03.09.2014

bergischer unternehmerkongress Günter der innere Schweinehund Gunther Wölfges Julia Koch lars dinglinger Patricia Knauf-Varnhorst Peter Jung Stefan Frädrich Thomas Stein Wirtschaftsjunioren Wuppertal

Die Latte wieder ein Stück höher gelegt

Mehr als 340 Gäste kamen zum Bergischen Unternehmerkongress in die Glashalle der Sparkasse. Vor allem der Vortrag von Erfolgsautor Stefan Frädrich begeisterte die Besucher.

Schon die Eröffnungsrede von Lars Dinglinger, dem Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren, machte deutlich, welchen Rang der Bergische Unternehmerkongress (BUK) im Städtedreieck erreicht hat, denn die Aufzählung der prominenten Gäste zog sich über geraume Zeit hin. Das Motto des Kongresses „Wir denken um“ treffe auch auf diesen BUK zu, so Dinglinger, denn in diesem Jahr stünden bei den Referaten nicht, wie oft in den Vorjahren, Finanzthemen im Vordergrund, sondern ungewöhnliche Denk- und Handlungsmodelle.

Aktuelle Stellenangebote:
Kaum ein Platz blieb frei beim diesjährigen "BUK".Kaum ein Platz blieb frei beim diesjährigen „BUK“.

“Gerne noch zehn oder zwölf Unternehmerkongresse“

Günther Wölfges, seit Sommer Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Wuppertal, zeigte sich beeindruckt von „seiner“ vollbesetzten Glashalle: „Wir können gerne noch zehn oder zwölf Unternehmerkongresse machen, die Unterstützung der Sparkasse ist zugesagt.“ Auch in Wuppertals größtem Kreditinstitut sei Umdenken ein ständiges Thema, denn das Bankgeschäft sei einem dauerhaften Wandel unterworfen. Dabei bleibe die Sparkasse jedoch eine konstante Größe in der Stadt. Das Private Banking sei zwar bedeutsam, „für uns ist aber ebenso wichtig, dass 250.000 Wuppertaler in Finanzangelegenheiten ihrer Sparkasse vertrauen.“

OB Jung dankbar für Unterstützung bei Döppersbergumbau

„Das Motto ‚Wir denken um’ könnte man auch die Wuppertaler Autofahrer beziehen“, witzelte Oberbürgermeister Peter Jung mit Blick auf die B7-Sperrung. Er sei der Unternehmerschaft ausgesprochen dankbar, dass sie das Großprojekt Döppersbergumbau in ihrer Mehrheit unterstütze, auch wenn es in Einzelfragen unterschiedliche Ansichten gebe. Bei allen Meinungsverschiedenheiten seien sich fast alle einig, dass die Stadt ein neues, repräsentatives Eingangstor erhalten müsse. Umdenken sei auch in der Bergischen Zusammenarbeit gefragt. Es gebe lokale Aufgaben wie Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, die jede Kommune alleine bewältigen müsse, doch im Europa der Regionen werde das Bergische Land nur als Verbund wahrgenommen. Daher sei der gemeinsame Auftritt besonders wichtig.

Stein: „Sie müssen viel arbeiten, um Glück zu haben“

Moderator René le Riche kündigte den ersten Referenten mit einem Zitat an. Thomas M. Stein, der durch seine Teilnahme in der„DSDS“-Jury einem breiten Publikum bekannt wurde, habe einmal gesagt, das ganze Leben sei ein Casting. Steins Rede mäanderte dann ein wenig um das angekündigte Thema „Teams und Trends – was die mittelständische Wirtschaft von der Musikindustrie lernen kann“ herum. Er beschrieb, garniert mit der einen oder anderen Anekdote, seinen beruflichen Werdegang bei ZDF und Bertelsmann und überließ es weitgehend dem Publikum, daraus Parallelen zum Mittelstand abzuleiten.

Thomas M. SteinThomas M. Stein

„Sie müssen viel arbeiten, um Glück zu haben“, bracht er sein Berufscredo auf den Punkt. Es folgte ein Parforceritt durch die sich ständig weiterentwickelnde Tonträgertechnik und neue Absatzwege, die die Musikindustrie vor immer neue Herausforderungen gestellt hätten. Stein forderte auch von den Unternehmern in der Glashalle, sich dem Wandel nicht zu verschließen, sondern die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen. Dabei sei die Analyse der Ausgangslage besonders wichtig: „Wenn Sie die Gegenwart nicht verstehen, werden Sie auch die Zukunft nicht verstehen“, rief der Musikmanager dem Publikum zu.

Stein präsentierte ein Video mit US-Moderator Jimmy Fallon und Musiklegende Billy Joel, um deutlich zu machen, wie sehr sich das Musikbusiness verändert habe. Fallon und Joel gelang es, Millionen von Fernsehzuschauern mit einer schlichten App zu begeistern. Stein: „Apps sind die Zukunft für alle Bereiche.“

Um den Wandel zu bewältigen, seien vor allem Entscheidungsfreude und Risikobereitschaft erforderlich, auch wenn man mal einen Fehler mache. „Auch ich habe ab und zu Mist gebaut“, gab Thomas Stein freimütig zu.

“Halten Sie dem inneren Schweinehund die Wurst vor die Schnauze.“

Erfolgsautor Stefan Frädrich sprach über das Geheimnis von Führung. „Chef“ sei in Deutschland ein problematischer Begriff, was sich schon dadurch zeige, dass er als Suchwort bei Google viele Treffer mit Chefwitzen erbringe. Führung erfordere den steten Kampf gegen den inneren Schweinehund. Das sei nicht immer spaßig, räumte der studierte Psychologe ein. Sehr spaßig war hingegen Frädrichs Vortrag, der immer wieder vom Beifall des bestens amüsierten Publikums unterbrochen wurde.

Stefan Frädrich (r.) und Günter, der innere Schweinehund.Stefan Frädrich und Günter, der innere Schweinehund.

Frädrich plädierte dafür, den inneren Schweinehund, dem er den Namen Günter verpasst hatte, nicht zu überwinden, sondern zu überlisten: „Sie haben sonst gegen Günter keine Chance, das Viech ist viel zu stark.“ Günter trete immer in Aktion, wenn Routinen durchbrochen und die Komfortzone verlassen werden soll. „95 Prozent Ihrer Handlungen sind im Routinesystem ihres Gehirns veranlagt“, erklärte er den erkennbar faszinierten Zuhörern. Anhand von launigen Anekdoten machte Frädrich deutlich, dass der Mensch sich nur anstrenge, wenn am Ende eine Belohnung warte: „Warum lesen Männer den Playboy? Weil man bei den guten Artikeln was lernt? Wann laufen Frauen kilometerweit und verlieren dabei auch noch Geld? Wenn das Ganze ‚Shoppingtour’ heißt.“

Frädrich visualisierte das Prinzip des Sich-Selbst-Belohnens mit einem Video. In dem Film wurde gezeigt, wie Passanten, die gewöhnlich lieber die Rolltreppe als die Stufen nahmen, plötzlich zu Fuß gingen, weil ihnen ein besonderer Anreiz geboten wurde. „Halten Sie dem inneren Schweinehund die Wurst vor die Schnauze“ riet er den in der Glashalle versammelten Führungskräften, die sein engagiertes und humorvolles Plädoyer mit lang anhaltendem Beifall quittierten.

von links: Patricia Knauf-Varnhorst, René le Riche, Günther Wölfges, Thomas M. Stein, Stefan Frädrich, Julia Koch, Lars Dinglingervon links: Patricia Knauf-Varnhorst, René le Riche, Günther Wölfges, Thomas M. Stein, Stefan Frädrich, Julia Koch, Lars Dinglinger © OneShot Photography by Christin Bénard geb. Reinshagen

Die Latte wieder ein Stück höher gelegt

Die Wuppertaler Wirtschaftsjunioren haben allen Grund, mit ihrem diesjährigen Bergischen Unternehmerkongress zufrieden zu sein. Die Entscheidung, auf populäre Themen und bekannte Referenten zu setzen, war goldrichtig. Vor allem der Auftritt von Stefan Frädrich wird den Gästen lange in Erinnerung bleiben. Die Kongressleiterinnen Patricia Knauf-Varnhorst und Julia Koch, die das Event beide zum ersten Mal organisierten, haben eine gelungene Veranstaltung abgeliefert und die Latte für das nächste Jahr in guter BUK-Tradition wieder ein Stück höher gelegt.

_________________________

Fotos: Georg Sander, OneShot Photography by Christin Bénard geb. Reinshagen
njuuz ist Medienpartner des Bergischen Unternehmerkongresses

Anmelden

Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.