24.03.2020

Corona: ein willkommener Anlas für eine Verkehrswende rückwärts ?

Diffamierung des ÖPNV, Aufhebung von Umweltspuren, keine Parkgebühren mehr: Die 60` er kehren zurück !

Der Kfz-Mehrverkehr hat sich nicht eingestellt, Zeit die Umweltspuren wieder herzurichten
Bogota, die bessere Lösung: Zusätzliche provisorische Radfahrstreifen für mehr Radverkehr in der Corona-Krise

Zuerst konnte man es nicht glauben, hielt es für ein Werk aus Putins Desinformationsapparat, bestenfalls noch für ein unglückliches Zusammentreffen von Coronavirus und Rinderwahnsinn:

Nur wenige Monate nach Einführung hebt der Düsseldorfer OB Thomas Geisel (SPD) die Umweltspuren schon wieder (vorläufig?) auf. Begründung: Man wollte in der derzeitigen Situation die Benutzung öffentlicher Verkehjrsmittel nicht belohnen (!!!) Wer derzeit Auto fährt verhalte sich dagegen vernünftig und verantwortlich. Konsequenterweise sollen sogleich auch keine Parkgebühren mehr in der Innenstadt erhoben werden. Wie bitte… ?

 

Ausgerechnet das Verkehrssystem, das durch seine extreme Bewegungsarmut für so ziemlich alle gängigen Zivilisationskrankheiten verantwortlich ist, und dessen Opferzahlen die von Corona problemlos übertreffen -und zwar jedes Jahr (!) -, steht auf einmal als umfassender Problemlöser da.

Wenn sich die Regelungen tatsächlich auf die Zeit der akuten Epidemie beschränken würden könnte man gerade noch darüber schmunzeln.

Tatsächlich steckt aber wohl mehr dahinter, und es ist nicht zu erwarten, dass die Autolobby diese „Errungenschaften“  danach so ohne weiteres wieder hergeben wird.

Schließlich stehen im Herbst Kommunal- und Oberbürgermeisterwahlen an. Amtsinhaber Geisel,  der uns voriges Jahr in der Seilbahn-Kampagne unterstützt hatte (und  aus unserer Sicht schon allein deshalb die Wiederwahl verdient hätte), wird politisch für die Einführung der Umweltspuren kritisiert und verantwortlich gemacht. Dabei konnte nur durch diese Maßnahme die Klage der Deutschen Umwelthilfe auf Erlass von Fahrverboten beigelegt werden.

Seine Gegenkandidaten Stephan Keller (CDU) und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) haben für den Fall ihres Wahlsieges bereits vollmundig die Abschaffung der Umweltspuren angekündigt. Die Konsequenz, nämlich dass dadurch die DUH-Klage wieder auflebt und dann die Fahrverbote kommen, wird wohlweislich ausgeblendet, Hauptsache griffiger Wahlkampfslogan.

In dieser Situation ist es wahlkampftaktisch nachvollziehbar, wenn der amtierende OB den Druck aus dem Thema nimmt, zumal die Schadstoffgrenzwerte bei dem gegenwärtig niedrigen Verkehrsaufkommen problemlos eingehalten werden.

Auf den anderen Seite besteht genau deswegen kein Bedarf für zusätzliche IV-Fahrspuren, der derzeitige Autoverkehr kommt problemlos mit einer Fahrspur aus.

Das Ende der Corona-Krise wird also nicht unmittelbar zur Reaktivierung der Umweltspuren und zur Wiedereinführung von Parkgebühren führen. Strack-Zimmermann hat die Umweltspuren mit der Maßnahme des OB bereits für endgültig erledigt erklärt.

Blockiert ist zumindest bis auf weiteres auch die -eigentlich konsequente- Idee, die Umweltspuren auch auf die A 46 auszudehnen und damit einen dichteren und störungsfreieren Schnellbusverkehr zu gewährleisten.

Die Auswirkungen dieser Verkehrswende rückwärts lassen sich schon jetzt beobachten. Auf den leeren Strassen wird wieder schneller als erlaubt gefahren, in Köln, der Stadt, in der Herr Keller zur Zeit Ordnungsdezernent ist, haben die illegalen Rennen wieder sprunghaft zugenommen.

Aber auch bei Normal-Autofahrern wird sich das als verantwortungsvoll bewertete Verhalten, z.B. zum Brötchenholen für 100 m  wieder mit dem Auto zu fahren, für längere Zeit einprägen und in entsprechende längst überwunden geglaubte verkehrspolitische Forderungen (z.B.“Brötchentaste“) einmünden.

In Wuppertal ist das Thema bisher aus gutem Grund nicht angekommen. Es gab einfach so gut wie keine Maßnahmen im Sinne einer Verkehrswende, die nun unter dem Vorwand des Coronavirus zurückgedreht werden könnten.

Ansonsten herrscht in  den öffentlichen Verkehrsmitteln zur  Zeit eine entspannte Besetzung, es stellt kein Problem dar, den Corona -Mindestabstand zum nächsten Fahrgast einzuhalten, und alle bemühen sich auch  darum. Der ÖPNV ist also auch in der jetzigen Situation ohne weiteres nutzbar. Also hört  auf  mit den Diffamierungen, wir Fahrgäste sind viel verantwortungsbewusster als uns die Autolobby  darstellen möchte.

 

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