04.01.2011

Agentur für Arbeit Arbeitsmarkt Ausbildungsmarkt Jahresbilanz Martin Klebe

Jahresrückblick 2010: Der Arbeitsmarkt in Wuppertal

„Die vorausgegangene Wirtschaftskrise hinterließ auch im Jahr 2010 noch Spuren am Wuppertaler Arbeitsmarkt, aber weniger tief als zunächst befürchtet“, zieht Martin Klebe, Chef der Agentur für Arbeit Wuppertal, Bilanz.

„Durch die einsetzende konjunkturelle Erholung entwickelte sich der Arbeitsmarkt in diesem Jahr so dynamisch, dass wir jetzt sogar eine günstigere Situation als vor der Krise haben. So sind in Wuppertal rund 1.800 Menschen weniger arbeitslos als vor einem Jahr, “ so Martin Klebe.

Die Kurzarbeit ist in den letzten Monaten zwar kräftig zurückgegangen, trotzdem konnten damit auch im Jahr 2010 mehrere Tausend Arbeitsplätze in unserer Region erhalten werden. Die Kurzarbeit wurde insbesondere noch in der Metallbranche, im Maschinenbau sowie in der Automobil- und Elektroindustrie genutzt. Die Agentur für Arbeit Wuppertal zahlte in diesem Jahr rund 22,5 Millionen Euro an Kurzarbeitergeld aus den Beitragsmitteln der Bundesagentur für Arbeit aus (2009: 49,5 Mio. Euro).

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Jahr 2010

Nach einem leichten, saisonbedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Februar begab sich die Arbeitslosigkeit auf Talfahrt und es waren von Monat zu Monat immer weniger Menschen in Wuppertal arbeitslos. Diese Tendenz setzte sich auch im Dezember fort: „Im Dezember waren trotz des Wintereinbruchs noch einmal weniger Menschen in Wuppertal arbeitslos gemeldet“, so Martin Klebe. Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem November nur leicht um 80 zurückgegangen, im Vergleich zum Dezember 2009 sind aber rund 1.800 Menschen weniger arbeitslos, dies ist ein Rückgang um 8,7 Prozent.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote sinkt in Wuppertal leicht von 10,7 im letzten Monat auf aktuell 10,6 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie im Dezember noch 11,6 Prozent. 

Positive Entwicklung auch in der Unterbeschäftigung

Entscheidend für eine transparente und realistische Beurteilung des Arbeitsmarktes ist der Blick auf die Unterbeschäftigung. Hier zeigt sich das Gesamtvolumen der Menschen, die bei der Arbeitsagentur erfasst sind. Denn in der Arbeitslosenstatistik gelten nach den gesetzlichen Regelungen beispielsweise Personen, die eine Weiterbildung oder Eignungsfeststellung besuchen oder eine Arbeitsgelegenheit ausüben nicht als arbeitslos. Um notwendige Transparenz zu gewährleisten, werden diese Teilnehmer aber gesondert ausgewiesen.

 „Es suchen mehr Leute Arbeit, als die Statistik Arbeitslose auswirft“, so Martin Klebe. Zähle man alle Personen, die im Dezember eine Erwerbstätigkeit anstrebten, zu den gesetzlich definierten Arbeitslosen von 23.761 im gesamten Bezirk der Agentur für Arbeit Wuppertal hinzu, ergebe sich eine „Unterbeschäftigung“ von 34.889 Personen. Das sind 1.662 Personen oder 4,5 Prozent weniger als der vergleichbare Wert vor einem Jahr. Darin ist die Entlastungswirkung der Kurzarbeit noch nicht enthalten. „Diese Rückgänge können als Indikator für die konjunkturelle Erholung der Wirtschaft gewertet werden“, so Martin Klebe.

Dezember 2010

Insgesamt sind in Wuppertal noch immer 18.658 Frauen und Männer auf der Suche nach einer Beschäftigung. Davon werden aktuell 3.634 Personen von der Agentur für Arbeit Wuppertal betreut und 15.024 Arbeitslose  von der Arbeitsgemeinschaft  Wuppertal. Der Vergleich mit dem Dezember des letzten Jahres zeigt, dass die Arbeitslosigkeit nur im Aufgabengebiet der Arbeitsagentur gesunken ist. Denn im Vergleich zum letzten Jahr werden aktuell – 27,5 Prozent Personen weniger von der Arbeitsagentur betreut, während von der ARGE Wuppertal -2,8 Prozent weniger Frauen und Männer betreut werden.

„Die Chancen, wieder eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, haben sich deutlich verbessert. Besonders Menschen, die nah am Arbeitsmarkt sind, wie die Kunden der Arbeitsagentur, haben davon profitiert“, so Martin Klebe.

Zu- und Abgänge

Im Jahr 2010 meldeten sich insgesamt 47.692 Männer und Frauen in Wuppertal arbeitslos, das waren über 3.500 mehr als im Jahr davor. Aber es konnten auch 49.436 Männer und Frauen und damit über 4.300 mehr als im Jahr 2009 ihre Arbeitslosigkeit beenden. Eine neue Beschäftigung fanden im Laufe des Jahres 16.662 Personen und damit 2.035 mehr als im letzten Jahr.

Jüngere Arbeitslose profitieren

Von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt haben junge Erwachsene unter 25 Jahre besonders profitiert. Deren Anteil ist im Jahr 2010 in Wuppertal überproportional zurückgegangen. So sind im Dezember noch rund 1.800 junge Erwachsene unter 25 Jahren arbeitslos, 376 weniger als im Jahr 2009.

Mehr ältere Menschen arbeitslos

Von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt konnten über 55-Jährige bisher nicht profitieren. Deren Anteil ist im Vergleich mit dem letzten Jahr sogar um etwa 12 Prozent gestiegen. Aktuell sind 2.618 über 55-Jährige arbeitslos gemeldet und damit 276 mehr als vor einem Jahr.

Die Arbeitslosigkeit von Menschen zwischen 50 und 54 Jahre ist dagegen um knapp fünf Prozent gesunken. „Dies ist ein Zeichen dafür, dass in diesem Jahr auch zahlreiche erfahrene Fachkräfte von der positiven Entwicklung des Marktes profitieren konnten und wieder eine neue Arbeit gefunden haben“, erläutert Martin Klebe. „Diese Kräfte mit Berufserfahrung werden für den Markt immer wichtiger werden, weil es an Nachwuchs mangelt.“

Kräftebedarf  stark gestiegen

„Besonders kräftig hat die Zahl der zu besetzenden Stellen in diesem Jahr zugenommen, was die Annahme eines fortgesetzten Aufschwungs am Arbeitsmarkt stützt“, so Martin Klebe. „In manchen Berufen, wie beispielsweise in den Gesundheits- und Erziehungsberufen, in den metallverarbeitenden Berufen wie Dreher und Fräser, in den Elektroberufen und bei den Ingenieuren, haben wir schon jetzt einen erhöhten Fachkräftebedarf. Die Einstellungen sind querbeet zu beobachten, besonders bei kleinen und mittelständischen Unternehmen.“

So meldeten Wuppertaler Unternehmen im gesamten Jahr dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Wuppertal insgesamt 7.643 sozialversicherungspflichtige Stellen neu und somit ein um 34,5 Prozent höheres Auftragsvolumen. Allein im Dezember meldeten die Chefs aus dem Tal 644 neue Stellen, das waren 35,3 Prozent mehr als im Dezember 2009.

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sinkt

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Wuppertaler Unternehmen verringerte sich im ersten Quartal 2010. So waren 109.653 Menschen in den Betrieben in Wuppertal sozialversicherungspflichtig beschäftigt und damit 1.035 weniger als ein Jahr zuvor. Der Blick auf die Entwicklung der Altersstruktur der Beschäftigten zeigt, dass der demographische Wandel in Wuppertal bereits angekommen ist. Das Erwerbspersonenpotential wird sich weiter verringern, weil die wenigen jungen Menschen die Zahl der Älteren, die sich aus dem Berufsleben verabschieden, nicht ausgleichen können.

„Diese Tendenz wird sich noch verschärfen“, ist sich Martin Klebe sicher. „Darum müssen wir unseren Blick auf das gesamte Arbeitskräftepotential erweitern. Dazu gehören auch Alleinerziehende, Migranten und ältere Arbeitslose, die bisher vom wirtschaftlichen Aufschwung zu wenig profitieren.“

Ausblick auf 2011

„Die Beschäftigungsmöglichkeiten für Geringqualifizierte werden in den nächsten Jahren weiter abnehmen und der Fachkräftebedarf wird sich verstärken. Unsere Herausforderungen werden sein, diesen Entwicklungen gegenzusteuern. Die Agentur für Arbeit Wuppertal wird wie in den vergangenen Jahren auch im Jahr 2011 vor allem in Bildung und Weiterbildung investieren, um den Unternehmen möglichst qualifiziertes Personal zu sichern“, so Martin Klebe. „Bei diesen Anstrengungen können wir nur gemeinsam mit der hiesigen Wirtschaft gewinnen. Aus- und Weiterbildung werden zukünftig noch stärker an Gewicht zunehmen. Bereits in diesem Jahr finanzierte die Agentur für Arbeit Wuppertal alleine im Sonderprogramm zu Flankierung des Strukturwandels knapp 300 Umschulungen, darunter insbesondere Umschulungen zu Metallfachkräften, Kaufleuten, Altenpflegern und Lagerfachkräften.

Ausbildungsmarkt hat Probleme

Die Bilanz der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2010 offenbart eine besorgniserregende Entwicklung: Im gesamten Bezirk der Agentur für Arbeit Wuppertal, zu dem die Städte Wuppertal, Velbert, Wülfrath und Heiligenhaus gehören, wurden im Jahr 2010 nur noch 2.693 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, das ist der niedrigste Stand der letzten elf Jahre.

„Fachkräfte wachsen nicht auf Bäumen. Nur wer heute ausbildet, sichert sich seine Fachkräfte von morgen. Über kurz oder lang wird es wettbewerbsentscheidend für die Unternehmen in Wuppertal sein, über ausreichend Nachwuchs zu verfügen. Denn gerade hier sind die Belegschaften schon jetzt älter als anderswo“, weiß Martin Klebe. „Mit der Fortsetzung des Wuppertaler Hauptschulmodells und weiteren Angeboten zur Berufsorientierung und Berufsvorbereitung in den Schulen wollen wir rechtzeitig einlenken und lieber in die Vorsorge als in die spätere Reparatur investieren“, so Martin Klebe. „Damit möchten wir junge Menschen vor möglicher Arbeitslosigkeit bewahren und den Unternehmen ihren Nachwuchs sichern.“

Finanzielle Bilanz der Agentur für Arbeit Wuppertal

Im Jahr 2010 gab die Agentur für Arbeit Wuppertal aus Beitragsmitteln der Bundesagentur für Arbeit folgende Beträge in Euro aus:

  • 109,5 Millionen für Arbeitslosengeld I
  • 22,5 Millionen für Kurzarbeitergeld/ erstattete Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitgeber
  • 11,7 Millionen für die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben
  • 10,7 Millionen für Gründungszuschuss bei Aufnahme einer Selbständigkeit
  • 8,2 Millionen für Altersteilzeit
  • 7,9 Millionen für Maßnahmen zur Förderung der Integration (Berufliche Weiterbildung, Eingliederungszuschüsse, etc.)
  • 6,9 Millionen für Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung
  • 6,3 Millionen für Förderung der Berufsausbildung (Berufsausbildungsbeihilfe, Ausbildungsbonus, etc.)
  • 5,6 Millionen für Maßnahmen für Jugendliche (Berufseinstiegsbegleitung, Einstiegsqualifizierung, etc.)
  • 5,2 Millionen für Transferleistungen
  • 5 Millionen für Insolvenzgeld
  • 1,3 Millionen für die Qualifizierung Beschäftigter

Den statistischen Arbeitsmarktreport finden Sie unter http://www.arbeitsagentur.de/Dienststellen/RD-NRW/Wuppertal/AA/Zahlen-Daten-Fakten/PDF/Arbeitsmarktreport-12-2010.pdf

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