02.04.2019

Verbaute Zukunft

Die Gefängnisseelsorger laden zu einer Diskussion (5.4.) über den Strafvollzug ein. Anlass ist der Umbau der JVA Vohwinkel.

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Verbaute Zukunft
Symposium zur Zukunft des Strafvollzugs
5.4., 18.30 Uhr,
Citykirche Elberfeld,
Kirchplatz 2
42103 Wuppertal

Wofür werden Steuergelder verbaut? Wie sieht der Strafvollzug aus? Wird es Spielräume geben für einen konstruktiveren Umgang mit Strafe?

Im Gespräch mit Vertretern der Justiz, der Gefängnisseelsorge, der Strafverteidigung, einem Psychologen und dem Publikum geht es um diese und andere Fragen rund um den Neubau am Simonshöfchen. Das Symposium findet auf Einladung der Evangelischen Bergischen Gefängnisgemeinde und des Katholischen Gefängnisvereins statt. Anlass ist der Umbau der JVA Vohwinkel bei laufendem Betrieb.

Früher gab es in Wuppertal zwei Gefängnisse mitten in der Stadt, am Bendahl und am Sedansberg. Die Menschen der Stadt gingen daran vorbei, man kannte diejenigen, die dort arbeiteten, manchmal sicher jemanden, der dort einsaß. Heute gibt es in Wuppertal zwei Anstalten, die ganz am Rand der Stadt liegen. Vor diesem Hintergrund soll das Thema Vollzug zumindest für die Dauer der Veranstaltung vom Rande der Gesellschaft in ihren Mittelpunkt gerückt werden.

„Es geht darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es in unserer Stadt Menschen in Haft gibt, dass es Menschen gibt, die an diesem schwierigen Ort arbeiten und dass Straffälligkeit nicht losgelöst von gesellschaftlichen Bedingungen zu sehen ist“, sagt Pfarrerin Ulrike Hollander, die Vorsitzende der Evangelischen Bergischen Gefängnisgemeinde.

Die Diskussionsrunde soll das Thema Vollzug in die Öffentlichkeit tragen, sich dabei aber nicht ausschließlich mit dem Sicherheitsaspekt beschäftigen: „Intention des Vollzugsgesetzes ist es, Menschen in die Lage zu versetzen, ein Leben in eigener Verantwortung und ohne Straftaten zu führen und das gelingt nicht mit sicherem Wegsperren“, so Hollander, die als Seelsorgerin in der JVA Ronsdorf arbeitet.

Mit Blick auf den Umbau bei laufendem Betrieb – bis 2025 soll die JVA Vohwinkel auf altem Grund neu entstehen – wird es an dem Abend vor allem auch um die Bedingungen im Simonshöfchen gehen.

Die Zahl der Inhaftierten ist dort von 550 auf 310 reduziert worden. Viele Inhaftierte wurden nach Siegburg und Rheinbach verlegt. „Die Angehörigen müssen für Besuche oft weite Wege auf sich nehmen“, sagt Kurt Uellendahl, der als Katholischer Gefängnisseelsorger in Vohwinkel arbeitet.

Für die Inhaftierten wie für die JVA-Mitarbeiter sei der Umbau eine große Belastung: Die Arbeitsmöglichkeiten für die Inhaftieren sind stark eingeschränkt. „Bei den Bediensteten wird die ohnehin schon dünne Personaldecke durch zusätzliche Aufgaben belastet, so müssen Bauarbeiter und Firmen kontrolliert werden. Außerdem ist die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt und die Lärmbelästigung sehr groß“, sagt Kurt Uellendahl.

Zwei Fragen an Kurt Uellendahl, Katholischen Gefängnisseelsorger:
Warum ist ein konstruktiver Umgang mit Strafe aus Sicht der Seelsorge nötig?
Kurt Uellendahl: Das Klientel in den JVAen hat sich in den letzten Jahren verändert. Ältere Inhaftierte, psychisch Auffällige, Ersatzfreiheitsstrafen, Drogenabhängige. Hier müsste umgesteuert werden und ein Umbau, der Millionen Steuergelder kostet, wäre eine Chance, zumindest veränderte räumliche Konzepte anzugehen und umzusetzen.

Die mangelnde Auseinandersetzung in unserer Gesellschaft mit dem Thema Inhaftierung produziert mehr Probleme für die Gesellschaft, siehe Rückfallquoten, Drogenproblematik, Schuldenfallen als dass hier Lösungen entwickelt werden.

Hinzu kommt die Stigmatisierung von Inhaftierten, die so keine Chance in der Gesellschaft nach ihrer Rückkehr haben und auch das Ausblenden vollzuglicher Konzepte, wie offener Vollzug, Haftvermeidung, Sinn von Ersatzfreiheitsstrafen u.ä. im gesellschaftlichen Diskurs.

Hier kommt nicht zuletzt auch der kirchlichen Öffentlichkeit eine entscheidende Aufgabe der Auseinandersetzung mit dem Thema Strafe, Inhaftierung und Resozialisierung zu.

Wie soll der Knast der Zukunft aus Sicht der Gefängnisseelsorge aussehen?
Kurt Uellendahl: Ich kann hier nur ein paar Eckpunkte benennen. Entscheidend ist die Ausrichtung hin zu einem Behandlungs- und Therapievollzug. Hierbei spielen die sozialen Kontakte, sowie die soziale Kompetenz eine entscheidende Rolle.

Darüber hinaus wäre ein stärkerer Ausbau des offenen Vollzuges als Regelvollzug sinnvoll, mit behandlerischen und begleitenden Maßnahmen.
Auf einen Nenner gebracht: weniger Investition in die äußere „scheinbare“ Sicherheit- Zäune, Videoüberwachung, Mauern etc. – und mehr Investition in Personal als soziale Sicherheitsmaßnahme – Drogenberatung, Therapeuten, Sport- und Arbeitsbeamte etc.

Grafik: Veranstalter
Text: Nikola Dünow/ör-nd

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