Kultur
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Es war einmal…..

17.04.2018 13:38

….der KLUB Wuppertal. So heißt es dann Ende Mai. Ein kleiner aber feiner Lichtpunkt auf der Gathe, Wuppertals Hauptstraße in die Innenstadt, wird erlöschen. Und damit ein kleines Stück Kultur.

Fünf Jahre lang bestand der kleine Tanztempel unter dem Motto music & culture und hatte sich fest im Bergischen Nachtleben integriert.

Mit tonvollem Volldampf haben die Betreiber Felix Glücklich und Biniam Gebremedhin den schwierigen Ruf der Vorgänger aus den Räumen gejagt. Dabei war der KLUB weit mehr als eine Diskothek. Er wirkte als Podium für Musikkultur und bot Raum und Technik für die ganze Bandbreite aktueller Sounds und Beats: Elektro, Hip-Hop, Trash, Raggae und Dancehall. Vom Plattenteller über Liveacts bis zu Konzerten schloß er eine Lücke im Tal und lockte mit seinen ambitionierten Veranstaltungen auch Fernsehanstalten wie WDR und arte/ZDF ins Haus. Der KLUB sorgte dafür, dass Wuppertals verrufener Kiez für ein paar Stunden in der Nacht ein Stück attraktiver wurde.


Seit Sommer 2013 war der KLUB eine Adresse für junge und junggebliebene Menschen im Bergischen Land. Als Bühne für kulturelle Vielfalt mischte er neben eigenen Veranstaltungen in allerlei Projekten mit: Kooperationen mit der Literaturbienale, Trassenjam, Bass im Park @ Langer Tisch, der deutschlandweite 1on1 Freestyle Battle. 

Weltgrößten wie Samy Deluxe, Trettmann, Schlachthofbronx, Ebo Taylor, Chris Martin, T.O.K, Baby Cham, Jaya the Cat, Bass Odyssey, Lakmann u.v.m — sie alle kamen nicht nur einmal in den KLUB. Zu Wiederholungstätern wurden sie, schätzten die persönliche Atmosphäre, den Hauch von Untergrund in diesen Räumen, eine Treppe weit unter der Straße, in dieser Stadt an dem dunklen Fluss.

20 Jahre Wu-Tal, 15 Jahre Running Irie, 10 Jahre Elektronische Dachterrasse, … — auch wer ein kraftvolles Jubiläum feiern wollte, der tat das am Ende im KLUB.

Eine Heimat wurde er für regelmäßige Partyreihen wir Trash Clash, Dancehall University, Soul Rabbi Funk, Rock the Bells, Loud up u.v.m. In Zahlen sind das insgesamt über 500 Veranstaltungen, fast 100.000 Besucher, 30 reparierte Klotüren, und unzählige Hektoliter Bier. 
Für die KLUB-Besitzer und Geschäftsführer Felix Glücklich und Biniam Gebremedhin kommt das Ende nicht ganz überraschend, wurde aber doch erst vor ein paar Wochen beschlossen. Im Gespräch erläutert Felix, dass sich die Vorzeichen halt geändert haben. Er bekam vor zwei Jahren Nachwuchs. Dennoch steht er seitdem fast jedes Wochenende im KLUB, zusätzlich zum bereits ausfüllenden Tagesgeschäft, von dem vor den Kulissen kaum einer mitbekommt. Büroarbeit, Telefonate, Bookingverhandlungen, Banking, Steuern, Einkauf, Logistik, Technikorga, Reparaturen, bevor es dann mehrmals die Woche, die Stiegen hinunter in die Nacht geht. Da passt dann etwas nicht mehr zusammen, wenn es heißt, auch liebevoller Familienvater zu sein. “Es reicht momentan mit dem Nachtleben, ich möchte mich noch intensiver meiner Familie widmen können. Mein Sohn bietet mir einen größeren Ansporn als die Disko. Die Zeit rennt zu schnell.“
Auch Biniam hat neue berufliche Herausforderungen entwickelt, auf die er gerade zuarbeitet. „Man verändert sich. Das Leben bietet einem neue Herausforderungen und man entwickelt sich weiter. Und den KLUB einfach nebenher zu betreiben, das kann man nicht schaffen. Das hätte er auch nicht verdient.“

Felix und Biniam bedanken sich bei all ihren Gästen, KünstlerInnen, MusikerInnen, LeserInnen, RednerInnen, FilmvorführerInnen, BarkeeperInnen, LogistikerInnen, KassiererInnen, der Reinigungscrew und allen weiteren UnterstützerInnen. „Wir hatten eine unvergessliche Zeit, an der Ihr alle mit Schuld tragt! Danke.“ 

Und vielleicht wird man auch vom KLUB nochmal in anderer Form hören. Haltet einfach Augen und Ohren offen. Einige der beliebten Partyreihen werden außerdem an anderen Orten weiter existieren. Die üblichen Terminkalender informieren die Szene.

Viel Zeit verbleibt all jenen, die sich vom KLUB verabschieden, oder ihre Erinnerungen noch einmal aufleben lassen wollen, also nicht mehr.

Am 30. Mai 2018 drehen sich die Discokugeln zum letzten Mal und reflektieren das pulsierende Licht. Zum letzten Mal wabert der unverkennbar duftende Nebel über die Tanzfläche. Wummernde Bässe, fluoreszierende Leuchtkegel, hohe Dezibel und nickende Köpfe. Zuckende Körper an der Bar, an den Tischen, in den Gängen. Noch einmal aufladen, mit 1000 Volt — und dann ist Schluss.


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