Mehr Hungersnöte, weniger Spenden

Immer mehr Menschen sind akut von Hunger bedroht. Das zeigt die Jahresbilanz von Brot für die Welt. Sie fällt aufgrund der Pandemie schlechter aus als sonst.

Immer mehr Menschen sind akut von Hunger bedroht. Das zeigt die Jahresbilanz von Brot für die Welt. Sie fällt aufgrund der Pandemie schlechter aus als sonst.

Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt hat im vergangenen Jahr rund 6,2 Millionen Euro aus der Evangelischen Kirche im Rheinland erhalten. Das ist eine Million weniger als im Jahr 2020, als rund 7,6 Millionen Euro zusammenkamen. Da pandemiebedingt 2020 wenige präsente Weihnachtsgottesdienste stattgefunden haben, hätte ein noch größerer Einbruch bei den Kollekten- und Spendeneinnahmen die Folge sein können.

Doch die hohe Spendenbereitschaft über das gesamte Jahr 2021 konnte den Rückgang der Kollekten etwas abfedern. In Wuppertal etwa spendeten Kirchengemeinden und Privatpersonen rund 180.400 Euro direkt an Brot für die Welt, fast so viel im Jahr davor.

Dankbar für großes Vertrauen

„Wir sind dankbar für das große Vertrauen, das Spenderinnen und Spender Brot für die Welt auch in der Corona-Pandemie schenken. Immer wieder erfahren wir, wie wichtig es ihnen ist, die Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika in der Pandemie nicht alleinzulassen“, sagt Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Bundesweit haben Spenderinnen und Spender die Arbeit des evangelischen Hilfswerks im vergangenen Jahr mit rund 63,6 Millionen Euro unterstützt. Das ist ein Minus von 13,2 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr (2020: 76,8 Mio. Euro).

Das Ergebnis erklärt sich damit, dass in die Jahresbilanz 2021 die Kollekten aus den Advents- und Weihnachtsgottesdiensten 2020 eingeflossen sind: Aufgrund der Corona-Auflagen waren Gottesdienstbesuche deutlich eingeschränkt, und die Kollekten fielen entsprechend deutlich geringer aus.

646 neue Projekte bewilligt

Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt, fordert ein Umdenken bei der Hungerbekämpfung

Im vergangenen Jahr konnten von Brot für die Welt 646 Projekte neu bewilligt werden, davon mit 216 die meisten auf dem afrikanischen Kontinent. In den neuen Projekten geht es vor allem um langfristige Hilfe gegen Hunger und Mangelernährung und die Stärkung der lokalen Zivilgesellschaft.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe die Hungerkrise zwar nicht hervorgebracht, wohl aber verschärft, erklärte die Präsidentin von Brot für die Welt, Dagmar Pruin, bei der Vorstellung des Jahresberichts. „Um Millionen Menschen vor dem Verhungern zu retten, müssen die reichen Industrieländer sofort mehr Geld für die Nothilfe bereitstellen.“ Weltweit hungerten 828 Millionen Menschen im Jahr 2021, das seien 150 Millionen mehr als vor Ausbruch der Pandemie, so Pruin.

Forderung nach mehr Bundesmitteln

Die Antwort auf wiederkehrende Hungerkrisen müsse ein anderes weltweites Ernährungssystem sein, das die armen Länder aus der Abhängigkeit befreie. „Die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe müssen steigen“, forderte die Brot für die Welt-Präsidentin.

Neben Spenden und Kollekten erhielt Brot für die Welt 2021 Mittel des Kirchlichen Entwicklungsdienstes und Drittmittel, vor allem aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Insgesamt standen dem Hilfswerk der evangelischen Kirchen und Freikirchen 321,2 Millionen Euro zur Verfügung, das waren 1,6 Millionen Euro weniger als 2020 (322,8 Mio. Euro).


Text: ekir/BFDW

Fotos: Thomas Lohnes/Hermann Bredehorst (BFDW)

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