Unterwegs für alle Welt

Abeer Alhayek kam 2015 aus Syrien nach Deutschland. Im Verein "Miteinander in Ronsdorf" will sie geflüchtete Frauen stark machen.


Selten war die Sehnsucht nach Urlaub so groß wie in diesem Jahr. Doch nicht alle können verreisen. In unserer Sommerreihe „Unterwegs für andere“ stellen wir Menschen aus unserem Kirchenkreis vor, die sich gerade jetzt für diejenigen engagieren, die zuhause bleiben. Eine von ihnen ist die Syrerin Abeer Alhayek.

Eine unscheinbare Klingel, eine Wohnung im zweiten Stock der typischen siebziger Jahre-Wohnblocks, die das Ronsdorfer Viertel Rehsiepen ausmachen: Hier ist das Begegnungs- und Integrationszentrum des Vereins „Miteinander in Ronsdorf“. Klein, aber mittendrin und so lebendig wie die Initiative, die die vier Kirchengemeinden Ronsdorfs 2015 gegründet haben.

Zu dieser Zeit kam auch Abeer Alhayek mit Mann und zwei Kindern aus Syrien nach Deutschland, um hier Schutz, Hilfe und eine neue Heimat zu finden. Seit 2017 lebt sie in Ronsdorf. Sie strahlt, als sie die Tür öffnet und vorausgeht in ihr Büro. Im Raum daneben findet gerade ein Sprachkurs statt. Die Ehrenamtliche Ulrike Krampitz sitzt auf dem blauen Sofa und wartet, ob noch Mütter mit kleinen Kindern kommen. Sie bietet jeden Freitag eine Kinderbetreuung im Spielzimmer an, damit die geflüchteten Frauen am Sprachkurs teilnehmen können.

Ulrike Krampitz im Spielezimmer des Vereins „Miteinander in Ronsdorf“

„Ohne dieses Angebot würden viele nicht kommen“, erzählt Abeer Alhayek. „Aber die deutsche Sprache ist der erste Schritt in die Integration.“ Und, so betont die Syrerin, oft auch für eine Emanzipation. „Viele Frauen leben in einer starken Abhängigkeit von ihren Ehemännern, sind fast nur in ihrer Wohnung und haben höchstens Kontakt zu ihren Landsleuten.“

Isolation der Frauen aufbrechen

Diese Isolation will Abeer Alhayek aufbrechen. „Frauen können in Deutschland selbstbewusster und selbstständiger leben als in vielen anderen Ländern der Welt. Dazu möchte ich sie ermutigen und befähigen.“ Schon in Syrien hat sich die 45-jährige Agraringenieurin in Frauenprojekten engagiert. Und selbst unter der männlich dominierten Gesellschaft gelitten.

Ich will Frauen ermutigen. selbstständiger zu leben.

„Als ich nach meiner Heirat von der eher liberalen Stadt Salamiyya ins religiös viel strengere Aleppo umzog, bestand mein Mann darauf, dass ich ein Kopftuch trage.“ Neun Jahre lang bedeckte die Syrerin ihre Haare. Als sie mit ihrer Familie vor dem Bürgerkrieg in die Türkei und dann nach Deutschland flüchtete, nahm sie das Kopftuch wieder ab. „Das war eine Befreiung für mich.“

In Wuppertal wurde ihrer Familie 2017 eine Wohnung im Rehsiepen zugewiesen. Dort leben in zwölf Hochhäusern leben 245 Familien aus 40 verschiedenen Nationen, darunter viele Syrer. „Alle sprachen arabisch, aber ich wollte Deutsch lernen.“ In der reformierten Gemeinde wandte sie sich deshalb im Café Calvin an eine Mitarbeiterin und fragte, ob ihr jemand privat Unterricht geben könne.

Abeer Alhayek im Gartenhaus des Vereins. Auf der Wiese finden in diesem Sommer viele Aktionen statt.

Sie begann, sich ehrenamtlich im Verein „Miteinander in Ronsdorf“ zu engagieren. Vor drei Jahren kam dann das Angebot einer Integrationsstelle im Verein. Seitdem organisiert Abeer Alhayek mit einem Team von Ehrenamtlichen Sprachkurse, hilft beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen für Behörden und sorgt für Begegnung im Quartier: mit Festen, kreativen Kursen und Aktionen wie dem Bepflanzen von Blumenkästen oder Vorträgen rund um das Thema Integration und Gesundheit.

Tagesausflüge statt Urlaub

Verschiedene Angebote, wie etwa die Sprachkurse finden auch in den Sommerferien statt. Außerdem organisiert die Syrerin Tagesausflüge, denn viele Menschen im Quartier können sich keinen Urlaub leisten. So war sie schon mit einer Gruppe im Röntgen-Museum in Remscheid. Tagesausflüge nach Bonn und Münster sind noch geplant. „Dabei lernen wir auch viel über die deutsche Kultur und Geschichte. Das ist wichtig für die Integration“, betont sie.

All das tut sie mit etwa 30 festen aktiven Ehrenamtlichen aus den Gemeinden. Die wiederum auch viel von den geflüchteten Familien lernen. „Integration funktioniert nur, wenn beide Seiten sich darauf einlassen“, sagt Abeer Alhayek und zieht ein Fotoalbum aus dem Regal, das ganz verschiedene Menschen bei Gartenarbeiten, Ausflügen oder Festen zeigt. „Schauen Sie: Wir sind wie eine große Familie. Es gibt ein echtes Miteinander in Ronsdorf.“

Text und Fotos: Sabine Damaschke

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