17.05.2021

Warum gibt es bei der Kreditvergabe eine Bonitätsprüfung?

Bevor eine Bank oder ein anderer Kreditgeber einen Kredit bewilligt, wird eine Bonitätsprüfung durchgeführt. Diese verfolgt unterschiedliche Ziele. Auf der einen Seite möchte sich der Geldgeber vor Kreditausfällen schützen. Auf der anderen Seite sollen Kreditnehmer vor einer Überschuldung bewahrt werden. Für die Bonität ist es hilfreich, Eigenkapital mitzubringen und die Informationen bei den Auskunfteien regelmäßig zu überprüfen. Grundsätzlich ist es möglich, einen Kredit ohne Bonitätsprüfung zu bekommen, diese sind aber meistens teuer. Dieser Artikel erläutert, was es mit der Bonitätsprüfung auf sich hat und warum sie vor nahezu jeder Kreditvergabe durchgeführt wird.

Die Informationen der Auskunfteien sind bei der Kreditvergabe besonders wichtig. ©pixabay.de Vi Don CCO Public Domain

Banken wollen sich gegen Kreditausfälle absichern

Wenn Banken einen Kredit vergeben, wollen sie sich bestmöglich vor einem Kreditausfall schützen. Wenn der Kreditnehmer nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, verliert die Bank nicht nur die Kreditsumme, sondern auch die Zinsen, die ihr während der Vertragslaufzeit zugestanden hätten. Aus diesem Grund führt sie eine Bonitätsprüfung bei der Kreditvergabe durch, um einzuschätzen, wie solvent ein Mensch ist.

Für die Einschätzung der Bonität eines Kreditnehmers werden unterschiedliche Kriterien herangezogen. Auf der einen Seite fordern Banken und Kreditgeber eine Selbstauskunft der Antragssteller ein. Hierdurch wollen sie erste Informationen sammeln und sehen, wie sich der potenzielle Kreditnehmer selbst präsentiert. Auf der anderen Seite holen sie sich Informationen bei den Auskunfteien ein. Insbesondere die Schufa wird von vielen Kreditgebern genutzt. Hier sehen sie, ob bereits Kreditverträge bestehen und ob die Kreditnehmer ihren Zahlungsverpflichtungen immer pünktlich nachkommen. Neben der reinen Zahlungsfähigkeit wird somit auch die Zahlungsmoral bewertet.

Kreditnehmer sollen sich nicht selbst überschätzen

Einige Kreditnehmer neigen dazu, sich und ihre Zahlungsfähigkeit zu überschätzen. Sie gehen davon aus, dass sie hohe Kreditsummen schon werden zurückzahlen können. Sollten sie dann nicht mehr dazu in der Lage sein, droht eine Überschuldung, die im schlimmsten Fall in der Insolvenz endet. Um dies zu verhindern, schätzen Banken und Kreditgeber die Zahlungsfähigkeit einer Person professionell ein, um sich nicht allein auf deren Gefühl und Überzeugungen zu verlassen.

Ähnliches gilt bei der Vergabe von Unternehmenskrediten. Die Kreditnehmer sind häufig davon überzeugt, dass ihre Geschäftsidee sehr gut ist und Erfolg haben wird. Von den Gewinnen wollen sie dann den Kredit zurückzahlen. Eine Bank kann deutlich objektiver einschätzen, welche Erfolgsaussichten eine Geschäftsidee hat und ob es sich lohnt, in diese zu investieren. Abhängig von der jeweiligen Entscheidung wird ein Kredit vergeben oder nicht.

Eigenkapital erhöht die Bonität

Eigenkapital erhöht die Chancen auf eine Kreditvergabe ungemein. ©pixabay.de 3D Animation Production Company CCO Public Domain

Ein wichtiges Kriterium bei der Prüfung der Bonität einer Person ist das Eigenkapital. Wer bereits Geld angespart hat, um es in ein Projekt zu investieren, zeigt, dass er zuverlässig ist und an die eigene Idee glaubt. Außerdem sinkt durch das Eigenkapital der Bedarf an Fremdkapital. Somit müssen kleinere Kreditsummen aufgenommen werden. Da hierdurch das Ausfallrisiko für die Kreditgeber sinkt, sind diese tendenziell eher bereit, einer Kreditvergabe zuzustimmen.

Es muss jedoch nicht zwingend Geld vorhanden sein, um die persönlichen Chancen auf eine Kreditvergabe zu erhöhen. So können beispielsweise auch Immobilien oder andere Wertgegenstände als Sicherheit beim Kreditgeber hinterlegt werden. Sollte der Kreditnehmer die monatlichen Kreditraten nicht mehr zahlen können, gehen diese Sicherheiten in den Besitz der Kreditgeber über. Diese halten sich schadlos, weswegen sie bei Vorhandensein solcher Sicherheiten durchaus bereit sind, einer Kreditvergabe zuzustimmen.

Informationen der Auskunfteien helfen bei der Einschätzung von Kreditnehmern

Die Schufa ist die bekannteste Auskunftei in Deutschland, es gibt aber noch einige weitere. Kreditgeber wenden sich an die Auskunfteien, um potentielle Kreditnehmer besser kennenzulernen. Hierbei wird sowohl die Zahlungsfähigkeit als auch die Zahlungsmoral in den Blick genommen. Unter der Zahlungsfähigkeit ist zu verstehen, dass ein Kreditnehmer die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung hat, um den bestehenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Die Zahlungsmoral meint hingegen, wie zuverlässig Kreditnehmer ihre offenen Rechnungen begleichen. Gelegentlich kommt es vor, dass Kreditnehmer grundsätzlich genug Geld zur Verfügung haben, um Rechnungen zu begleichen, dies aber trotzdem nicht oder verspätet tun. Das wirkt sich negativ auf die Bonität aus. Außerdem informieren sich die Kreditgeber bei den Auskunfteien darüber, ob bereits Kreditverträge bestehen und wie viele Konten eine Person besitzt. Beides entscheidet maßgeblich darüber, wie die Bonität der jeweiligen Menschen eingeschätzt wird.

Die eigene Bonität im Blick behalten

Wer mit dem Gedanken spielt, in näherer oder ferner Zukunft einen Kredit aufzunehmen, sollte die eigene Bonität immer im Blick behalten. Jeder Mensch hat einmal im Jahr das Recht, eine kostenlose Auskunft der Auskunfteien einzufordern. So sehen sie auf einen Blick, ob die dort gespeicherten Daten korrekt, vollständig und aktuell sind. Veraltete Daten, die sich eventuell negativ auf die Bonität auswirken, sollten vermieden werden. Falls Fehler bei den Auskunfteien vorliegen, können diese so schnell aus der Welt geschafft werden.

Des Weiteren haben potentielle Kreditnehmer die Möglichkeit, aktiv Einfluss auf ihre Bonität und die Bewertung seitens der Auskunfteien und der Banken zu nehmen. Wer offene Rechnungen immer pünktlich und vollständig bezahlt, verbessert hierdurch das eigene Ranking. Außerdem sollten nicht zu viele Kreditanfragen bei unterschiedlichen Instituten gestellt werden, da sich dies auf die Bonität auswirken kann. Des Weiteren ist es sinnvoll, sich auf eines oder wenige Bankkonten zu beschränken, da eine übermäßig große Zahl an Konten zu einer negativen Bonität führen kann.

Kredite ohne Bonitätsprüfung sind meist teuer

Prinzipiell ist es möglich, einen Kredit ohne Schufa zu bekommen. Allerdings gehen die Kreditgeber in einem solchen Fall ein hohes Risiko ein. Da sie die Kreditnehmer nur schlecht einschätzen können, wissen sie nicht, wie hoch ihr Ausfallrisiko ist. Um sich abzusichern, verlangen sie daher häufig hohe Monatsraten und bieten ihre Kredite zu relativ teuren Konditionen an. Kredite ohne Bonitätsprüfung sind daher vor allem für Menschen von Interesse, deren Bonität aus irgendwelchen Gründen nicht gut ist, die aber dringend auf Geld angewiesen sind. Allerdings sollte genau gerechnet werden, ob die teureren Kreditbedingungen es wert sind, dass auf einen Bonitätscheck verzichtet wird.

Fazit

Eine Bonitätsprüfung dient vorrangig dem Schutz von Kreditgebern vor Kreditausfällen. Grundsätzlich ist sie aber auch dazu geeignet, Kreditnehmer davor zu bewahren, Kredite aufzunehmen, die sie niemals realistisch werden zurückzahlen können. Auf diese Weise kann eine Überschuldung vermieden werden. Wer eine gute Bonität haben möchte, sollte Eigenkapital mitbringen und die Informationen bei den Auskunfteien immer im Blick behalten. Kredite ohne Bonitätsprüfung sind zwar möglich, verursachen aber deutlich höhere Kosten, als wenn eine gute Bonität vorliegt.


        

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