05.12.2013

Lebenshilfe proviel Stefan Kühn Troxler-Haus

Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung: Chance für Unternehmen

Gemeinsam an einem Strang zogen zum Tag der Menschen mit Behinderungen am Dienstag die drei großen Behinderten-Werkstätten in Wuppertal.

Die Lebenshilfe, proviel sowie das Troxler-Haus hatten zusammen mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) zahlreiche Arbeitgeber und Firmeninhaber aus dem Bergischen Land zu einer Infoveranstaltung in das Kommunikationszentrum „Die Färberei“ am Wupperfeld eingeladen. Im Mittelpunkt stand hierbei die Schaffung sogenannter betriebsintegrierter Arbeitsplätze. „Ziel ist es, Barrieren einzureißen und Türen zu öffnen“, appellierte Thomas Fonck vom LVR, der die Diskussionsrunde leitete.

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Die Landesregierung hatte das ehrgeizige Ziel formuliert, in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt 1.000 betriebsintegrierte Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. „Bislang gibt es rund 350 Arbeitsplätze, da ist also noch Luft nach oben“, erklärte Fonck. Er betonte, dass es sich hierbei um unterschiedliche Tätigkeiten auf Nischenarbeitsplätzen handle, auf welche die Menschen mit Behinderung optimal vorbereitet würden: „Sie sind gut qualifiziert und hoch motiviert, vermitteln neue Sichtweisen und Ansätze und bereichern die Unternehmenskultur.“

Darüber hinaus bleiben sie auch Mitarbeiter der jeweiligen Werkstatt, werden über diese entlohnt und versichert und verursachen pro Monat etwa 150 bis 800 Euro an Kosten für den Arbeitgeber. „50 Prozent von diesem Betrag können aber auch über Förderungen für 12 Monate abgefangen werden, die Kosten im ersten Jahr sind relativ überschaubar“, erklärte Thomas Fonck vom LVR. „Das ist eine kostengünstige und flexible Beschäftigungsform.“

Wie bereichernd eine solche Tätigkeit sein kann, zeigte unter anderem Andrea Hedemann vom Vorstand der Kinder- und Jugendfarm Wuppertal auf: „Die Erfahrungen sind durchweg positiv“, erklärte sie. „Wir sind auch nicht ins kalte Wasser geworfen worden, sondern erhalten eine Begleitung durch die Werkstatt.“ Ihr Tipp: „Einfach machen, einfach ausprobieren!“ Ins gleiche Horn stieß auch Frank Köbbemann vom Seniorenheim St. Remigiushaus: „Es ist anreichernd und bereichernd, die Menschen mit Behinderung sind in unserem Haus gar nicht mehr wegzudenken“, berichtete über seine Erfahrungen.

„Arbeit gibt dem Leben Sinn und Struktur“, betonte auch Wuppertals Sozialdezernent Dr. Stefan Kühn, der an der Informationsveranstaltung ebenfalls teilnahm, die besondere Bedeutung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Arbeit bedeutet auch Teilhabe an der Gesellschaft, es ist eine Chance für die Mitarbeiter und die Unternehmen.“ Um das ambitionierte Ziel der Landesregierung zu verwirklichen, möchte Lebenshilfe-Geschäftsführer Stefan Pauls zukünftig vermehrt bei den Kunden werben, betriebsintegrierte Arbeitsplätze anzubieten: „Wir müssen den Unternehmen gezielt die Vorteile aufzeigen und davon überzeugen, die Inklusion voranzutreiben. Da war diese Informationsveranstaltung natürlich nur ein erster Schritt.“

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Quelle: Lebenshilfe Wuppertal

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Kommentare

  1. Fast Foot sagt:

    Wenn Menschen mit Behinderungen nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt eingesetzt werden KÖNNEN, spricht wenig für Werkstätten. Doch viele dieser langjährigen „Werkstättenbeschäftigten“ könnten auch Arbeitsplätze außerhalb dieses relativ geschlossenen Raumes ausfüllen. Allein die Gesellschaft und die von ihnen gewählte Politik muss es auch wollen. Es ist und bleibt ein Unding, dass sich Unternehmen für einen kleinen Betrag von der gesetzlichen Verpflichtung Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen bereitzustellen und zu besetzen freikaufen können. Insbesondere die fast völlige Weigerung der Unternehmen Menschen mit Mehrfachbehinderungen einzustellen, ist skandalös. Es gibt kaum ein EU-Land, dass Menschen mit Behinderung dermaßen vom sog. ersten Arbeitsmarkt ausschließt, wie dies Deutschland tut.

  2. Wuppertalerin sagt:

    Ein heeres Ziel- leider sieht die Realität bis jetzt anders aus.
    Dem nur körperlich ein wenig eingeschränkten Sohn einer Bekannten, konnte (oder wollte) eine der drei o.g. drei großen Werkstätten in 2 Jahren Zugehörigkeit keinen Arbeitsplatz oder wie es sein dringender Wunsch war, Ausbildungsplatz vermitteln. Am Unvermögen und der Motivation des jungen Mannes hat es jedenfalls nicht gelegen. Auf seine diebzgl. mehrfachen Anfragen erntete er nur Schulterzucken.

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