07.12.2012

DOC Remscheid Ikea Wuppertal Landesregierung

Mit der bergischen Brille betrachtet

Editorial der Bergischen Blätter 25.2012

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Setzt man sich die regionale Brille auf, konnte das Fazit des Jahres 2012 lauten, dass die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen dem Ruhrgebiet zugeneigter ist als dem Bergischen Land. Zwei Beispiele dafür sind die Ablehnungen eines Designer-Outlet-Centers (DOC) in Remscheid und eines Fachmarktzentrums in Wuppertal. Denn so stichhaltig die Argumente für die Ablehnungen auch sein mögen, so schnell konnte man einen Vergleichsfall im Ruhrgebiet finden, in dem so etwas genehmigt wurde.
Und beide Male spielte Duisburg eine Rolle: So wurde dort erstens der Bau eines DOC genehmigt, obwohl auf dem Areal eine (noch bewohnte) Siedlung steht – und in Remscheid eine grüne Wiese auserkoren wurde. Und so wurde in Duisburg zweitens ein neues Möbelhaus genehmigt, das ein zentrenrelevantes Sortiment in Höhe von 20 Prozent anbieten darf, wenn man im Gegensatz dazu Wuppertal im schlimmsten Fall keine 14,5 Prozent genehmigen will.
Ein Blick auf die Kabinettsliste kann das – zugegebenermaßen immer noch mit der bergischen Brille betrachtet – geradezu bestätigen. So stammt zwar Sylvia Löhrmann aus Solingen, aber das Gros der Minister kommt – Sie ahnen es – aus dem Ruhrgebiet; angefangen bei Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die wie Barbara Steffens aus Mühlheim kommt beziehungsweise dort ihren Wahlkreis hat, über Guntram Schneider aus Dortmund, Thomas Kutschaty aus Essen und Michael Groschek aus Oberhausen. Zusammenzucken muss man bei Ralf Jäger aus Duisburg, der für sich im Internet unter der Adresse www.jaeger-fuer-duisburg.de wirbt.
Ein guter Vorsatz für das Jahr 2013 könnte deshalb heißen: Hüte Dich vor der Ungleichbehandlung der Regionen; oder frecher formuliert: Knick nicht vor der Ruhrgebietslobby ein. Der Umkehrschluss muss dann allerdings auch lauten, dass sich unsere bergischen Landtagsabgeordneten noch mehr einsetzen, lauter und notfalls ebenfalls lobbyistischer auftreten müssen. Und, das sollte auch nicht vergessen werden, muss dann unser aller Vorsatz lauten: Mischen wir uns alle ein.

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