21.12.2017

Ich wurde von einer Mücke gestochen – Du hast sie bestimmt provoziert!

Mit einer auffälligen Plakatkampagne möchte die Beratungsstelle FrauenBeratung + Selbsthilfe e.V. Frauen und Mädchen, die sich nach einer Vergewaltigung ungerechtfertigten Vorurteilen und Vorwürfen ausgesetzt sehen, unterstützen. Die Plakatkampagne soll Vorurteile und Vorwürfe gegenüber vergewaltigten Frauen ad absurdum führen.

Ich wurde von einer Mücke gestochen – Du hast sie bestimmt provoziert!

Plakatkampagne soll Vorurteile und Vorwürfe gegenüber vergewaltigten Frauen ad absurdum führen.

Mit einer auffälligen Plakatkampagne, die ab 22.12.2017 in Wuppertal zu sehen sein wird, möchte die Beratungsstelle FrauenBeratung + Selbsthilfe e.V. Frauen und Mädchen, die sich nach einer Vergewaltigung ungerechtfertigten Vorurteilen und Vorwürfen ausgesetzt sehen, unterstützen. Warum hat sie sich nicht gewehrt, nicht geschrien, warum war sie alleine oder so spät unterwegs, warum hatte sie an, was sie an hatte, warum hat sie Alkohol getrunken, warum war sie überhaupt unterwegs? Indem ganz normale Alltagssituationen mit immer wiederkehrenden Vorbehalten kombiniert werden, wird die Absurdität der Vorwürfe deutlich und hilft dabei, sich von den grundlosen Vorwürfen zu distanzieren – „Ich wurde von einer Mücke gestochen – Du hast sie bestimmt provoziert“.

Mit dieser Plakatkampagne werden Beschuldigungen stark überzeichnet und der Gesellschaft wie ein Spiegelbild gegenüberstellt. „Wir wollen den Vorurteilen und Vorwürfen widersprechen, indem wir deren Absurdität verdeutlichen“, so Hanna Haase von der Beratungsstelle, die gleichzeitig erläutert, dass die negativen Stimmen und Anfeindungen oft aus dem engen Umfeld der Frauen kommen. „Diese Vorwürfe sind natürlich absolut haltlos“, so Haase. „Die Frauen benötigen viel Kraft, um sich gegen diese Vorbehalte abzugrenzen. Das muss aufhören.“ In den Vorurteilen und Verurteilungen stecken nicht nur Beschuldigungen gegenüber der Frau, sondern auch eine gleichzeitige Entlastung des Täters. Die Folgen können schwerwiegend sein: Frauen verschließen sich, möchten nicht über das Erlebte sprechen und in der Konsequenz auch nicht anzeigen oder eine Beratungsstelle aufsuchen, da sie überall mit entsprechenden Vorbehalten gegen sich rechnen.

Um dieses wichtige Anliegen zu stärken, unterstützt auch die Geschäftsstelle des bff: Frauen gegen Gewalt e.V. die Verbreitung der Plakate.

Die Plakate wurden von der Werbeagentur Y&R für die Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt entwickelt. Grundlage ist ein humorvoller, aufklärender Ansatz, der der Gesellschaft vor Augen führen soll, dass auch eine Vergewaltigung nicht provoziert werden kann, sondern die Tat immer vom Täter ausgeht.

Gesetzliche Änderungen bei den Sexualstraftaten, wie durch die Reform des Sexualstrafrechts 2016 geschehen, sind notwendig, aber sie reichen nicht aus. „Es muss aufhören, dass den betroffenen Frauen eine Mitschuld unterstellt wird“, erläutert Linda Kreimeier von der Frauenberatung das Engagement der Beratungsstelle für die Kampagne. „Wir hoffen, dass der ungewöhnliche Kampagnenslogan für eine hilfreiche Debatte sorgt und zum Umdenken anregt.“

Das Kampagnenmotiv wird zwischen dem 22.12.2017 und 04.01.2018. in der Stadt für Aufmerksamkeit sorgen.

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