11.03.2026Claudia Otte
Wuppertal hebt Schonzeit teilweise auf – Kritik an Eingriff in den Wildbestand
Symbolfoto: (KI) wuppertalaktuellnrwMit einer Allgemeinverfügung erlaubt die Stadt für das Jagdjahr 2026/2027 im Zeitraum vom 1. bis 30. April den Abschuss dieser Tiere – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.
Jagd nur unter klaren Einschränkungen
Die Aufhebung der Schonzeit gilt nicht flächendeckend und ist an mehrere Voraussetzungen gebunden.
Erlaubt ist die Bejagung ausschließlich:
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auf Flächen mit Laubholz- oder Laubmischholzkulturen
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wenn sie dem direkten Schutz junger Bäume dient
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bei Anpflanzungen oder Naturverjüngung mit Bäumen unter 1,50 Meter Höhe
Diese Höhe gilt als sogenannte „kritische Verbisszone“, in der junge Bäume besonders gefährdet sind. Rehe knabbern bevorzugt an frischen Trieben, was ganze Wiederaufforstungen zunichtemachen kann.
Jagd statt Zaunbau
Nach Angaben der Stadt soll die Jagd vor allem dort eingesetzt werden, wo Schutzzäune nicht möglich oder wirtschaftlich unsinnig sind.
Großflächige Einzäunungen würden laut Verwaltung außerdem den ökologischen Biotopverbund beeinträchtigen. Die Bejagung soll daher als Ersatzmaßnahme dienen, um junge Wälder zu schützen.
Kritik an Eingriff während der Schonzeit
Der Schritt sorgt jedoch auch für Diskussionen. Kritiker sehen die Aufhebung der Schonzeit als problematischen Eingriff in den Wildbestand, gerade im Frühjahr, wenn viele Tiere bereits tragend sind.
Zwar betont die Stadt, dass beim Abschuss von Schmalrehen besonders sorgfältig vorgegangen werden müsse, um tragende Ricken nicht zu erlegen. Tierschutzverbände bezweifeln jedoch, dass dies in der Praxis immer zuverlässig gewährleistet werden kann.
Hintergrund: Wald im Klimastress
Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit den massiven Waldschäden der letzten Jahre, ausgelöst durch Trockenheit, Stürme und Borkenkäferbefall.
Damit neue Wälder entstehen können, müsse laut Landesregierung der Schalenwildbestand reduziert werden, da insbesondere Rehwild junge Laubbäume stark verbisst.
Das NRW-Landwirtschaftsministerium hatte bereits im Februar 2026 den Kommunen erlaubt, die Schonzeit für Schmalrehe und Böcke im April zeitweise aufzuheben.
Waldschutz oder falsches Signal?
Während Forstexperten die Maßnahme als notwendiges Mittel zur Sicherung der Wiederbewaldung ansehen, bleibt die Frage offen, ob der verstärkte Abschuss tatsächlich die beste Lösung ist – oder ob andere Schutzmaßnahmen langfristig sinnvoller wären.
Eines zeigt die Entscheidung jedenfalls deutlich:
Der Kampf um den zukünftigen Wald wird inzwischen nicht nur mit Pflanzspaten, sondern auch mit Jagdgewehren geführt. 🌲🦌
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