05.10.2015

Rasende Kunst

So war "Kunstrasen Elberfeld 2015" - ein Abend, der das übliche Prinzip von Veranstaltungen auf den Kopf gestellt und die Kunst zu den Menschen gebracht hat.

BennyTrapp_Eilike Schlenkhoff_3Ein Abend, ein Stadtteil, vier Orte, vier Acts: Der Begriff „Kunstasen“ ist absolut wörtlich zu verstehen. Denn während üblicherweise die Besucher zur Kunst gehen, stellt dieser Abend das Prinzip auf den Kopf und bringt die Kunst zu den Menschen. Präsentiert wurde Kunstrasen Elberfeld 2015 von den Wuppertaler Stadtwerken.

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Das Video zu „Kunstrasen Elberfeld 2015“ gibt es unter folgendem Link: https://youtu.be/XCQpaWCK1is

Es ist Punkt 18 Uhr, der große Zeiger schiebt sich gerade auf die Zwölf, als an diesem Abend vier Acts an vier Orten gleichzeitig starten. Je 30 Minuten dauern die Auftritte von Eberhard Kranemann (Performance), Eilike Schlenkhoff (Bildende Kunst), Jörg Degenkolb-Degerli (Poetry) und Kai Angermann in Begleitung von Insa Schirmer und Donja Djember als Formation InsaDonjaKai (Musik) – danach wechseln die Künstler die Location. Auch dafür bleibt ihnen wiederum eine halbe Stunde Zeit, dann steht der nächste Auftritt an. „Ich finde das Konzept spannend, es ist etwas Neues, das es so noch nicht gegeben hat“, sagt Autor Jörg Degenkolb-Degerli, der ohne Zögern zugesagt hat. „Es ist auf jeden Fall auch eine Herausforderung, vier Mal hintereinander in so kurzen Abständen aufzutreten.“

„Auch für uns ist es ein Experiment“, sagt Mit-Organisatorin Astrid – und eines, das geglückt ist, wie sich an diesem 19. September schon nach wenigen Minuten zeigt. Während Jörg Degenkolb-Degerli sein Programm in der Alten Feuerwache eröffnet, beginnt Eilike Schlenkhof im Café Swane, wo sie vor den Augen des Publikums eine Wand-Installation aufbaut. Farbe fließt in Bilderrahmen, tropft auf den Boden, vermischt sich. Zeitgleich startet Eberhard Kranemann seine Performance im Neuen Kunstverein – in Utopiastadt im Mirker Bahnhof setzt das Trio InsaDonjaKai ein erstes Zeichen. Mit den Klängen eines Vibraphons und zwei Celli entsteht eine eindrucksvolle akustische Kulisse, die die Besucher sofort in ihren Bann zieht. „Die Musik hat etwas Magisches“, sagt Besucherin Adele, und drückt damit aus, was viele denken.

Nach exakt 30 Minuten die erste Bewährungsprobe. Während die Besucher bleiben können, wo sie sind, wird es bei den Künstlern hektisch. Im Neuen Kunstverein packt Eberhard Kranemann seine E-Gitarre und einen Verstärker ein. „Normalerweise gebe ich bei meinen Auftritten immer alles. Aber diesmal habe ich mich etwas bremsen müssen, schließlich muss ich ja noch ein wenig durchhalten.“ Eilike Schlenkhoff lässt ihre Installation im Swane stehen und macht sich zu Fuß auf in Richtung Mirker Bahnhof. An jedem der vier Orte zeigt sie etwas anderes, ihre Utensilien dafür hat sie am Tag zuvor dort platziert.

Und so geht es weiter an diesem Abend. Dabei haben es Künstler wie Jörg Degenkolb-Degerlil, der kein Equipment mit sich zu tragen braucht, wesentlich einfacher als beispielsweise das Trio InsaDonjaKai, für das das Vibraphon eine echte Herausforderung ist. Da hilft auch der Sprinter nur bedingt, den die Veranstalter extra für diesen Abend von der Autovermietung Fischer zur Verfügung gestellt bekommen haben – auf den letzten Metern muss geschleppt werden. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen bekommen die Zuschauer vom Blick „Hinter die Kulissen“ alles mit. Sie verfolgen, wie Kai Angermann das Vibraphon in Position bringt und wie Eberhard Kranemann seine Technik anschließt. Dann, jedes Mal zur vollen Stunde, geht es los.

Die meisten Zuschauer bleiben an den Orten, manche legen eine kurze Pause ein und kommen später wieder, ein paar wenige ziehen sogar den Künstlern hinterher. „Ich finde Kai Angermann so fantastisch, ich musste ihn einfach vier Mal sehen“, sagt Reiner, der für Kunstrasen extra aus Düsseldorf angereist ist. Dabei zeigt der Abend auch einen Aspekt, der den Veranstaltern bewusst wichtig ist: Kunst muss sich anpassen – an den Raum, an das Publikum, an die Gegebenheiten. Jeder Auftritt ist überall ein bisschen anders, klingt anders, sieht anders aus, nichts ist zu 100 Prozent reproduzierbar. Bestes Beispiel dafür ist Eberhard Kranemann. Im Mirker Bahnhof reißen ihm gleich zu Beginn seines Auftritts drei Seiten seiner E-Gitarre. „Alles war hoffnungslos verstimmt und schief – ich musste komplett improvisieren und mich erst einmal neu finden“, sagt Kranemann wenig später, als er auf dem Weg in die Alte Feuerwache ist.

Um 21 Uhr stehen die vier Acts schließlich ein letztes Mal auf der Bühne. Im Mirker Bahnhof gibt Jörg Degenkolb-Degerli noch einmal Einblicke in seine fragwürdige Nachbarschaft und erzählt dem Publikum, wie er sich auf Kunstrasen vor allem sportlich vorbereitet hat. Ein nahezu perfekter Abschluss gelingt den Veranstaltern auch im Café Swane, wo Kai Angermann zwar ein paar Minuten zu spät kommt, dafür aber länger spielt und auf Wunsch sogar noch eine Zugabe gibt. „Erschöpft aber sehr zufrieden“, sei er, sagt er anschließend. Und auch die Organisatoren sind glücklich mit dieser ersten Veranstaltung. „Alles hat funktioniert, die Resonanz war toll – wir sind uns sicher, dass wir Kunstrasen im kommenden Jahr wiederholen werden“, sagt Astrid.

Fotos und weitere Informationen gibt es unter www.facebook.com/kunstrasenelberfeld.

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