16.05.2014

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NGG: Bäckermeister in Wuppertal sollen „Billig-Back“ einen Riegel vorschieben

Das „Bäckerei-Sterben“ in Wuppertal ist ein „trauriger Trend“, so die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Grund dafür sei die wachsende Zahl von Back-Discountern. Die Traditionsbäcker tragen laut NGG aber auch eine Mitschuld an der Situation.

Mit ihren aufgebackenen Billig-Brötchen, die zu Dumping-Löhnen produziert werden, machen sie es den traditionellen Bäckereien schwer“, sagt Dieter Schormann von der NGG-Region Düsseldorf-Wuppertal. Allerdings sei dies ein „hausgebackenes Problem“. Denn die Bäckermeister in Wuppertal hätten längst etwas gegen ihre Billig-Konkurrenz tun können, so der NGG-Geschäftsführer. Dazu müssten sie lediglich den Tarifvertrag für das Bäckerhandwerk für allgemein verbindlich erklären lassen. Dann wären auch die Discount-Bäcker gezwungen, den Tariflohn zu zahlen. Jeder Beschäftigte der Branche in Wuppertal hätte so Anspruch auf einen fairen Stundenlohn. Ein Ziel, das die NGG Düsseldorf-Wuppertal schon lange verfolge.

„Billig-Back“ aus dem Discounter-Regal: Hinter vielen Brötchen stecken nach Gewerkschaftsangaben Dumping-Löhne.„Billig-Back“ aus dem Discounter-Regal: Hinter vielen Brötchen stecken nach Gewerkschaftsangaben Dumping-Löhne.

„Während beim Discounter in Wuppertal häufig sogar Stundenlöhne unter 7 Euro gezahlt werden, bekommt eine erfahrene, aber ungelernte Kraft am Verkaufstresen einer Bäckerei knapp 10,60 Euro pro Stunde. Am Monatsende hat die Verkäuferin des Bäckermeisters damit gut 500 Euro mehr im Portemonnaie“, sagt Dieter Schormann. Dumping-Bäckereien könnten nur deshalb so billig produzieren, weil sie Dumping-Löhne zahlten. „Hier müssen wir dringend einen Riegel vorschieben – und zwar noch bevor der Mindestlohn im nächsten Jahr kommt“, fordert der NGG-Geschäftsführer.

Immerhin biete die Bäckerei von nebenan klare Vorteile: „Brote und Brötchen vom Bäcker schmecken den meisten Menschen besser als Aufbackware vom Discounter. Wenn alle, die in Wuppertal Brot backen und verkaufen, dafür auch faire Löhne bezahlen müssen, wird es ein ‚Comeback der Traditionsbäckereien’ geben“, so Dieter Schormann. Backware habe ihren Wert. „Wer sie herstellt, muss von dem, was er verdient, auch leben können. Dies ist bei Billig-Backwaren, die mit Billig-Löhnen produziert werden, allerdings nicht der Fall“, so Dieter Schormann.

Er appelliert an die Bäckermeister in Wuppertal, ihre Bäcker-Innung aufzufordern, gemeinsam mit der NGG Nordrhein-Westfalen den Tarifvertrag für das Bäckerhandwerk beim NRW-Arbeitsministerium für allgemein verbindlich erklären zu lassen. „Das wäre das Ende vom ‚Billig-Back’. Und kein Bäckermeister in Wuppertal müsste mehr beklagen, dass ihm das Geschäft von Dumping-Bäckereien kaputt gemacht wird“, sagt Dieter Schormann.

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Quelle und Foto: NGG

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Kommentare

  1. D. Petzer sagt:

    Unseren traditionellen Bäckern kann ich nur Realitätsferne attestieren. So gut wie alle verwenden seit Jahrzehnten Hilfsmittel (wozu ich Mehlmischungen mit Hilfsstoffen rechne), die in identischer Zusammensetzung an viele Bäcker gehen. Die Erzeugnisse schmecken zumindest ähnlich. Die Brötchenpreise sind exorbitant, wenn man sich den Kilopreis ausrechnet. Richtig gutes, individuellen Brot findet man kaum noch. Dunke Brote sind zu häufig das Ergebnis von viel Zuckercouleur statt dunkler Mehle. Und welcher Bäcker hat eine eigene Backstube direkt in der Filiale? Es wird zentral gebacken und an die Filialen ausgeliefert – auch schon seit Jahrzehnten. Damit ist viel Individualität verloren gegangen, der „Bäcker um die Ecke“ hat sich selbst abgeschafft.

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