Editorial Bergische Blätter 18.2011

Ein Kommentar von Silke Nasemann zur gescheiterten Orchesterfusion

Die Orchesterfusion ist vom Tisch. Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung gab das zum Saisonauftakt des Sinfoniorchesters Wuppertal bekannt – mit dem Zusatz, dass Toshiyuki Kamioka bis zum Jahr 2019 in Wuppertal bleiben will. Wuppertal jubelt – und Remscheid und Solingen schauten etwas verdattert drein.
Denn noch schienen die Gespräche nicht endgültig beendet gewesen zu sein, setzten vor allem die Remscheider, aber auch die Solinger weiterhin auf Kommunikation untereinander. So wurden sie aber vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne vorher zumindest informiert zu werden.
Für Burkhard Mast-Weisz, Stadtdirektor von Remscheid, ist das „sehr ärgerlich“, denn die Fusion sei „eine sinnvolle wirtschaftliche Alternative“ in Zeiten knapper Kassen gewesen. Das Bekenntnis zum Zusammengehen stelle die Bergischen Symphoniker zwar grundsätzlich nicht in Frage, aber nun stehe man nach dem Aus der Gespräche mit Wuppertal vor schwierigen finanziellen Fragen – und Entscheidungen. Die  könnten bis zur Auflösung des Orchesters führen, heißt es in Remscheid.
Für Solingens Oberbürgermeister Norbert Feith kommt die Wuppertaler Entscheidung indes nicht so überraschend: „Es zeichnete sich seit Längerem ab, dass es für die Fusion der beiden Orchester keine politische Mehrheit geben würde. Mit Remscheid ist vereinbart, dass die Mitglieder unserer beiden Städte in der Projektgruppe in der ersten Oktoberhälfte zusammenkommen und die Folgen des Wuppertaler Ausstiegs beraten.“
Doch auch für Wuppertal wird die Entscheidung nicht folgenlos bleiben, denn das Problem der mangelnden Finanzierung besteht nach wie vor. Ob man dabei wieder auf die Hilfe von Mäzenen setzen kann, ist fraglich, aber nicht unmöglich. Finden die sich nicht, wird wohl etwas anderes den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen müssen.
Dabei heißt es nun aufpassen, dass nicht wieder das Sprechtheater in die Diskussion gerät, das bei Jung offentlichtlich einen weniger großen Rückhalt hat. Nicht, dass es dann beim nächsten großen Opernabend plötzlich heißt: „Das Schauspielhaus wird abgerissen und das Ensemble des Sprechtheaters kann sich ein neues Haus suchen“.

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