Rede beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht am 05. März 2026

Auch Schülerinnen und Schüler aus Wuppertal sind zum bundesweiten Aktionstag gegen die Wehrpflicht auf die Straße gegangen. Beatrix Sassermann hat auf der Kundgebung die folgende Rede aus ihrer Sicht als linke Gewerkschafterin gehalten:

Hallo allerseits,

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mein Name ist Beatrix, ich wurde eingeladen, um auf eurer Kundgebung als Gewerkschafterin zu sprechen und danke für diese Gelegenheit. Ich bin seit Jahrzehnten gewerkschaftlich aktiv, spreche hier aber nicht im Namen der Gewerkschaft. Außer, dass ich bei ver.di bin, mache ich auch beim Wuppertaler Friedensforum mit.

Wahrscheinlich habt Ihr als Schülerinnen und Schüler noch nicht viel mit der Gewerkschaft am Hut gehabt, habt euch vielleicht sogar geärgert, wenn die Busfahrer oder Kita-Beschäftigten streiken. Und doch haben wir viel gemeinsam.

Die ArbeitnehmerInnen mussten schon früh erkennen, dass sie untergehen, wenn sie unterwürfig und vereinzelt bleiben: Arbeitszeiten jenseits von Gut und Böse, Arbeitsbedingungen, die krank und invalide machen, einkommenslos bei Krankheit und Wirtschaftskrisen, Kinderarbeit und Willkür, um nur einiges zu nennen. So wuchs die Erkenntnis, dass man sich zusammentun muss, um sich zu wehren. Das Einzige, was wir ArbeitnehmerInnen als Gegenwehr einsetzen können, ist das Vorenthalten unserer Arbeitskraft – der Streik. Alles andere ist kollektives Betteln in Verhandlungen und Kleinbeigeben, wenn die Arbeitgeber stur bleiben.

Ihr habt, wie auch zuvor die Klimabewegung zum Mittel des Schulstreiks gegriffen, um eure Anliegen in die Gesellschaft zu tragen. Das ist legitim, denn „allein machen sie dich ein, schmeissen sie dich raus, lachen sie dich aus…“ Wie der Song von Rio Reiser bei der Gruppe Ton Steine Scherben es ausdrückt, den wir früher immer lauthals mitgesungen haben.

In dem verdi-FB dem ich angehöre, kämpfen Beschäftigte aus dem Gesundheits-, Bildungs- und Forschungsbereich gegen Personalnot und Überlastung. Die Kolleg*innen berichten, dass die Gelder für soziale Einrichtungen massiv gekürzt oder gestrichen, Krankenhäuser geschlossen oder ausgedünnt und bisherige Leistungen nicht mehr erbracht werden können. Das Geld wird in die Herstellung der Kriegstüchtigkeit umgeleitet.

Das Handelsblatt vom 28. Februar bringt es auf den Punkt: „Kanonen statt Butter – Die massive Aufrüstung zwingt Europas Regierungen zu harten Haushaltsentscheidungen.“ Der Spruch „Kanonen statt Butter“ stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus und beschreibt die Prioritäten in der damaligen Ernährungskrise: auf Butter sei zu leicht zu verzichten, aber niemals auf Kanonen, hieß es von der Nazi-Oberen.

Heute gilt das für den Sozialstaat. Er müsse demontiert werden, um die irrsinnige Aufrüstung zu finanzieren. Neben Kanonen benötigt der Militarismus aber auch Kanonenfutter, nämlich Soldaten. Es ist absehbar, dass 2027 die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, weil nicht genügend junge Menschen kriegstüchtig gemacht werden wollen. Wie soll denn da die Bundeswehr die größte Armee Europas werden, wie Kanzler Merz gefordert hat?

Dass Krieg nicht mehr etwas Fernes ist, erleben wir gerade. Während Spanien verboten hat, dass US-Kampfflugzeuge von seinem Territorium aus völkerrechtswidrige Angriffe auf den Iran fliegen, wird das nun von Ramstein aus erlaubt. Dabei sollte von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen.

In einer Welt, in der die Mächtigen ihre Truppen mit tödlicher Zerstörung für Annexionen, Regimechanges und Rohstoffe ins Feld befehlen, müssen wir ein Gegengewicht bilden, ein Licht für Vernunft und Menschlichkeit, für das Völkerrecht, Gerechtigkeit und Frieden sein.

Gut, dass die GEW und die DGB-Jugend die Schulstreiks unterstützen. Insgesamt sollten die Gewerkschaften aber sehr viel stärker gegen den Aufrüstungskurs eintreten. Ihr zeigt mit eurem Schulstreik wahre Haltung, nicht die mit Strammstehen, Befehl und Gehorsam.

Danke, dass ihr aktiv geworden seid!Demonstrierende mit Transparenten und Fahnen Demonstrierende mit Transparenten

 

Demonstrierende mit Fahnen

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