11.03.2026Uli Schmidt
3 Neue Bäume für Ronsdorf Gesamtschule
Drei junge Bäume, frisch gepflanzt auf dem Gelände der Gesamtschule in Ronsdorf. Ein paar Spatenstiche, engagierte Helfer, gute Stimmung – und ein Video für die sozialen Medien. Der lokale Grünen-Politiker Ulrich T. Christenn präsentiert die Aktion als positives Beispiel: Man könne sich über gefällte Bäume aufregen – oder eben selbst neue pflanzen.
Der Satz klingt nach Tatkraft. Nach Pragmatismus. Nach: Nicht reden, sondern handeln.
Doch gerade dieser Kontrast macht die Szene politisch brisant.
Denn während in Ronsdorf Setzlinge in die Erde kommen, laufen an anderer Stelle in Wuppertal Motorsägen. Laut Berichten über städtische Maßnahmen sollen hunderte Bäume gefällt werden. Allein die Schlagzeile der Wuppertaler Rundschau – „300 Bäume müssen weg“ – hat viele Bürger alarmiert. Und wer in den vergangenen Wochen rund um die Königshöhe unterwegs war, konnte selbst beobachten, wie im Zuge sogenannter Waldpflegemaßnahmen zahlreiche Bäume verschwanden.
Natürlich: Städte müssen Bäume fällen. Aus Gründen der Verkehrssicherheit, wegen Krankheiten oder wegen Bauprojekten. Das gehört zur Realität urbaner Forstwirtschaft.
Doch genau hier beginnt die politische Dimension.
Denn die Diskussion über Bäume in Wuppertal ist längst mehr als eine Debatte über einzelne Fällungen. Sie steht im Schatten eines Großprojekts: der Bundesgartenschau 2031.
Die geplante BUGA soll der Stadt neue Grünflächen, touristische Aufmerksamkeit und städtebauliche Impulse bringen. Gleichzeitig bedeutet ein solches Ereignis fast immer massive Eingriffe in bestehende Landschaften. Wege werden neu angelegt, Flächen umgestaltet, Infrastruktur gebaut. Und ja – auch Bäume müssen dabei weichen.
Befürworter sehen darin eine historische Chance für Wuppertal. Kritiker befürchten dagegen, dass unter dem Label „Aufwertung“ gewachsene Naturstrukturen verschwinden.
Vor diesem Hintergrund wirkt die mediale Inszenierung einer kleinen Pflanzaktion plötzlich weniger harmlos, als sie zunächst erscheint.
Denn sie verschiebt den Fokus: Weg von der großen politischen Entscheidung – hin zu einer symbolischen Handlung.
Ein frisch gepflanzter Baum ist ein Versprechen für die Zukunft. Ein alter Baum dagegen ist bereits ein funktionierendes Ökosystem: Er spendet Schatten, speichert CO₂, kühlt die Umgebung und bietet Lebensraum für zahlreiche Arten. Es dauert Jahrzehnte, bis ein junger Baum diese Funktionen erfüllen kann.
Gerade deshalb reagieren viele Bürger sensibel, wenn gleichzeitig neue Setzlinge gefeiert und alte Bäume gefällt werden.
Das eigentliche Problem ist also nicht die Pflanzaktion selbst. Im Gegenteil: Neue Bäume zu pflanzen ist sinnvoll und notwendig.
Die entscheidende Frage ist eine andere: Reicht es, solche Aktionen prominent in Szene zu setzen, während gleichzeitig große Eingriffe in den Baumbestand stattfinden?
Oder anders formuliert: Wie viele Setzlinge braucht es, um den Verlust gewachsener Bäume auszugleichen?
Und noch eine Frage drängt sich auf: Dient das Pflanzen von drei Bäumen in erster Linie der Natur – oder auch der politischen Kommunikation?
Gerade im Vorfeld großer Projekte wie der BUGA wird diese Frage wichtiger werden. Denn wenn eine Stadt sich als grün und zukunftsorientiert präsentieren will, müssen Symbolik und Realität am Ende zusammenpassen.
Sonst bleibt vom grünen Bild am Ende nur eines übrig: ein paar Setzlinge – und viele offene Fragen. Eine Antwort ist dabei die Kettensäge ist schneller als die Schaufel.
OMG! 300 Bäume müssen in #Wuppertal weg! Was können wir machen? Neue Bäume pflanzen!
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