18.08.2010

Kleines Schauspielhaus Wuppertal

POPNONAME POPNOSHOW POPNOPARTY # 7

11.09.2010 im Kleinen Schauspielhaus Wuppertal mit KING FEHLER A.K.A. KNARF RELLÖM X Schlammpeitziger // live + Ulrike Göken // Videos und ANDREA SEITZ


KING FEHLER A.K.A. KNARF RELLÖM X

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KING FEHLER ist ein MC, ein Master of Ceremony, ein Zeremonienmeister, ein Mikrophon Controller. Er spricht und singt seine Texte zu zumeist bekannten Instrumentals aus HipHop, Techno, House, Dub oder Krautrock (Er verwendet KEINEN Indierock, er haßt sogenannten Indierock).
Die Texte sind eventuell bekannt in der Version, wie sie die KNARF RELLÖM TRINITY spielt, allerdings eben ohne deren Musik, heißt: KING FEHLER = Knarf Rellöm Trinity ohne TRINITY. Play Loud!

Schlammpeitziger // live + Ulrike Göken // Videos

Seit Veröffentlichung seiner ersten Cassette auf dem Kölner Traditionslabel Entenpfuhl 1993 gewährt Jo Zimmermann aka Schlammpeitziger einem internationalen Publikum Einblicke in seinen privaten Kosmos. Der Musiker, Zeichner und Erfinder nicht enden wollender Songtitel mit dem derben, wiewohl
feinsinnigen Humor hat einen unverwechselbaren Stil geprägt.

Im Gegensatz zu vielen Produzentenkollegen, deren Kreativität unter ihrer perfekten technischen Ausrüstung erstickt, ist Zimmermann ein genügsamer Mensch. Aufnehmen tut er schon immer zuhause, im “Auf Dem Bett Studio”, das später dann in “Auf dem Brett Studio” umbenannt wurde. Dem Casio Synthesizer CZ 230 S, den er 1986 erworben hatte, ist er bis heute treu geblieben. Ihm und anderen Synthesizern entlockt Schlammpeitziger das freundliche Pluckern und das für ihn typische Netz aus Melodielinien. Melodien, die stets unter sensiblem Gebrauch des Pitch-Bending-Reglers seines Keyboards eingespielt wurden und so charakteristische Glissandi aufweisen. Und bei aller vordergründigen Freundlichkeit und Zugänglichkeit kann man sich leicht verfangen im Schlammpeitzigerschen Melodiegewebe, den subsonischen Kirmesbässen und den milden Geräuschen. Ernsthaftigkeit, Verdacht und Zweifel sind unsere ständigen Begleiter, wenn wir dem Schlammpeitziger nur gut genug zuhören. Was nicht weiter schwer fällt, denn seine Stücke entfalten ihren Bann von ganz allein. Sie nehmen uns gewissermaßen an der Hand und führen uns mit sich, nach unten, in die schattenhafte Melancholie und Unklarheit jenseits der hübschen Töne. Jo Zimmermann jubelt uns seinen musikalischen Tiefgang mit so einer Leichtigkeit unter, dass wir ihn gerne gewähren lassen. Seine Art von clubtauglicher Popmusik (oder radiotauglicher Clubmusik?) hält versteckte Qualitäten bereit, die sich erst beim zweiten oder dritten Hören wie von selbst offenbaren. Diese Doppelbödigkeit ist ebenfalls ein Charakteristikum der Musik dieser kölnischen Institution.

Stolperndes Galoppholz, Erdrauchharnschleck und Konservatives Einzelzimmer, solcher Art lauten die Titel der Stücke von Schlammpeitziger. Sie sind keinesfalls wahllos den Stücken zugeordnet, vielmehr sind sie ein Destillat der Stimmung, die die Musik transportiert. Möglich wäre auch der Umkehrschluss, dass nämlich der Titel unsere Phantasie auf die Reise schickt und so die besondere Atmosphäre des Stückes erzeugt. Sei es wie es sei: In Kombination mit seinem Titel vermag jeder einzelne Schlammpeitziger-Track lange und verwickelte Geschichten zu erzählen.

Seit Jo Zimmermann 1992 die Kunstfigur Schlammpeitziger erschaffen hat, ist viel passiert. Depeche Mode, The Bionaut, Barbara Morgenstern oder Egoexpress forderten Remixe an; Schlammpeitziger wurde ein gefragter Gast auf internationalen Festivals wie dem Experimentalclub in Madrid oder Sonic Acts in Amsterdam. Er veröffentlichte Alben und Singles auf seinen Heimatlabel a-Musik und sonig. Mit “Collected Simple Songs Of My Temporary Past” erschien 2001 sogar eine Art Best-Of-Album auf den renommierten Labels Domino (UK), Thrill Jockey (USA) und Tokuma (Japan).

Auf all diesen Tonträgern erkennt man den Schlammpeitziger-Sound nach wenigen Sekunden, so auch auf seinem aktuellen Album “Schwingstelle für Rauschabzug” (sonig 2008). Wobei sich mit diesem Release auch etwas verändert hat, sehr deutlich sogar. Denn Schlammpeitziger entdeckt auf “Schwingstelle” die tiefen Frequenzen und die pulsierenden Clubbeats. So hat sein typischer Stil der beredsamen, sich scheinbar verselbständigenden Melodielinien und quirligen Rhythmen einen ganz neuen Sog hinzugewonnen.

Inzwischen ist Jo Zimmermann übrigens im Besitz neuer Musikalien, wie einem Computer und Synthesizer neuerer Bauart. Wobei Freund und Musikerkollege F.X.Randomiz meint, Schlammpeitziger würde auch hiermit Casio-artige Klänge produzieren. Er muss es wissen, schließlich ist F.X.Randomiz so etwas wie die graue Eminenz der kölschen Elektronik, und außerdem eine Hälfte des Duos Holosud. Die andere Hälfte ist Jo Zimmermann. Holosud veröffentlichten eine EP und ein Album auf a-Musik, ihr dichter und hyperaktiver Sound sucht seinesgleichen. Mehrere Musiken für Hörspielproduktionen des WDR gehen auf das Konto dieser Band. Das Hörspiel “Stripped” von Stefan Weigl gewann 2004 den Hörspielpreis der Kriegsblinden, die höchste deutsche Auszeichnung für Hörspiele, die es gibt.
2009 gewann das Hörspiel „Moment mal,das wird Sie interessieren“ von Stefan Weigl mit der Musik von Holosud bei den ARD Hörspieltagen den ARD Online Award und den Deutschen Hörspielpreis der ARD.
(ARD = Größte öffentlich rechtliche Rundfunkanstalt in Deutschland)

Eine sehr besondere Qualität haben die Livekonzerte des Schlammpeitziger. Denn hier tritt die seiner Musik immanente Gleichzeitigkeit von “Ironisierung und heiligem Ernst” (Olaf Karnik) sozusagen in persona auf die Bühne. Jo Zimmermann ist kein ausgesprochener Spaßvogel, aber im Gegensatz dazu sind viele der Sounds und Soli, die er live einstreut, heiter bis komisch. Und so weiß man nie so ganz, woran man eigentlich ist. Eine Spannung, die Schlammpeitziger meisterhaft über Konzertlänge aufrechterhält. Sein Liveset funktioniert sowohl im Club als auf der Theaterbühne, im Stroboskopnebel oder vor Stuhlreihen. Fester Bestandteil dieser Happenings sind die Videos der Künstlerin Ulrike Göken, seit 2003 Bandmitglied von Schlammpeitziger. Ihre Filme sind überraschend, experimentell, lustig und surreal. Pro Stück ein Film, echte Musikvideos, wenn man so will. Spätestens dann, wenn Jo seinen legendären Pudelmützen-Tanz vollführt und der Saal tobt, fällt es dem Konzertbesucher schwer, sich zwischen dem Geschehen auf der Bühne und dem auf der Leinwand zu entscheiden.

Aktuell arbeitet Schlammpeitziger an einer DVD mit Videos für “Raum für Projektion” und einem neuen Album für sonig.

AUSSERDEM SPIELEN ANDREA SEITZ AUS KÖLN

“Hier soll man was über die Band sagen. Die Band gibt es gar nicht, weil wir alles im Studio aufnehmen und dann auf den Konzerten, die ja eigentlich auch keine sind, alles von Band abspielen. Außer Gesang, Orgel und Gitarre. Sonst ist aber alles Playback. Außerdem hatten wir erst einen Auftritt, bei einem Festival in München von Peter Licht. Das hat uns soviel Spaß gemacht, trotzdem blieben wir teilweise unverstanden. Aber das hat uns auch Spaß gemacht. Und weil wir am liebsten leichtfüßige wie junge Panther durchs Leben steppen, machen wir bald nochmal so ein Pseudo-Konzert. Mal sehen welcher Meinung alle sind!“

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