19.11.2012

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Wasserball: Interview mit Wasserfreunde-Coach Tim Focke vor der neuen Saison

Für die Wasserfreunde Wuppertal beginnt heute bei der Startgemeinschaft Rote Erde Hamm/SV Brambauer die Saison 2012/13 in der 2. Wasserball-Liga West. Im WZ-Interview spricht Cheftrainer Tim Focke über die Chancen seines Teams, über die Jugendarbeit und die Möglichkeit, den Wasserballsport in Wuppertal noch attraktiver zu gestalten.

Das Interview führte Werner Röder.

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Wasserfreunde-Coach Tim Focke in Aktion

Wasserfreunde-Coach Tim Focke in Aktion

Herr Focke, in der vergangenen Saison spielte Ihr Team gegen den Abstieg. Durch die Rückkehr von Christian Offermann und Lars Hebbecker, die jetzt ein Jahr Bundesligaerfahrung mitbringen, dürfte der Abstieg kein Thema mehr sein. Wagen Sie doch mal eine Prognose für die Spielzeit 2012/2013.

Tim Focke: Die beiden sind langfristige eine Verstärkung. Unsere Zielsetzung ist ein Medaillenplatz. Wir haben mit diesem Kader das Potential für Edelmetall, allerdings auch für Blech. Das hängt im Moment leider noch stark von der Trainingsbereitschaft der berufstätigen und älteren Spieler ab. Wir arbeiten intensiv daran, diese Abhängigkeit schon im Laufe der Saison zu verringern.

Welche Teams sind für Sie die Ligafavoriten?

Focke: Die Favoriten sind meist die Zweitvertretungen der Erstliga-Mannschaften. Mein Favorit ist dabei mein Ex-Club, der ASC Duisburg. Je nachdem mit welcher Mannschaft sie anreisen, könnten sie mit der Truppe in der ersten Bundesliga oben mitmischen. Diese Teams können nicht auf-, sondern nur absteigen und sind daher unberechenbar. Sie können mal Punktelieferant und mal unbezwingbar sein. Wir wollen trotzdem jedes Spiel gewinnen.

Bei der knappen Niederlage im Pokalspiel gegen den Bundesligaklub SGW Köln präsentierte sich Ihre Mannschaft äußerst kämpferisch. Wo sehen Sie noch Verbesserungspotential?
Focke: Im Fitnessbereich meiner Spieler zeigen sich große Unterschiede aufgrund der Trainingsmöglichkeiten der Spieler wegen ihrer beruflichen oder familiären Einbindung. Ihnen fehlt meist die Kondition, taktische Vorgaben konsequent umzusetzen. Andererseits sind die Jugendspieler topfit, aber in vielen Belangen noch zu unerfahren. In Kombination birgt das viele Risiken. Ich arbeite daran, von der Erfahrung der reiferen Spieler nur in notwendigen Situationen zu profitieren und die jungen Spieler aufgrund ihrer allgemeinen Leistungsfähigkeit jederzeit spielen zu lassen. Taktisch sind wir auf einem sehr guten Weg. Das Spiel gegen Köln kam etwas zu früh. Aber im Laufe der Saison wird die Mannschaft die Ideen effizienter umsetzen können.

Sie wollen den Trend, Nachwuchsspieler des Klubs ins Team zu integrieren, fortsetzen?
Focke: Absolut. Es spielen immer die Spieler, die am meisten trainieren. Und dies sind zumeist die Jugendspieler. Es ist mir definitiv mehr wert, am Ende der Saison vielleicht keine Medaille zu haben, dafür aber drei Jugendspieler integriert zu haben, die den zwangsläufigen Leistungsabbau der älteren Spieler langfristig kompensieren. Wir müssen vorausschauen und für die Zeit nach den `Routiniers„ planen. Wenn die Jugend mitzieht, haben wir in den  nächsten fünf bis sechs Jahren einen sehr soliden Kader, der nach und nach ergänzt wird und eine Menge Entwicklungspotential besitzt. Ich freu mich auf diese Arbeit.

Die Schwimmoper gilt als eine der schönsten Wasserball-Arenen. Warum tragen Sie die Heimspiele im Schwimm-Sport-Leistungszentrum Küllenhahn aus?
Focke: Man beneidet uns in Wasserball-Deutschland um die Schwimmoper. Erst neulich wurde ich gefragt, ob wir nicht die Deutsche B-Jugend Wasserball Endrunde in der Schwimmoper ausrichten können. Ich hoffe, die Stadt ist sich der Wirkung der Schwimmoper und auch dem damit verbundenen Entwicklungspotential für den Wasserballsport in Wuppertal bewusst.

Was müsste passieren, dass die Wasserfreunde Wuppertal erstklassig werden. Oder ist dieser Wunsch Utopie?
Focke: Der Wunsch ist keine Utopie, jedoch aus meiner Sicht sinnvoll nur mittelfristig umsetzbar. Wir wollen langfristig arbeiten und investieren daher zunächst in die Jugend. Geld spielt ab einem gewissen Leistungsniveau bzw. Zeitumfang immer eine Rolle. Damit haben auch äußerst erfolgreiche Sportarten wie Hockey zu kämpfen. Auch als Wasserballer wird man nur sehr schwer reich. Wir arbeiten aktuell an einem stark personalisierten Sponsoringmodell. Meinen Spielern würden schon monatliche Beträge helfen, für die Regionalliga-Fussballer sich nicht mal die Schuhe schnüren. Dabei trainieren wir wesentlich intensiver. Und Wuppertal hat doch bessere Voraussetzung als man meinen mag. Ich leite Mittwochs von 17.00 bis 19:00 Uhr eine Wasserball-AG der Friedrich-Bayer-Realschule und wir hoffen zukünftig auch Schülern anderer Wuppertaler Schulen diesen einzigartigen Sport näherbringen zu können. Kinder können bei den Wasserfreunden Wuppertal jeden Tag und in jedem Alter Wasserball und Schwimmen lernen. Wir sind auf dem Weg, aufzusteigen.

Vita:
Tim Focke, geboren am 4. Oktober 1979 in Wuppertal. Verheiratet mit Ehefrau Andrea, Sohn Paul-Ole (2 Jahre, 2 Monate). Studium: Diplom Sportwissenschaft, Medien und Kommunikation. Derzeit als Sportlehrer tätig am Carl-Fuhlrott-Gymnasium und am Gymnasium Kothen in Wuppertal. Als Spieler mit dem ASC Duisburg 2006 und 2007 Deutscher Vizemeister und zahlreiche Einsätze in der Euroleague. Von 2004 bis 2008 Kadermitglied der Deutschen Wasserball-Nationalmannschaft. Als Trainer 2011 Deutscher Meister mit der A-Jugend des ASCD. Seit 2011 Chefcoach der Wasserfreunde Wuppertal. Hobbies: Wasserball, Skifahren, Südafrika.
(WER)

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