25.09.2015

Arisierung" Begegnungsstätte Alte Synagoge galeria kaufhof Leonhard Tietz Michael Okroy

Wie aus „Tietz“ der Kaufhof wurde

Am historischen Ort lädt die Begegnungstätte Alte Synagoge am Dienstag, den 29. September zu einem Vortrag ein. Thema: Die "Arisierung" der Leonhard Tietz AG und ihre erzwungene Umbenennung in "Westdeutsche Kaufhof AG"

Das Tietz-Warenhaus am Neumarkt, um 1938. (Abb. Stadtarchiv Wuppertal)

Das Tietz-Warenhaus am Neumarkt, um 1938. (Abb. Stadtarchiv Wuppertal)

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Tietz/Kaufhof gibt es seit über 125 Jahren in Wuppertal. Von Elberfeld aus expandierte das 1879 von dem jüdischen Kaufmann Leonhard Tietz gegründete Warenhausunternehmen  zum führenden Vertreter seiner Branche in Deutschland. Das Geschäftsprinzip von Tietz war ein Riesenerfolg, revolutionierte den Einzelhandel und veränderte das Konsumverhalten von Millionen Menschen. Warenhäuser waren zwar bei den Kunden beliebt, seit den 1920er Jahren aber auch eine bevorzugte Zielscheibe feindseliger Attacken von Nationalsozialisten und antisemitisch eingestellten Mittelständlern.

Mit dem Machtantritt Hitlers 1933 verschärfte sich die Situation dramatisch. Das bekamen besonders die Warenhäuser der Leonhard Tietz AG zu spüren, die auch in Wuppertal mehrfach boykottiert wurden. Unter Druck traten schon im Frühjahr zahlreiche jüdische Mitglieder aus dem Vorstand, dem Aufsichts- und dem Betriebsrat zurück. Im Juli 1933 beschlossen die neuen Hauptaktionäre, die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Dresdner Bank, auf einer Generalversammlung die Umbenennung in „Westdeutsche Kaufhof AG“. Zwischen April 1933 und April 1934 wurden rund 1000 jüdische Angestellte entlassen. So auch die beiden Geschäftsführer der Tietz-Filialen in Elberfeld und Barmen. Während sich Edmund Nathan 1937 das Leben nahm, wurde Joseph Herz, der seit 1905 bei Tietz angefangen hatte, 1943 in Auschwitz ermordet.

Die Titelseite der mit zahlreichen Abbildungen ausgestatteten Broschüre.

Eine 20seitige illustrierte Broschüre informiert Warenhaus am Neumarkt.

Michael Okroy, freier Mitarbeiter der Begegnungsstätte Alte Synagoge, beleuchtet in seinem Vortrag die Umstände, unter denen aus Tietz der „Kaufhof“ wurde. Die Vortragsveranstaltung ist eine Kooperation mit der Wuppertaler Geschäftsführung des Unternehmens und findet am historischen Ort statt: im Warenhaus der GALERIA Kaufhof (Besprechungsraum, 2. OG) am Neumarkt. Wegen der begrenzten Platzkapazität wird eine Anmeldung in der Begegnungsstätte Alte Synagoge empfohlen: T. 0202 563 2843 oder per E-Mail: info@alte-synagoge-wuppertal.de

 

Termin: Dienstag, 29. September 2015, 19.00 Uhr

Ort: GALERIA Kaufhof, Besprechungsraum, 2. Etage

Eintritt: 3 Euro

 

Weitere Informationen: www.alte-synagoge-wuppertal.de

Bitte beachten Sie: Aus Anlass des Jubiläums „Über 125 Jahre Tietz/Kaufhof“ in Wuppertal hat die Begegnungsstätte Alte Synagoge im Auftrag des Unternehmens ein historisches Schaufenster und eine akustische Installation an der Seite Wall/Neumarkt gestaltet. Neben zahlreichen Bilddokumenten gibt es dort auch interessante und amüsante Warenhaus- und Tietz-Texte zu hören – gesprochen von den Wuppertaler Schauspielern Julia Wolff und Gregor Henze. Außerdem gibt es eine Neuauflage der 2012 von der Begegnungsstätte veröffentlichten Broschüre zur Geschichte des Warenhauses Tietz in Wuppertal. Das kostenlose Heft ist in der Begegnungsstätte und im Kaufhof erhältllich.

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