17.02.2012

Rabenstadt Stefan Melneczuk

Besser als der Durchschnitt

Krimis mit Lokalkolorit gibt es im Bergischen Land viele – Stefan Melneczuks "Rabenstadt" ist besser als der Durchschnitt

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Stefan Melneczuk, Journalist und Autor aus Sprockhövel, hat mit „Rabenstadt“ seinen zweiten Roman vorgelegt. Schon sein Erstlingswerk „Marterpfahl“, ebenfalls im Blitz-Verlag erschienen, gehört eher in die Kategorie Thriller denn Kriminalroman – und setzte sich wohltuend von den üblichen bergischen Krimis ab, in denen meist ein leicht schnoddriger, nicht mehr ganz junger, männlicher Kommissar auf die Suche nach einem Mörder geht, der sein Unwesen im bergischen Städtedreieck und der Umgebung treibt.
Schon das Personal ist gänzlich anders, denn im ersten Buch war es eine Gruppe ehemaliger Jugendfreunde, die sich auf die Spuren der Vergangenheit macht. Die ist so hintergründig, dass es keines klassischen Ermittlers bedarf. Im Gegenteil: Der ist aus Sicht der Protagonisten auch gar nicht erwünscht.
Mit seinem neuen Roman setzt Melneczuk quasi noch einen drauf, denn es geht einzig und allein um einen Paketboten und seine Erlebnisse während der Arbeit. Das ist zumindest die grobe Zusammenfassung. In Wahrheit geht es eher um einen gebrochenen Mann, der durch Zufall und ein wenig Neugier in eine Situation gerät, die ihn scheinbar vollends überfordert.
Auf der Suche nach einer Adresse begegnet er dem Mädchen Nummer drei, an eine Hundeleine gefesselt und auf Knien rutschend. Bevor der Bote – von dem man bis zum Ende keinen Namen erfährt – weiß, was es mit dem Mädchen auf sich hat, gerät er schon in die Fänge eines Mädchenhändlers, der sein Domizil ausgerechnet im noblen Briller Viertel in Wuppertal aufgeschlagen hat.
Alles ist atemlos, abgehackt und zynisch erzählt, was dem Buch einen eigenen Reiz verleiht. Doch statt die Geschichte mit ihren Hintergründen zu erzählen, begnügt sich Melneczuk damit, das Seelenleben des Mannes vor dem Leser in einer ausweglosen Situation aufzuzeigen. Dabei weiß man zwar gleich zu Beginn, dass er alles scheinbar heil überstanden hat, weil das Buch das Protokoll der Tonbandaufnahmen des tragischen Helden wiedergibt – aber das lässt den Leser kaum aufatmen. Zu grausig sind die Abgründe, in die man durch die Augen des Boten blickt. Dabei ist eigentlich egal, wessen Abgründe sich dabei gerade auftun.
Mit viel Zeitgeist und ein wenig Übertreibung, der es eigentlich gar nicht gebraucht hätte (siehe Albtraum am Ende des Buches) spinnt sich der Roman – oder eigentlich das Protokoll – bis zum Ende. Das bleibt offen – und lässt im Zweifel sogar Raum für eine Fortsetzung. Die sollte es allerdings nur geben, wenn sie genauso dicht erzählt ist, wie das vorliegende Buch!

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