08.06.2016

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Transparenz nicht zur Floskel verkommen lassen

Die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Wuppertal kritisiert die mangelhafte Kostensteuerung beim Umbau Döppersberg, die nun zu den von der Stadt veröffentlichten Mehrkosten in Höhe von vier Millionen Euro führt.

im_Rat_der_Stadt_Wuppertal„Von Beginn des Projekts ‚Umbau Döppersberg’ an fordern wir Freien Demokraten ein Maximum an Transparenz“, so Alexander Schmidt, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Wuppertal. „Und genau deshalb pochen wir regelmäßig auf die zeitnahe Vorlage von Controllingberichten, die üblicherweise am Ende eines Folgemonats vorliegen sollten. In Wuppertal hingegen liegt noch nicht einmal der Bericht für den Monat März vor. Die Mehrkosten sind also schon lange bekannt, sie wurden halt nur bislang noch von niemandem addiert. Wie soll denn unter solchen Umständen eine vernünftige Kostensteuerung funktionieren?“

 

Die Freien Demokraten kritisieren, dass sich die von Oberbürgermeister Mucke angekündigte Transparenz leider bislang noch nicht in allen Teilen der Verwaltungsarbeit niederschlägt.

 

„Wir brauchen nicht nur mit Blick auf das Kommunikationskonzept Döppersberg eine Kommunikation, die auf Basis von Transparenz und größtmöglicher Information beruht. Das Dilemma jetzt zeigt einmal mehr, dass wahre Transparenz nicht nur wohlfeil kommuniziert, sondern eben auch mit Leben gefüllt werden muss“, so Schmidt abschließend.

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Kommentare

  1. transparentes Wuppertal sagt:

    Entnazifizierung von Eduard von der Heydt ohne Beschluss des Stadtrates?
    Transparent Wuppertal·Freitag, 10. Juni 2016

    Letzte Woche wurde hier in Wuppertal ein Protokoll bekannt, aus dem hervorgeht, dass die Rehabilitierung von Eduard von der Heydt vollzogen wurde. Die Debatte um von der Heydt und die darauf folgende Umbenennung des Wuppertaler Kulturpreises hatte seiner Zeit auch bundesweites Aufsehen verursacht. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard…
    http://wuppertaler-initiative.de/im…)

    Jetzt wurde Eduard von der Heydt von den Wuppertaler Fachleuten der „Kommission für eine Kultur des Erinnerns“ entnazifiziert. Auf besonderen Wunsch von Jörg Mittelsten Scheidt (ehemaliger Chef von Vorwerk) und wichtiger Wuppertaler Mäzen soll der NS-belastete von der Heydt rehabilitiert werden. „Herr Dr. Mittelsten Scheid vertritt die Auffassung, dass Eduard von der Heydt mit der Umbenennung des Preises großes Unrecht widerfahren sei. Damals sei die Kommission unsicher gewesen und habe deshalb dem Rat dies so vorgeschlagen. Jetzt müsse man den Irrtum eingestehen.“

    Unruhe vermeiden – Berichterstattung verhindern – Stadtrat ausschalten!

    Diese Rehabilitierung soll aber in Zeiten von Bürgerbeteiligung – trotz des neuen und unanfechtbaren Forschungsstandes – nicht über den Stadtrat laufen, sondern um Unruhe zu vermeiden, reicht den Initiatoren, dass die „Kommission für eine Kultur des Erinnerns“ eingesteht, dass sie sich bei der negativen Bewertung Eduard von Heydts geirrt habe:
    Wir zitieren aus dem Protokoll:
    „Frau Dr. Schrader [Leiterin der Gedenkstätte Alte Synagoge] sieht heute ebenfalls eine andere Faktenlage, gibt aber zu bedenken, dass die Diskussion 2008 aus einer anderen Gemengelage entstanden sei. Man habe damals was finden wollen. Es gehe um das Bedürfnis, „Helden“ zu suchen, aufzubauen und dann gebe es bei den Menschen auch eine andere Seite. Z.B. sei der Polizeibeamte Paul Kreber, der mehrere Sinti- Familien in der NS-Zeit vor der Deportation gerettet hätte, nicht nur ein Held gewesen. Auch Eduard von der Heydt habe sicher seine Schwächen gehabt. Bei der Frage der Wiederherstellung des vollständigen Namens durch einen politischen Akt, müsse man wieder mit Unruhe rechnen. Die Diskussion würde erneut entfacht. Vielleicht gebe es ja andere Lösungen.
    (…)
    Herr Dr. Mittelsten Scheid kann sich auch vorstellen, dass die Kommission erklärt, man habe sich geirrt und dies ohne Antrag an den Rat der Stadt.
    Lt. Herrn OB Mucke sei die Umbenennung 2008, nach dem zu dem Zeitpunkt auch in der Diskussion stand, den Namen ganz zu streichen, ein guter Kompromiss gewesen. Die Kommission für eine Kultur des Erinnerns sei das Gremium, welches das Ganze historisch zu bewerten habe und der Rat der Stadt politisch. Der Vorschlag von Herrn Dr. Mittelsten Scheid sei daher sehr weise. Seiner Einschätzung nach würde eine erneute Diskussion im Rat negative Folgen haben.

    Herr Beig. Nocke fasst zusammen, dass die gesamte Familie von der Heydt die Stadtgeschichte
    Spiegele und durch die Jahrhunderte geprägt habe. Ziel sei es zunächst, der Person Eduard von der Heydt auch nach seinem Tod Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, auch wenn er kein Held und keine starke Persönlichkeit gewesen sei. Man habe Eduard von der Heydt etwas entzogen, was ihm vorher zum ehrenden Andenken verliehen worden sei. Es habe Wissenslücken gegeben, die man durch das Buch von Herrn Dr. Illner und durch das Symposium aufgearbeitet habe. Jetzt gehe es um die Schlussfolgerung daraus. Es sei gut, dass man sich Zeit genommen hätte. Das Ergebnis sollte jetzt sein, Eduard von der Heydt in Form einer korrigierenden Aussage der Kommission zu würdigen. Eine weitere Würdigung könnte zum Beispiel durch das Aufstellen einer Büste Eduard von der Heydts im Von der Heydt-Museums erfolgen.“

    Das „Eingeständnis des Irrtums“ ist mittlerweile am 4.5.2016 von der „Kommission zur Kultur des Erinnerns“ gegen eine Stimme der Linkspartei mehrheitlich beschlossen worden.

    Eine Berichterstattung über die bewusste Ausklammerung des Stadtrates ist bisher von den örtlichen Medien nicht erfolgt. Auch die im Stadtrat vertretenen Parteien machen bisher keinen (öffentlich) vernehmbaren Mucks. Kein Wunder, wer will sich schon mit dem wichtigen Mäzen anlegen?

    Dass sich aber ein SPD-Oberbürgermeister, die Leiterin einer Gedenkstätte und eine städtische Kommission, die sich um die Kultur des Erinnerns kümmern soll, in Zeiten von Bürgerbeteiligung und allseits geforderter Zivilcourage ernsthaft „Unruhe“ und die Neuentfachung einer notwendigen Diskussion fürchtet und die negativen Folgen einer erneuten Diskussion im Rat vermeiden wollen, hat uns doch sehr verblüfft. Diese Diskussions-Kultur des Erinnerns ist einer Großstadt nicht würdig!

    Für eine Kultur des Erinnerns ohne Duckmäusertum und für ein bisschen Zivilcourage

    Wir dokumentieren das Protokoll:
    Kommission für eine Kultur des Erinnerns
    Protokoll der Sitzung vom 21.04.2016

    Anwesend:
    Sachkundige Bürgerinnen und Bürger:
    Herr Dr. Mittelsten Scheid, Herr Dr. h.c. Vaupel, Frau Dr. Schrader, Herr Schröder
    Fraktionen:
    Frau Albel (Linke), Herr Buntrock (CDU), Herr Mengelberg (Bündnis 90/Die Grünen), Herr Ulsmann (FDP)

    Stadt:
    OB Mucke als Vorsitzender, Herr Beig. Nocke, Frau Eckermann (Presseamt), Frau Dr. Birthälmer (Von der Heydt-Museum), Herr Dr. Illner (Historisches Zentrum), Herr Telian (Büro Oberbürgermeister), Frau König (Geschäftsbereich Kultur und Sport & Sicherheit und Ordnung)

    Entschuldigt:
    Frau Berendes, Frau Dicken-Begrich, Frau Federschmidt, Frau Glauner, Herr Dr. Köster (CDU), Frau Schulz (SPD)

    Schriftführerin: Birgit König

    Einziger Tagesordnungspunkt:
    Geschichtliche Einordnung von Eduard von der Heydt

    Herr OB Mucke begrüßt die Mitglieder der Kommission, blickt kurz auf die Historie der Kommission für eine Kultur des Erinnerns zurück und freut sich, auf eine gemeinsame gute Zusammenarbeit mit guten Ergebnissen, die man gemeinsam tragen werde.
    Zum heutigen Thema verweist Herr OB Mucke auf die Diskussion 2008, die zu einer Umbenennung des Eduard von der Heydt-Preises in Von der Heydt-Kulturpreis geführt habe. Die Umbenennung sei zum damaligen Zeitpunkt ein guter Kompromiss gewesen, um den Namen Von der Heydt weiterzutragen. Nach der Ausstellung Weltkunst und dem Symposium zur zeitgeschichtlichen und sammlungsgeschichtlichen Einordnung im Zusammenhang mit dieser Ausstellung gehe es in der heutigen Sitzung um die aktuelle geschichtliche Einordnung von Eduard von der Heydt.

    Herr Dr. Mittelsten Scheid erläutert seine Beweggründe für den Wunsch, das Thema Eduard von der Heydt in der Sitzung dieser Kommission zu behandeln. Er habe an der Vortragsveranstaltung im Frühjahr 2008 teilgenommen. In dieser Zeit habe es heftige Diskussionen und massive Vorwürfe gegen die Person Eduard von der Heydt gegeben. Wegen der für Außenstehende aufgekommenen Zweifel, habe die Kommission empfohlen, den Preis umzubenennen, sich aber vorbehalten, dass Thema erneut aufzugreifen, wenn man mehr wisse. Das sei nach den umfassenden Untersuchungen, die in dem von Herrn Dr. Illner herausgegebenem Buch „Eduard von der Heydt – Kunstsammler Bankier Mäzen“ dokumentiert sind und nach dem Symposium vom 23./24. Oktober 2015 jetzt der Fall.

    Dr. Mittelsten Scheid fügt hinzu, dass er, wenn er damals gewusst hätte, was er heute wisse, der Umbenennung nicht zugestimmt hätte. Eduard von der Heydt sei ein Genie gewesen, was sein Sinn für Kunst anbelangt habe. Er habe mit einer großen Begabung und einem sicheren Gefühl eine einzigartige Sammlung zusammengetragen. Die Qualität der Asiensammlung sei einmalig. Die Werke seien von Eduard von der Heydt gestiftet worden und nicht von der Familie. Die Stiftung lege Zeugnis von dessen einmaliger Begabung ab. Es gehe nicht darum, ob Eduard von der Heydt in jeglicher Hinsicht ein Vorbild als Mensch gewesen sei, sondern darum, was er für die Stadt getan habe.
    Außerdem müsse man versuchen, sich in die damalige Zeit zu versetzen, die von Angst und Denunziantentum geprägt gewesen sei. Eduard von der Heydt habe versucht, seine Sammlung zu schützen, so gut es ging.
    Eduard von der Heydt sei mit der Umbenennung des Kulturpreises Unrecht geschehen.

    Frau Dr. Birthälmer schildert in ihrem Vortrag die Aspekte zur Ausstellung „Weltkunst“ und die Einbettung des Symposiums in den Kontext der Ausstellung. Die besondere Aufgabe des Von der Heydt-Museums habe darin bestanden, die Werke in der Ausstellung sinnvoll zusammenzuführen und dabei der moralischen Verantwortung gerecht zu werden. Dementsprechend habe man die Ausstellung sehr sorgfältig mit Texten, Fotos und Schautafel n ergänzt.
    Wer die Ausstellung genau betrachtet habe und sich mit den Auswirkungen in der NS-Zeit z. B. bei Kunst aus Afrika beschäftige, würde erkennen, dass Leihgeber damals gezwungen gewesen seien, solche Kunstwerke zurückzuziehen. Demgegenüber hätte z.B. das Museum of Modern Art in New York vollkommen konträr zu der Situation in Deutschland z.B. 1935 eine Ausstellung „African Negro Art“ gezeigt, bei der Eduard von der Heydt Leihgeber gewesen wäre und in der es darum gegangen wäre, der afrikanischen Kunst einen angemessenen Raum im Rahmen der ästhetischen Traditionen in der Welt zu geben.
    Die Ausstellung Weltkunst im Von der Heydt Museum sei in Kooperation mit dem Museum Rietberg in Zürich entstanden. Dadurch sei es zum ersten Mal gelungen, den universalistischen Charakter der Sammlung von Eduard von der Heydt sichtbar werden zu lassen.
    Nach der Ausstellung 2013 im Rietberg Museum habe man den Rahmen der Ausstellung in Wuppertal mit neuen thematischen Schwerpunkten erheblich erweitert. Bewusst herausgestellt worden sei Eduard von der Heydts Idee der Weltkunst und die Frage, was sich eigentlich dahinter verbirgt.
    Daraus hätten sich weiterführende Überlegungen für das Symposium ergeben. Nach einem Einführungsvortrag von Prof. Steinbach gab es eine Zweiteilung – einen Teil Zeitgeschichte, moderiert von Herrn Dr. Illner und einen Teil Sammlungsgeschichte, moderiert von Dr. Albert Lutz, dem Direktor des Museums Rietberg.
    Im Zuge des Symposiums habe man herausgearbeitet, dass Eduard von der Heydt als Sammler auch ein geschäftliches Kalkül verfolgt habe, um sich gesellschaftlich zu etablieren. Die Sammlung sei integraler Bestandteil seines Bankgeschäftes gewesen. Durch geschickte Transaktionen sei es Eduard von der Heydt gelungen, die Sammlung in Museen gut zu positionieren, sie in der NS-Zeit aber auch abzuziehen und so vor dem Krieg zu retten.
    Eduard von der Heydt habe in einem größeren Netzwerk von Galeristen, Sammlern und Wissenschaftlern gestanden, die einen neuen Zugang zu der Kunst Asiens, Afrika und Ozeaniens suchten und aus dem kolonialen Blick herauslösten und als gleichwertig betrachteten. Als Sammler hätte er damit eine dem nationalsozialistischen Regime gegenüber konträre Position eingenommen mit einer übergeordneten weltanschaulichen Haltung. Dem Weltkunst-Konzept komme eine essentielle Bedeutung zu.

    Herr Dr. Illner bezeichnet Eduard von der Heydt zu Beginn seines Vortrages als Humanisten im übergreifenden Sinne, als ein „die Tür offenhaltender Mensch“. Sowohl in Amsterdam als auch in Ascona habe er die unterschiedlichsten Menschen zusammengeführt, wie seine Gästebücher belegen würden.

    Herr Dr. Illner stellt zwei Kernfragen in den Mittelpunkt seines Vortrages:
    1. Hatte Eduard von der Heydt eine nationalsozialistische Gesinnung?
    2. War Eduard von der Heydt über die wahre Absicht ( Aufbau eines Fonds für den deutschen Widerstand) informiert, die die Gruppe Gisevius/Oster innerhalb der deutschen Abwehr mit dem Fonds in der Schweiz bezweckten, und war er – in Vorbereitung dieser Aktion – dahingehend informiert, dass die von ihm von Amsterdam aus getätigten Überweisungen für die Abwehr auch Transfers an deutsche Spione umfassten, um auf diese Weise gegenüber der Innenrevision des OKW Loyalität vorzutäuschen und so das weit wichtigere Ziel des Widerstandsfonds erreichen zu können?

    Er werde aufzeigen, dass auf die Frage 1) die Antwort zweifellos „Nein“ lautet und auf die Frage 2) aller Wahrscheinlichkeit nach „ja“. Als Schluss daraus sei zu ziehen, dass ihm aus heutiger Sicht kein Vorwurf gemacht werden könne.
    Eduard von Heydt war am 1. April 1933 in die NSDAP eingetreten. Bei der Frage der Parteimitgliedschaft müsse aber sehr genau hingeschaut werden. Viele Menschen, die in der Partei gewesen seien, hätten dies gemusst, um zu überleben oder um innerhalb des Systems Dinge bewahren zu können (Beispiel Stadtarchivar Köln). Der Hintergrund Eduard von der Heydts, aus einer monarchistischen Familie kommend, sei sehr konservativ gewesen. Er habe sich an der Deutschnationalen Volkspartei orientiert.
    Für die Parteimitgliedschaft habe es durchaus geschäftliche Gründe gegeben. Nach anfänglichen geschäftlichen Misserfolgen habe ihn die August Thyssen Bank aufgefangen. Deren Inhaber Heinrich Thyssen-Bornemisza – als Unternehmer, aber auch als Kunstsammler und Kunstkenner international bekannt – habe in Eduard von der Heydt für die Bank jemanden gefunden, der repräsentieren konnte und den notwendigen gesellschaftlichen Hintergrund gehabt habe.
    Eduard von der Heydt habe nie an einer NS-Versammlung teilgenommen und nie das Abzeichen getragen. Er sei Mitglied der Auslandsorganisation der NSDAP in Ascona gewesen, habe sich aber mit dem dortigen Ortsgruppenleiter überworfen, der ihm vorwarf, mit Juden zu verkehren. 1936 sei ein Parteiordnungsverfahren gegen ihn angestrengt worden, mit dem Ziel ihn aus der Partei auszuschließen. Das hätte Eduard von der Heydt, der zu dem Zeitpunkt schon die Schweizer Staatsbürgerschaft innehatte, die Einreise nach Deutschland unmöglich gemacht.
    Nach dem Röhm-Putsch 1934 sei Eduard von der Heydt auf Distanz zur NSDAP gegangen. Er selbst habe unter Beobachtung gestanden und seine Briefe wurden zensiert. Wenn man sich die Korrespondenz genauer anschaue, werde deutlich, wie verschlüsselt Nachrichten ausgetauscht worden seien. Er sei auch 1938/39 durch Behörden in Wuppertal mehrfach vorgeladen worden. Dem Bruder seien langfristige Darlehen gewährt worden und die Behörden hätten gewollt, dass dieses Geld zurückgezahlt wird, um an Devisen zu kommen. Eduard von der Heydt sollte kein Visum mehr erhalten und man hatte vorgehabt, ihn zu enteignen, um auch an seine Kunstwerke in Berlin zu kommen.

    Zu Punkt 2) gab es zwei Phasen der Auftragsbeziehung zur Abwehr:
    a) Die sog. „Überweisungsgeschäfte“ und b) die sog „Wechselgeschäfte“

    zu a) Wer sich ganz genau mit den Überweisungsgeschäften Eduard von der Heydts auseinandersetzt, kann erkennen, dass es sich bei rund 2/3 der Geschäfte um unverfängliche alltägliche Geschäftsüberweisungen handeln würde. Bei rund acht Zahlungen sei belegt, dass Beträge an Agenten im Ausland geflossen seien (USA, Mexiko, China). Bei einem Fall hätten US-Behörden Zahlungen bis zu Eduard von der Heydt zurückverfolgen können.
    Zu b) Die Wechselgeschäfte, die Eduard von der Heydt für die Abwehr besorgte, hätten auch den versteckten Zielen der Widerstandsgruppe im Amt Ausland/Abwehr gedient, die den Plan gehabt hätten, einen sogenannten Reserve- oder Putschfonds aufzubauen. Man habe Vorbereitungen getroffen, um im Falle eines Umsturzes über genügend Mittel zu verfügen und Vorbereitungen für einen Neuanfang treffen zu können. Um a) überhaupt möglich zu machen, musste Eduard von der Heydt gegenüber der Innenrevision des OKW erst als vertrauenswürdiger Partner aufgebaut werden. Es waren also taktische Überlegungen, die am Ende b) zum Ziel hatten.
    Es gebe Indizien dafür, dass Eduard von der Heydt von dem wahren Charakter der Transaktionen gewusst habe, nämlich dass ein Putschfonds aufgebaut werden sollte. Eduard von der Heydt selbst sei kein aktives Mitglied des Widerstandes gewesen, habe aber Stillschweigen gegenüber offiziellen Stellen gewahrt, was als Einverständnis zu werten sei.
    Auch die Thyssenbank in den Niederlanden sei involviert gewesen. Das sei allerdings auch kein Beweis, dass Eduard von der Heydt über alle Absichten in vollem Umfang informiert gewesen sei. Der Vorwurf, für das Regime devisenschiebend tätig gewesen zu sei, könne ihm jedenfalls nicht gemacht werden.
    Es habe Aktionen gegeben, mit Mitteln aus diesem Reservefonds Juden freizukaufen. Davon habe Eduard von der Heydt erst im Nachhinein erfahren. Man habe sich gefragt, warum Aktionen über Eduard von der Heydt gelaufen seien. Dies lasse sich damit erklären, dass es nach einem erfolgreichen Putsch mit einer neuen deutschen Regierung, keine Verbindung zu einer Schweizer Bank gegeben hätte, das wäre nur weiter über Eduard von der Heydt möglich gewesen.
    Von einer Anklage wegen „Vorschubleistung nachrichtendienstlicher Tätigkeit“ sei Eduard von der Heydt in vollem Umfang freigesprochen worden.
    Herr Dr. Illner schließt seinen Vortrag als Zeithistoriker mit dem Fazit, dass nach intensiver Beleuchtung aller Umstände Eduard von der Heydt kein Vorwurf zu machen sei.

    In der nachfolgenden Diskussion sagt Herr Mengelberg, dass es schwer sei, Eduard von der Heydt zu verurteilen, wenn es dabei nicht um Verbrechen gegen die Menschlichkeit gehen würde. Ihn würde interessieren, was Eduard von der Heydt denn nach dem Krieg für den Aufbau der Demokratie getan hätte.
    Herr Dr. Illner erklärt darauf, dass Eduard von der Heydt seine Kunst gestiftet habe. Dafür habe er auch seine Werke, die als Leihgaben in Amsterdam waren, abgezogen und alles aus innerer Überzeugung seiner Heimatstadt Wuppertal gestiftet.
    Herr Beig. Nocke ergänzt, dass zusätzlich zur Kunstsammlung auch eine große Geldsumme von damals fünf Mio. DM gestiftet worden sei. Durch die Errichtung dieser großzügigen Stiftung gebe es überhaupt erst die Möglichkeit, begleitet von der Ankaufkommission Neuanschaffungen für das Von der Heydt-Museum zu erwerben. Damit wirke Eduard von der Heydt auch gegenwärtig und zukünftig.

    Auf Nachfrage von Herrn Stv. Ulsmann führt Herr Dr. Illner aus, dass Eduard von der Heydt sich der Widerstandsbewegung etwa 1943 angenähert habe. Admiral Wilhelm Canaris sei als Teil des systemgebundenen Widerstands gemeinsam mit dem evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer hingerichtet worden. Auch General Hans Oster war im Widerstand aktiv und wurde ebenfalls kurz vor Kriegsende hingerichtet. Bis auf Gisevius seien alle, die im systemgebundenen Widerstand aktiv waren, hingerichtet worden. Allerdings sei Eduard von der Heydt sicher ein schwacher Mensch gewesen und ein Instrument.
    Frau Albel kommt auf die Diskussion im Jahr 2008 zu sprechen. Es sei die Rede davon gewesen, dass Gold aus dem deutschen Reich verschoben worden sei. Die Frage sei, ob es aus jüdischem Besitz gekommen sei.
    Lt. Herrn Dr. Illner gehe es um den Reservefonds. Eduard von der Heydt habe Dollars eingenommen, in der Schweiz eingezahlt, dafür Goldmünzen bekommen und gehortet.
    Hier müsse man sich intensiv mit den damaligen banktechnischen Dingen auseinandersetzen.
    Dabei habe Herr Dr. Michael Wilde, ehemaliger Bankdirektor der früheren WestLB, sehr geholfen. Dr. Wilde habe darüber auch beim Symposium referiert. Eduard von der Heydt selbst sei gar nicht reich gewesen, sondern alles habe der Bank gehört. Über banktechnische Konstruktionen und Verschachtelungen sei es gelungen, die Sammlung zu schützen, die sonst vom NS-Regime „verscherbelt“ worden wäre.
    Zur Frage der Raubkunst erklärt Herr Dr. Illner, dass Eduard von der Heydt generell komplette Sammlungen gekauft habe. Es seien vielleicht zwei oder drei Werke mit zweifelhafter Herkunft dabei gewesen. Bewusst oder gezielt seien aber keine Objekte mit solchem Hintergrund erworben worden. Er habe sogar nachweislich in Briefen davor gewarnt, natürlich verschlüsselt, solche Objekte zu erwerben.
    An verschiedenen Beispielen (u. a. Briefwechsel mit Göring, Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei usw.) werde deutlich – so Herr Dr. Illner , das Eduard von der Heydt ein „brillanter Fechter“ gegen das Regime gewesen sei, man müsse ihn nur richtig einzuordnen wissen.

    Herr Dr. Mittelsten Scheid vertritt die Auffassung, dass Eduard von der Heydt mit der Umbenennung des Preises großes Unrecht widerfahren sei. Damals sei die Kommission unsicher gewesen und habe deshalb dem Rat dies so vorgeschlagen. Jetzt müsse man den Irrtum eingestehen.

    Herr Dr. Vaupel schließt sich dieser Auffassung an.

    Frau Dr. Schrader sieht heute ebenfalls eine andere Faktenlage, gibt aber zu bedenken, dass die Diskussion 2008 aus einer anderen Gemengelage entstanden sei. Man habe damals was finden wollen. Es gehe um das Bedürfnis, „Helden“ zu suchen, aufzubauen und dann gebe es bei den Menschen auch eine andere Seite. Z.B. sei der Polizeibeamte Paul Kreber, der mehrere Sinti- Familien in der NS-Zeit vor der Deportation gerettet hätte, nicht nur ein Held gewesen. Auch Eduard von der Heydt habe sicher seine Schwächen gehabt. Bei der Frage der Wiederherstellung des vollständigen Namens durch einen politischen Akt, müsse man wieder mit Unruhe rechnen. Die Diskussion würde erneut entfacht. Vielleicht gebe es ja andere Lösungen. Frau Dr. Schrader wünscht sich, dass man auch Persönlichkeiten wie Walter Westfeld , ein jüdischer Kunsthändler, dem alles genommen worden sei und der ermordet wurde, und den großen Mäzen Max Simon würdigt.

    Herr Dr. Mittelsten Scheid kann sich auch vorstellen, dass die Kommission erklärt, man habe sich geirrt und dies ohne Antrag an den Rat der Stadt.

    Lt. Herrn OB Mucke sei die Umbenennung 2008, nach dem zu dem Zeitpunkt auch in der Diskussion stand, den Namen ganz zu streichen, ein guter Kompromiss gewesen. Die Kommission für eine Kultur des Erinnerns sei das Gremium, welches das Ganze historisch zu bewerten habe und der Rat der Stadt politisch. Der Vorschlag von Herrn Dr. Mittelsten Scheid sei daher sehr weise. Seiner Einschätzung nach würde eine erneute Diskussion im Rat negative Folgen haben.

    Herr Beig. Nocke fasst zusammen, dass die gesamte Familie von der Heydt die Stadtgeschichte
    Spiegele und durch die Jahrhunderte geprägt habe. Ziel sei es zunächst, der Person Eduard von der Heydt auch nach seinem Tod Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, auch wenn er kein Held und keine starke Persönlichkeit gewesen sei. Man habe Eduard von der Heydt etwas entzogen, was ihm vorher zum ehrenden Andenken verliehen worden sei. Es habe Wissenslücken gegeben, die man durch das Buch von Herrn Dr. Illner und durch das Symposium aufgearbeitet habe. Jetzt gehe es um die Schlussfolgerung daraus.
    Es sei gut, dass man sich Zeit genommen hätte. Das Ergebnis sollte jetzt sein, Eduard von der Heydt in Form einer korrigierenden Aussage der Kommission zu würdigen. Eine weitere Würdigung könnte zum Beispiel durch das Aufstellen einer Büste Eduard von der Heydts im Von der Heydt-Museums erfolgen.

    Die Kommission für eine Kultur des Erinnerns kommt überein, dass man die Diskussion in dieser Sitzung zunächst verarbeiten möchte. Zum Fortsetzungstermin am 04.05.2016 wird der Kommission ein Textvorschlag mit einem Resümee zur Abstimmung vorgelegt.

    Anlagen
    Anlage 1 Text zum Vortrag von Frau Dr. Birthälmer
    Anlage 2 Programm Symposium
    Anlage 3 Schlusserklärung zum Symposium
    Anlage 4 Auszüge aus dem Buch „Eduard von der Heydt – Kunstsammler Bankier Mäzen“zum Vortrag von Dr. Illner

    Vorschlag zur Sitzung der Kommission für eine Kultur des Erinnerns

    Nach der Diskussion in der Sondersitzung zu Eduard von der Heydt am 21.04.2016 stellt die Kommission für eine Kultur des Erinnerns fest:

    Die Umbenennung des „Eduard von der Heydt-Preises“ ist im Jahre 2008 aufgrund eines ungesicherten Vorwurfs einer angeblichen NS – Verstrickung in den Jahren 1933 – 1945 zunächst unter Vorbehalt erfolgt.
    Aufgrund eingehender historischer Archivforschungen sowie nach Interpretation und Einordnung der Quellen in den Kontext der Zeitgeschichte konnten zwischenzeitlich diese Vorwürfe nach einhelligem Expertenurteil als unzutreffend ausgeräumt werden. Eine sachliche Begründung für den Beschluss aus dem Jahre 2008 ist damit entfallen.

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