24.03.2020

Hegels Pferd, ein geisteskranker Dichter und des Autors Tochter

464 Seiten Geschwurbel über Hölderlin und Hegel, das niemanden schlauer macht. Da hat sich jemand ausgesülzt.

Es beginnt schon mit dem Inhaltsverzeichnis. Ein dickes Buch mit gerade einmal vier Kapiteln. Am Ende dann ganze zwei Seiten Anmerkungen (Endnoten), Bibliographie und Personenverzeichnis.

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Geistreich ist schön, nur geistreich auszuschauen weniger. Dafür zwei Belege. „Ein Satz von Hegel steht da wie ein Pferd, das den Weg nach Hause von alleine findet“, heißt es auf S. 14. Die Philosophie, S. 162, „bemüht sich aus innerem Drang, die großen Wörter zu erklären, die wie Drachen am Himmel flattern, gehalten von Seilen der Argumentationen, Erläuterungen und Analysen, die so etwas sind wie die Handlungen der Philosophie“.

Hegel und Hölderlin haben sich gekannt und später aus den Augen verloren. Der eine wurde ein großer Philosoph, und der andere ein Dichter, der, angeblich, im Wahnsinn endete. Zur Schizophrenie Hölderlins gibt es Literatur, darüber, dass sie nur angeblich existierte, auch. Die Arbeiten von Pierre Bertaux tauchen zwar in Rathgebs Literaturliste auf, werden aber kaum rezipiert. Zu allem Überfluss wird der Franzose einmal richtig und einmal falsch geschrieben.

Überhaupt die Bibliographie: Was soll der Leser mit dem summarischen Hinweis auf Werkausgaben von Heinrich von Kleist, Friedrich Gottlieb Klopstock oder Gotthold Ephraim Lessing anfangen? Und dass man bibliographische Angaben nach dem guten deutschen Alphabet sortiert: Konnte der Blessing-Verlag keinen Lektor abstellen?

Der FAS war die Publikation zwei wertvolle Seiten wert (5.1., S. 36 f.). Der Rezensent kann die Lektüre eines Buches nicht empfehlen, das folgenden „Schluss“ aufweist: „Meine Tochter fragt, ob es das jetzt war, und ich sage, ja, und sie sagt, gut, ich gehe jetzt, habe noch was zu tun. Und dann fällt die Tür ins Schloss“ (S. 449).

Und der Leser greift verzweifelt nach einem Werk Hegels oder einem Gedicht Hölderlins. Ende.

Matthias Dohmen

Eberhard Rathgeb, Zwei Hälften des Lebens. Hegel und Hölderlin – Eine Freundschaft, München: Blessing/Randomhouse 2019, ISBN 978-3-89667-597-2, 464 S., 24,00 Euro, www.blessing-verlag.de.

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