24.01.2020

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Kostet Zeitarbeit die Stadtverwaltung Millionen?

1.840 Euro brutto verdienten die Zeitarbeiter*innen im Jahr 2018 in Wuppertal. Das enorm niedrige Gehalt führt bei der Stadt Wuppertal zu massiven Einnahme-Verlusten. Faire Arbeit e.V. kommt geschätzt auf mehrere Millionen Euro in den letzten vier Jahren.

Hierzu und zu weiteren Zahlen hat der gemein­nüt­zige Verein den Bericht “ Zeitarbeit in Wuppertal 2018 – und seine finanziellen Folgen“ verfasst.

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Demnach sind die Wuppertaler Zeitarbeiter*innen gut ausgebildet: 60 Prozent ver­füg­te über eine abgeschlossen Berufsausbildung oder ein Studium. Trotzdem muss­te die Mehrheit einfache Helfer-Tätigkeiten verrichten (65 Prozent). Viele Fachkräfte müssen also unter-qualifizierte Arbeiten ausführen. So viel zum Thema Fachkräfte-Mangel.

Höchststand im Jahr 2017

Die Entwicklung der Zeitarbeit in Wuppertal war in den letzten Jahren rasant. Von 2013 bis 2017 ist die Anzahl der Zeitarbeiter*innen um 38 Prozent gestiegen. Mit 5.505 Zeitarbeiter*innen verzeichnete Wuppertal im Jahr 2017 einen Höchststand.

Im Jahr 2018 ist die Anzahl dann auf 4.571 gefallen; liegt damit aber immer noch deutlich über dem Jahr 2013 (+ 15 Prozent). Der deutliche Rückgang dürfte an der Änderung des „Gesetzes zur Regelung der Arbeitnehmerüberlassung (AÜG)“ lie­gen.

Mehrere Millionen Euro Verlust an Einkommensteuer?

Auf mehrere Millionen Euro schätzt Faire Arbeit e.V. die Einkommensteuer-Verluste für die Stadtverwaltung Wuppertal in den letzten vier Jahren. Für das Jahr 2018 errechnete der Verein ein Fehlbetrag von knapp 900.000 Euro. Jede Kommune in Deutschland er­hält 15 Prozent von den Einkommensteuer-Einnah­men. Eine niedriges Gehalt bedeutet somit weniger Steuer-Einnahmen.

Zur Berechnung wurden die Median-Gehälter in Wuppertal zugrunde gelegt und daraus die jähr­liche Steuerlast für das Jahr 2018 errechnet. 15 Prozent aus der Differenz der unterschiedlichen Steuerlast zwischen den regulär Beschäftigten und den Zeitar­beitern, ergibt die knapp 900.000 Euro. (Eine detaillierte Berechnung findet sich ab Seite 19 des eingangs genannten Berichtes).

Der Verein betont, dass der errechnete Betrag nicht auf einer streng wissenschaft­lichen Schätzung beruht. Das war mit den zur Verfügung stehenden Daten nicht möglich. Es ging auch nicht um den exakten Betrag. Wichtig war zu demons­trie­ren, welche Größenordnung die jährlichen Einkommensteuer-Ausfälle mit hoher Wahrscheinlichkeit haben werden.

Hinzu kommen zusätzliche Ausgaben für die Stadtverwaltung, die vermutlich im sechs-stelligen Euro-Bereich liegen.

Stadtverwaltung setzt auf Zeitarbeit

Das Jobcenter Wuppertal sieht sich als Kooperationspartner der Zeitarbeits­branche. Die Stadtverwaltung Wuppertal setzt bei sich Zeitarbeiter*innen punktuell ein. Vor dem Hintergrund der gezahlten Gehälter und der enormen Einnahme-Verluste findet der Verein dies vollkommen unverständlich.

Erhöhter Gewerbesteuer-Satz nur für die Zeitarbeitsbranche?

Stattdessen wäre der richtige Weg die Zeitarbeit in Wuppertal möglichst einzu­dämmen, etwa durch den Verzicht in der Stadtverwaltung und allen stadteigenen Betrieben. Um die Zeitarbeitsbranche an den „Kosten“ zu beteiligen, könnte zu­min­dest diskutiert und geprüft werden, inwieweit eine Erhöhung des Gewerbe­steuer-Satzes (nur) für die Zeitarbeitsbranche möglich ist, so Faire Arbeit e.V.

Dieser Text stammt aus unserer Presseerklärung.

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Stellungnahme Stadtverwaltung Wuppertal

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Stellungnahme Jobcenter Wuppertal

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Kommentare

  1. Claudia Otte (Redaktion) sagt:

    Ohne die punktuell eingesetzte Zeitarbeit, würde die Pflege in den städtischen Alten und Pflegeheimen zusammenbrechen.

    1. Hallo Frau Otte,

      ihre Ansicht können wir nicht teilen, da es dafür keine Belege gibt.

      Ganz im Gegenteil: Die meisten Arbeitgeber der Pflegebranche verteufeln die Zeitarbeit. So soll der Geschäftsführer des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Herbert Mauel, gesagt haben:

      „Die Zunahme der Leiharbeit setzt das Stammpersonal unter Druck, gefährdet den sozialen Frieden und plündert die Pflegebranche letztlich aus“

      Auch will Teile der Politik Zeitarbeit in der Pflegebranche verbieten. Es soll eine entsprechende Bundesratsinitiative gestartet werden.

      nach Prof. Sell, siehe hierzu
      https://aktuelle-sozialpolitik.de/2020/01/23/aus-der-mal-nicht-eindeutigen-welt-der-leiharbeit/

      Würde man das wollen, wenn die Pflegebranche dann „zusammenbrechen“ würde?

      Den Fachkräftemangel in der Pflegebranche haben die Arbeitgeber selbst verursacht. Schlechte Arbeitsbedingungen (Überlastung durch eine zu geringe Personaldichte) und eine niedrige Bezahlung sind wenig lukrativ für Arbeitskräfte.

      Und Zeitarbeit hilft da nicht weiter.

      Viele Grüße

      Faire Arbeit e.V.

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