06.02.2013

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NEIN zur Erweiterung der City-Arkaden

Kommentar: njuuz-Herausgeber Hendrik Stötter lehnt die Erweiterung der City-Arkaden ab: "Die Kaufkraft der Wuppertaler und des Umlandes ist begrenzt und muss sich zwangsläufig auf die Geschäfte aufteilen. Die Erweiterung der Arkaden wird noch mehr Kaufkraft aus der Fußgängerzone abziehen. "

Eine Erweiterung der City-Arkaden wird tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen. Bisher wird die Betrachtung fast ausschließlich für den Platz am Kolk und das alte Rex geführt. Da gibt es nichts zu diskutieren: Diese Ecke ist eine der hässlicheren Wuppertals.

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Wer nun aber glaubt, dass ausgerechnet die ECE-Gruppe das mit einer Vergrößerung der City-Arkaden lösen könne, muss sich fragen lassen, ob er deren Center schon mal besucht hat. Die Überbauung der Morianstraße ist von einer solchen Hässlichkeit, dass man den Angstraum und den Uringeruch fast vergisst. Wer so respektlos mit Premium-Innenstadtlagen umgeht, muss sich fragen lassen, wie er zu einer Verbesserung eines Viertels beitragen will.

Die City-Arkaden schaffen eine abgetrennte, warme und trockene Insel innerhalb der Innenstadt. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass dort das uneingeschränkte Hausrecht der ECE-Gruppe gilt. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Schlendern ohne konkrete Kaufabsicht vom Goodwill der Betreiber abhängt. Das bedeutet auch, dass Erholungs- bzw. Freiflächen nach eigenem Ermessen angeboten werden oder eben auch nicht. Wer sich in den City-Arkaden einfach nur mal setzen möchte, muss schon Glück haben, um eine der raren Sitzplätze außerhalb der verzehrpflichtigen Cafés zu ergattern. Die Gestaltung der wertvollsten Innenstadtflächen gehört in die Hände der Bürger und ihrer Vertreter und darf nicht Unternehmen überlassen werden, wenn man ein Ergebnis möchte, bei dem Lebensqualität für Alle und nicht Profit im Vordergrund steht.

Das ECE-Management hat feste Verträge mit den großen Ladenketten. Das Ergebnis sieht man eindrucksvoll: Viele Läden in den Arkaden gehören zu denen, die es überall gibt und die das Angebot im Tal nicht bereichern. Individualität gibt es nur selten. Warum sollte sich das mit einer Erweiterung plötzlich ändern?

Was in der öffentlichen Betrachtung bisher sehr zaghaft wahrgenommen wird, ist die Wirkung auf den „Rest der Welt“: Die Kaufkraft der Wuppertaler und des Umlandes ist begrenzt und muss sich zwangsläufig auf die Geschäfte aufteilen. Die Erweiterung der Arkaden wird noch mehr Kaufkraft aus der Fußgängerzone abziehen. Das Ergebnis ist heute schon in Teilen der Poststraße und der Herzogstraße zu „bewundern“: Die gerne zitierte Sogwirkung bezieht sich dort leider häufig auf die Vermehrung von 1-€-Läden und SB-Backstuben. Dafür ist eine Innenstadt zu schade.

Nun möchte auch noch Herr Clees den Investorenkubus am neuen Döppersberg und die Bahnhofsdirektion mit Geschäften füllen. Jeder der auch nur mal ansatzweise den Dreisatz gelernt hat, kann sich vorstellen, was das für das Tal bedeutet: Sinkende Umsätze für die Geschäfte, eine weitere Versiegelung der Innenstadt, mehr Beschäftige zu Niedriglöhnen und eine weitere Verknappung der Angebotsvielfalt.

Nein, danke, das braucht Wuppertal nicht!

>> njuuz-Herausgeber Georg Sander ist für die Erweiterung. Lesen Sie hier seinen Kommentar.

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Foto: privat

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Kommentare

  1. Für die Städte gibt es beim Wettbewerb um den Längsten – die längste überdachte Meile – nichts zu gewinnen. Oder hat schon einmal jemand den Bericht der Gelsenkirchener und Oberhausener eingesessenen Einzelhändlern zu den positiven Aspekten des Centro gelesen?

    OB Jung hat eine interessante Nebelkerze gezündet: Nicht ECE oder die City-Arkaden sind schuld am Niedergang von Post- und Herzogstraße – nein – die anderen Städte sind es. Die haben längere überdachte, bewachte, kameraüberwachte Einkaufslaufställe und deshalb fahren alle dahin und nicht nach Wuppertal.

    Nur ein Beispiel: Wieviele unabhängige Wuppertaler Buchhändler hatten wir bevor einige deutschlandweite Ketten hier zum Verdrängungswettbewerb ansetzten. Die machten sich breit und jetzt wo alle außer Ihnen weg sind machen sie sich wieder schmal. Das hat aber alles nichts mit dem Niedergang des Buchhandels zu tun.

    Was dieses Beispiel sagen soll: Die großen Konzerne zahlen regional nur wenig Steuern. Ihre Angestellten erhalten niedrigere Löhne. Das ist nicht meine Meinung, dass kann man schwarz auf weiß nachlesen, wenn man sich die Mühe macht.

    Nein zur ECE-Erweiterung

  2. Hanno Beiler sagt:

    Der Platz am Kolk ist häßlich, weil er niemand das Potenzial des alten, im übrigen richtigerweise denkmalgschüztzen Poszgebäudes erkannt hat, weil er lieblos und baumfrei gestaltet ist, ohne ansprechende Beleuchtung (und nicht einfach nur langweilig homogene Helligkeit). Investorenarchitektur ist selten schön – siehe Burger King an der Aue oder das Parkhaus Morianstraße/Hofkamp. Moderne Architektur kann durchaus kontrastierend neben historischer stehen, das Stadtbild dadurch gewinnen. Unsere Nachbarn in den Niederlanden und Belgien machen vor, wie es geh. In Staädten wie Maastricht gibt es einen funktionierenden Einzelhandel, eine schicke Mischung aus Alt- und Neubauten in einem spannungsreichen Gegensatz, den die Wuppertaler Denkmalbehörde niemals erlauben würde.

  3. Danke, lieber Hendrik! WEnn man sich mal unter den Ladenbetreibern in den Cityarkaden umhört, dann erkennt man schon, dass ECE nicht die beliebtesten Geschäftspartner sind.

    Weiß jemand eigentlich, wie viel der neu gewonnenen „Kaufkraft“ nach Hamburg abwandert?

  4. Hans sagt:

    Lieber „‘n jucks“-Mitherausgeber,
    Sie sind vielleicht ein Spaßvogel! Das ist ja auch wirklich geradezu menschenverachtend und zeugt von sozialer Kälte, wenn in den City-Arkaden das uneingeschränkte Hausrecht der ECE-Gruppe gilt. Das ist ja schon fast so schlimm, wie in den Juweliergeschäften auf der Poststraße.
    Sie vermissen Erholungs- und Freiflächen in den City-Arkaden? Und die ECE-Gruppe sollte mehr Sitzgruppen vorhalten. Ach ja, da fällt mir auch das ein oder andere ein. Es gibt da offensichtlich weit und breit keine Sozialarbeiter, allenfalls einen Ordnungsdienst, nur begrenzte Sport- und Freizeitflächen, keinen Grüngürtel, keine 24-Stunden-U3-Betreung, noch nicht einmal eine evangelische Kindertagesstätte oder Gebetsräume für Ihre innere Einkehr. Hinzu kommt, dass der Aktionsraum für Sprayer und Graffiti-Künstler begrenzt ist. Kurz: Profit und soziale Kälte statt Lebensqualität.
    Schluss jetzt: Der ECE-Grundbesitz gehört in die Hände des Volkes! Wuppdika! Die Narren führen das Zepter.
    Aber mal im Ernst, haben Sie beim „Schlendern ohne konkrete Kaufabsicht“ jemals mit dem uneingeschränkten Hausrecht der ECE-Gruppe Bekanntschaft gemacht? Falls ja, was haben Sie da getrieben und wie haben Sie sich kostümiert? Ich persönlich kann über derartige Erfahrungen jedenfalls nicht berichten.
    Einstweilen schaffen die Profitgeier Arbeitsplätze in unserer Stadt und retten unser Steueraufkommen, das dann anschließend von Ihnen und den von Ihnen favorisierten politischen Akteuren nach Belieben umverteilt werden kann.
    Hans

    1. petzi sagt:

      Lieber Hans, sie haben offenbar nix kapiert. Auch sie glauben an das Märchen vom Kaufkraftanstieg durch vermehrtes Angbot, dabei sollte in ihrem Alter die Märchenstunde doch längst vorbei sein, und das vermehrte Angebot gibt es auch nicht, denn es wird nur umverteilt in der City. Auch zwei weiteren Märchen gehen sie auf den Leim: Arbeitsplätze werden auch nicht mehr, sondern ziehen nur um, und beim letzten hat es sie ganz übel erwischt, denn die Steuern werden sogar weniger. Während die Immoblienbesitzer in Wuppertal ihre Steuern auf Mieteinnahmen zahlten, die sie dann nicht mehr haben werden, werden die Mieten der Arkaden bestimmt nicht in Wuppertal versteuert, und mit dem Umzug des verbliebenen Einzelhandels in die Erweiterung davon noch weniger. Es ist erschreckend zu sehen, wie viele erwachsenen Menschen heutzutage noch bereitwillig auf simple Milchmädchenrechnungen reinfallen.

  5. petzi sagt:

    Herr Stötter, sie haben hier alle wichtigen und relevanten Argumente gebracht. Mit das wichtigste scheint mir zu sein, das die Erweiterung logischerweise keine Verbessserung der Kaufkraft bedeutet, und es sich hier letzen Endes um einen reinen Verdränungswettbewerb handelt.

    Der Elberfelder City wird damit kein Dienst erwiesen. Von der Bündelung der Einzelhandelsflächen profitiert nur einer. Der Rest geht leer aus. Beispiele für die negativen Auswirkungen liefert auch der folgende Plusminus Beitrag: http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/432744_plusminus/13153148_einkaufszentren-beleben-ueberdachte-center-die

  6. Rolf sagt:

    Ich habe eine persönliche Abneigung gegen die ECE, aber ich kann viele Ihrer Punkte nicht verstehen.

    Beispiel „sitzen/schlendern“:
    Dies ist auch jetzt auf dem Platz am Kolk nicht möglich und daher kein Argument.

    Mit der Aufteilung der Kaufkraft gebe ich Ihnen Recht. Allerdings – finde ich – muss sich was tun in der Stadt. Wenn die örtlichen Konsumenten wegen ihrer geringen Kaufkraft nicht allein in der Lage sind, eine Nachfrage zu erzeugen, die Wuppertal durch entspreche Geschäfte aufwertet, muss man zu solchen Mittel (inkl. Umbau des Hauptbahnhofs) greifen, um Wuppertal attraktiver zu machen – auch für Einwohner umlieger Städte. Sie erkennen doch selbst, was mit Wuppertals Innenstadt passiert, wenn man „die Konsumenten“ entscheiden lässt, welche Geschäfte sie wünschen.

    1. petzi sagt:

      Ihre Theorie hat einen entscheidenen Haken: die andern kommen nämlich auf die gleiche Idee. ECE hat in Remscheid schon das Allee Center eröffnet und in Solingen wird für ein abgerissenes Center wieder ein neues gebaut. Das ist ein einziges Hauen und Stechen, bei dem es nur wenige (ECE) Gewinner und viele Verlierer gibt.

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