26.01.2015

Buch der Woche Ellinor Wohlfeil matthias dohmen

Buch der Woche: Ellinor Wohlfeils Chronik der Jahre 1912 bis 1945

Ein berührendes Werk. Die 1925 als Tochter eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter zur Welt gekommene Ellinor Wohlfeil hat einen beachtlichen zeithistorischen Roman verfasst.

Sie berichtet nüchtern-sachlich über das Leben ihrer Eltern sowie die eigene Kindheit, Jugend und das Erwachsenwerden in der Weimarer Republik beziehungsweise in der Zeit des Nationalsozialismus.

Ruhig und eindrücklich erzählt die Autorin, wie Weltkriege die Existenz von Familien zerstören und vor allem, wie der deutsche Faschismus jüdische Familien durch immer neue Vorschriften in Armut und Verzweiflung stürzte, bevor er im Verlauf des Jahres 1941 zu ihrer industriell betriebenen Vernichtung überging. Wohlfeil heute: „Angst und das beklemmende Gefühl einer unheimlichen Bedrohung waren meine täglichen Begleiter. Als Kind verstand ich das alles nicht. Das Konzentrationslager ist mir erspart geblieben, meinem Vater nicht.“

Die Story im einzelnen soll hier nicht verraten werden. In ihrer Saga „laufen vielerlei Aspekte zusammen, es ist eine Familiengeschichte ebenso wie ein Stück deutscher Vergangenheitsbewältigung, ein Familienepos, dass philosophische ebenso wie spannend-unterhaltsame Züge trägt“ (Andreas Züll, siehe www.germanistik.hhu.de/de/angegliederte-bereiche/frauen-kultur-archiv/duesseldorfer-autorinnen/ellinor-wohlfeil.html).

„Wohlfeil lässt noch einmal den Glanz des Kaiserreiches und das bunte Treiben der Golden Twenties auferstehen, ehe das endlose Dunkel des Dritten Reiches hereinbricht. Am Schluss bleibt das Buch so facettenreich wie die Charaktere, die Wohlfeil auftreten lässt“, fährt der Rezensent am angegebenen Ort fort.

Ein Roman, den man nur empfehlen kann. Ärgerlicherweise ist das Manuskript offenbar im Hopplahoppverfahren lektoriert worden. Einige Flüchtigkeitsfehler, die nun einmal jeder Autorin und jedem Schriftsteller unterlaufen, hätten gut und gerne korrigiert werden können. Schade.

Die Schriftstellerin, die am 28. Februar ihr Werk in der Ronsdorfer Bücherstube vorstellt (19 Uhr, siehe www.buchkultur.de), trat 1941 eine Lehre als chemisch-technische Assistentin an und schlug sich nach dem Krieg in den Westen durch. 1965 begann sie ein Pädagogikstudium und arbeitete anschließend bis 1985 in Düsseldorf als Grundschullehrerin. Sie ist Mitglied des Freien Deutschen Autorenverbandes und des Freundeskreises Düsseldorfer Buch e. V., dessen Literaturpreis sie 2007 entgegennehmen durfte.

Im Zwielicht der Zeit_cover_new2MATTHIAS DOHMEN

Ellinor Wohlfeil, Im Zwielicht der Zeit. Roman – Familiensaga Teil I: 1912-1945, Bedburg: Verlag 3.0 2014, ISBN 978-3-95667-078-7, 331 S., Euro 14,80, www.buch-ist-mehr.de.

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