vor allem über zu lange Bearbeitungszeiten und unfreundliche Arge-Mitarbeiter. Die Arge selbst sieht ihre Leistung gut.

WZ Arge weist Tacheles-Kritik zurück
Umfrage belege Mängel bei der Arge.

Wuppertal. Die Wuppertaler Erwerbsloseninitiative Tacheles hat 446 arbeitslose Hartz-IV-Bezieher in den Geschäftstellen der Arge danach befragt, wie zufrieden diese mit der Arbeit der Behörde sind. Die Durchschnittsnote lag demnach bei 4,6. Laut Tacheles belege dieses Ergebnis „grundlegende strukturelle Mängel bei der Verwaltung der 46.500 Wuppertaler Hartz-IV-Bezieher“.

Thomas Lenz, Leiter der Arge, wies die Kritik zurück: „Die Vorwürfe sind inhaltlich absurd und berechtigte Forderungen längst erfüllt. Das hat nichts mit der Realität zu tun.“ Laut Lenz handele es sich um eine alte Umfrage, die Tacheles neu aufgewärmt habe. rom

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Kommentare

  1. Mina Knallenfalls sagt:

    Pressemitteilung vom 19.05.2010

    Tacheles hält die Kritik an ARGE aufrecht
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    Die ARGE Wuppertal weist die Kritik von Tacheles als „inhaltlich absurd und „nichts mit der Realität zu tun“ – habend zurück, zudem sei die Umfrage nur in Beschwerdestellen erhoben worden, so ARGE Leiter Lenz in der WZ weiter.

    Dazu möchte der Verein klarstellen: Die Untersuchungsergebnisse spiegeln genau die Realität, die in der Wuppertaler ARGE vorherrscht wider. Oftmals entwürdigender Umgang mit Antragstellern, gravierende personelle und strukturelle Missstände und eine Geschäftsführung die völlig inkompetent ist. „Dieser Realität ist ins Auge zu sehen!“ so Harald Thomé, Vereinsvorsitzender von Tacheles.

    Die Untersuchung von Tacheles wurde, entgegen der Meinung von Thomas Lenz, fast ausschließlich in den ARGEn selbst durchgeführt. Nur ein kleiner Teil der Befragungen fand in Beratungsstellen statt. Somit wurde dafür Sorge getragen, dass die Umfrageergebnisse nicht gefärbt sind. Der Vorwurf von Herrn Lenz zur fehlenden Seriosität und Neutralität der Umfrage greift also nicht. Dieser Vorwurf ist vielmehr der immer wieder als Beispiel herangeführten Umfrage der ARGE selbst zu machen. Jeder mag sich selbst sein Urteil dazu bilden, inwieweit ehrliche Antworten zu erwarten sind, wenn sozusagen der „Brötchengeber“ eine telefonische Zufriedenheitsumfrage macht. Dass in diesem Fall die Befragten aus Angst vor Repressalien eine für die Behörde wohlwollende Antwort geben, ist schlüssig und nachvollziehbar.
    Ebenfalls ist dem Vorwurf, die Umfrage sei veraltet, entschieden entgegen zu treten, da diese bis einschließlich Jan. 2010 durchgeführt wurde. Anschließend wurde sie ausgewertet und zur Darstellung bearbeitet.

    Für Wuppertal und die Wuppertaler ARGE sollte es jetzt an der Zeit sein, sich mit den Missständen, die die Untersuchung offenbart, auseinanderzusetzen. Die Kritiker zu diffamieren und öffentlich anzugreifen, ist nicht der richtige Weg, mit Kritik umzugehen.
    „Die Umfrage belegt überdeutlich, dass es sich genau nicht um Einzelfälle handelt, wie die ARGE Leitung immer betont, wenn sie auf Probleme angesprochen wird, sondern sie offenbart dass in der Wuppertaler ARGE einiges im Argen liegt“, so Thomé weiter.

    Der Verein Tacheles möchte ebenfalls auf Leserbriefreaktionen in der Westdeutschen Zeitung hinweisen – insofern sie nicht gelöscht wurden – , diese geben absolut deutlich die Realität in der Wuppertaler ARGE wieder. Diese sind in Kopie angehängt.
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    Nun ist das ganze Material auch auf der Tacheleshomepage zu finden: http://www.tacheles-sozialhilfe.de/tacheles/medieninfos/PM_2010-05-18.aspx

    Ganz interessant ist die Diskussion in der WZ, die dortigem Beiträge bestätigen unsere Positionierung zur ARGE: http://www.wz-online.de/?redid=834985

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    Schön wäre jetzt, wenn sich noch mehr Personen und Organisationenan der Diskussion beteiligen würden!!

    In dem Sinne

    Viele Grüße

    Tacheles e.V. / Erwerbslosen – und Sozialhilfeverein
    Harald Thomé

  2. Waldorf sagt:

    „Die Methoden von Tacheles würden keiner sozialwissenschaftlichen Überprüfung standhalten.“

    Ebenso die Befragungsmethoden der ARGE.. da sollte sich Herr Lenz mal nicht aus dem Fenster lehnen. Schließlich ist weder ein unabhängiges Erhebungsinstitut mit dem Entwurf der Fragen und auch der Befragung selbst beauftragt worden, noch eine tatsächlich repräsentative Schnittmenge ermittelt worden. Des Weiteren wird die Befragung nicht einmal anonymisiert durchgeführt. Insofern würde jeder Soziologe diese Befragung als völlig aussagelos verwerfen.

    „Die Vorwürfe sind inhaltlich absurd und berechtigte Forderungen längst erfüllt. Das hat nichts mit der Realität zu tun.“

    Realitäts- ebenso wie absolute Kritikresistenz ist nun mal ein wesentliches Merkmal deutscher Behörden- und Beamtenapparatur. Anstatt sich inhaltlich mit den vorgelegten Zahlen und deren Grundlagen zu befassen, werden die angemahnten Mängel und die festgestellte Unzufriedenheit reflexartig als – ja als was eigentlich? als Lüge? Hirngespinste? – abgewiesen. Gestlatungs- und Verbesserungswille? Fehlanzeige.. Hat man ja auch nicht nötig als Beamter.

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