13.02.2019

Play Europeras 1&2

Die Oper Wuppertal traut sich was

Nur selten hat man die Gelegenheit, die Aufführung des Amerikaners John Cage auf der Bühne zu sehen. Es ist auch nicht so ganz verwunderlich, denn es ist keine leichte Kost, was dem Zuschauer hier vielleicht auch „zugemutet“ wird. Seichte Unterhaltung sieht auf jeden Fall anders aus.

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Doch was ist dieses „Europeras 1&2“ eigentlich?

Von der Grundidee sagte John Cage „„200 Jahre lang haben uns die Europäer ihre Opern geschickt. Nun schicke ich sie alle zurück.“ . Es wird also keine neue Oper komponiert, sondern aus ca. 200 Opern werden willkürlich (gewürfelt nach dem iGing System) Fragmente gespielt. Unter der Anleitung des Regisseurs DANIEL WETZEL (Rimini Protokoll) agieren etwa 10 Sänger und 11 „Alltagsexperten“ (Statisterie) auf dem überdimensionalen Bühnenschachbrett im zweiten Teil. Im ersten Teil sieht der Zuschauer fast ausschließlich Filmausschnitte auf mehreren (16 !) Ebenen – und alle gleichzeitig. Eine vorgegebene Story gibt es nicht. Der Zuschauer ist gefordert und so manch einer darf überraschend zu einem Teil des Geschehens werden.

Europeras 1 & 2 ist ein Opernzirkus, ein Experiment des Unerwarteten, Unerhörten. Er spannt den großen Boden zwischen Unerwartetem und Entscheidung – sowohl im Prozess seiner Erarbeitung, als auch in jedem Moment der Aufführung. Wie gehen wir mit der Überraschung um? Mit dem Unerhörten? Wo, wenn nicht in das Neue, lohnt es sich, hinein zu lauschen? Was, wenn nicht die Beobachtung des eigenen Umgangs mit den mitgebrachten Konventionen, steht auf dem Spiel bei diesem Spiel?

Am 2. Februar wurde die Premiere vor fast ausverkauften Haus aufgeführt – und zur Freude der Akteure stand fast das ganze Haus auf und applaudierte. Auch die zweite Aufführung am 10.2. war sehr gut besucht und die Resonanz der Besucher angenehm positiv. Wer hätte das gedacht? Wuppertal ist wirklich nicht langweilig und hat sogar Überraschungen zu bieten, die der Außenstehende nicht erwartet hätte.

Wer sich einen anstrengend erholsamen, aufregenden und herausfordenden Abend gönnen möchte, hervorragende Sänger und die wirklich ausgezeichneten Musiker der Wuppertaler Symphoniker einmal in ungewohnter Zusammensetzung erleben möchte, der kann noch im März und auch im April (1. März und 6. April) die Gelegenheit nutzen.

Darf ich noch auf die Statisten hinweisen, die hier nicht nur Dekoration, sondern als Assistenten und Akteure (Experten des Alltags!) zum Gelingen des Stückes ein wenig beitragen durften? Dank der professionellen Hände hinter der Bühne durchleben sie spannende Wandlungen, so daß man deutlich mehr Teilnehmer vermuten würde … danke an die „Maskenbildner“ und Kostümexperten.

Holger Reich

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