23.05.2011

Al Gore Change Works ChangemakerCity Umweltschutz

Jugendliche sollen die sein, die aufmischen und wach rütteln!

Johannes Schmidt, Schüler des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums, Gründer von ChangeWorks - die Gruppe von jungen Umweltaktivisten fielen kürzlich in Wuppertal durch den Flashmob „Jagd den Affen“auf - über Wissenschaft, die Rolle der Schule und die Haltung seiner Generation zu ihrer Zukunft.

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ChangeWorks, 2. von Rechts Johannes Schmidt; Foto: ChangeWorks

Du hast auf deiner Facebookseite einen Artikel von Al Gore übersetzt, der dich persönlich sehr bewegt. Erzähl doch mal kurz um was es geht?

Al Gore beschreibt, wie wir, die Menschen, uns immer weniger als ein Teil des Großen sehen und wie wir uns immer mehr von dem Gefüge „Natur“ entfernen. „Wir vergessen die Gesamtheit“ sagt Gore. Wir verändern bereits grundlegende Beziehungen, wie die zwischen Sonne und Erde und verdrängen, was für ein unglaublich mächtiger „Feind“ wir für alle Lebewesen auf dem Planeten geworden sind. Tagtäglich sehen wir Bilder der Zerstörung und Ausbeutung und doch sind wir wie gelähmt und wollen oder können nicht handeln.  >>zum Text von Al Gore

Was hat dich bewegt, dir die Mühe zu machen, den Artikel zu übersetzen und zu posten?

Ich habe diesen Text gelesen und mir wurde klar, dass er eine gute Definition für die bestehenden Umweltprobleme ist. Nicht auf eine biologische Weise, sondern im kulturellen und geistigen Sinne. Ich glaube, fast jeder kann sich darin auch wiederspiegeln. Ich habe all das in Neuseeland schon für mich gelernt und versucht Freunden zu vermitteln, doch dieser Text hat dieses Gefühl einfach auf den Punkt gebracht. Mir hilft Al Gore sehr zu verstehen, wo wir ansetzen müssen um die Mission “ Rettet unser Zuhause“ zu bestehen. Wir müssen das Denken verändern.

Zu ein paar Punkten hätte ich gerne ein paar konkretere Antworten: Der Artikel beklagt eine zunehmende Segmentierung in der Wissenschaft, was beunruhigt dich daran?

Ich glaube auf viele Menschen hat die Segmentierung einen schlechten Effekt. Durch Meldungen über neue Erkenntnisse, über kleinste Bakterien und Organismen, glauben wir (die Nichtwissenschaftler) doch, die Lösung und Meisterschaft liegt im Kleinen und Komplizierten. Dabei lassen wir oft das Große und Ganze außen vor. Wir wissen mittlerweile doch eindeutig was wir falsch machen, womit wir was zerstören und womit wir nicht zerstören. Wieso müssen wir es noch genauer wissen? Wir können doch schon verändern und verbessern! Für mich sieht es so aus als wollen wir ein Salto schlagen, obwohl wir noch nicht einmal über einen kleinen Kasten springen können.

Würdest du ein Wissenschaftsstudium für dich danach ausschliessen? Du machst in 1,5 Jahren Abi. Dann steht die Frage ja an!

Auf keinen Fall! Wir können nur mit der Wissenschaft und neuen Technologien die Klimakrise bewältigen und müssen verstehen wieso eine Aktion negative  Auswirkungen auf die Umwelt haben kann. Doch wir werden auch die Breite der Gesellschaft brauchen und die kann nun einmal nicht über wissenschaftliche Themen fachsimpeln, sondern braucht einen Fahrplan auf dem steht, was zu tun ist! Wissenschaften sind wichtig, aber wahrscheinlich nicht der Knackpunkt bei der Problemlösung.

Wie siehst du in dem Zusammenhang die Rolle deiner Schule? Welche Schule besuchst du momentan?

Ich besuche die 11. Stufe des Carl-Fuhlrot-Gymnasiums in Wuppertal. Die Schule spielt eine sehr wichtige Rolle. Die Schule kann lehren, komplexe Problem zu erkennen und zu lösen, doch oft ist das nicht mit unserem Alltag in Verbindung zu bringen. Es wird sehr gezielt daraufhin gearbeitet, ein Studium zu ermöglichen und meiner Meinung nach oft vernachlässigt, Verbindungen zum Leben der Schüler mit dem akademisch gelernten her zu stellen. Eben ein bisschen so wie bei den Wissenschaften, man weiß zwar viel, weiß aber nicht damit zu leben.

Trifft die Annahme des Artikels – die meisten glaubten sie hätten keine Zukunft und lebten nach dem Motto „nach mir die Sintflut“ auf die Jugendlichen in deinem Alter zu? Trifft das aus deiner Sicht eher auf die Generation von Al Gore (geb. 1948) zu?

In gewisser Weise schon, aber dann auch wieder nicht. Gerade in meinem Alter geht es ja darum, zu entscheiden was nach der Schule passiert. Also ist die Zukunft ein großes Thema. Es wird geplant und es werden Ziele gesetzt. Doch die Pläne und Ziele berücksichtigen oft nicht, dass sich bis zur Umsetzung dieser, einiges geändert haben wird. Ich glaube das „Morgen“ ist mittlerweile ein zweites „Heute“ geworden. Aber die Generation „Y/ Nexters“ sind noch nicht so auf das „Jetzt“ eingeschossen wie die Al Gore Generation. Wir wissen noch, zumindest oberflächlich, dass wir eine Zukunft zu Leben haben und vielleicht ist es einfacher eine Veränderung hervor zu rufen. Die älteren Generationen leben das „Jetzt“ und übernehmen keinerlei Verantwortung für Nachkommen. Ob sie es nicht begreifen oder schlichtweg einfach nicht wollen, ich weiß es nicht. Doch wieso sollten sie? „Die Sonne scheint, Geld ist da und, dass es ein bisschen wärmer wird ist doch eine super Sache! Vielleicht werden wir Jugendlichen in ein paar Jahren einen Strand in Dortmund haben.“ Lokales und kurzfristiges Denken.

Du bist Gründer von ChangeWorks , engagierst dich bei Changemaker City – kurz du mischst dich ein und willst Dinge ändern. Welche kurzfristigen Ziele hast du?

Ich will nicht warten. Ich will so vielen Menschen zeigen und sie davon überzeugen, dass es wichtig ist Probleme selber an zu packen, egal wie groß sie sind! Eben auch die Klimakrise. Denn es ist unsere Zukunft, unser Zuhause, unser Leben und wir müssen dafür einstehen. Konkret wünsche ich mir das ChangeWorks sich weiterhin  so entwickelt und wächst. Gerade weil wir so jung sind, können wir Aufmerksamkeit erregen und oft damit überraschen, dass wir eben doch mitreden können und auch wollen! Vielleicht bald auch außerhalb von Wuppertal.

Kuerzlich habt ihr erfolgreich durch euren Flashmob „Jagd den Affen“ eine ziemlich hohe mediale Aufmerksamkeit erzielt. Wie wünschst du dir die Rolle von Jugendlichen in dem Veränderungsprozess?

Die Jugendlichen sollten die sein, die aufmischen und wachrütteln! Es geht um unser Zuhause, wir müssen hier noch eine Weile länger leben und es geht um unsere Zukunft. Wir müssen die ausschlaggebende und auch „bestimmende“ Kraft sein. Denn wir müssen uns von alten Denkweisen,Lebensweisen und Verhaltensmustern verabschieden und dafür sind Jugendliche besser geeignet als Erwachsene.

Ihr habt vor einer Woche an einem Workshop in Berlin teilgenommen der euch helfen sollte, die Effizienz eurer Arbeit zu verbessern. Was werdet ihr konkret ab sofort anders machen?

Das kann ich noch nicht genau sagen, einfach weil wir eine riesige Menge an Ideen haben und noch dabei sind auszuwählen, welche wir umsetzten werden. Auf jeden Fall achten wir nun nicht mehr nur auf die Anzahl der Menschen die wir erreichen, sondern gezielt auch auf das was wir in ihnen verändert haben. Wir werden Nachhaltigkeits-Umfragen an unsere Aktionen koppeln und mehr mit Teilnehmern reflektieren, um zu sehen, welche Aktion viel verändert und welche nicht.

Wenn du dir für deine ChangeWorks-Arbeit von der Politik etwas wünschen dürftest, was wäre das?

Transparenz, Ehrlichkeit und Verantwortung für ihre Nachkommen. Kurzum: Langfristiges Denken und Handeln. Mich haben die Worte eines Bundestagsabgeordneten letze Woche sehr beeindruckt, der einen Vortrag an unserer Schule hielt: “ Es ist an der Zeit Dinge, die nötig sind zu tun, endlich zu tun. Auch wenn das heißt nicht wieder gewählt zu werden und Macht zu verlieren!“ Genau das wünsche ich mir von der Politik!

Was ist euer nächstes Projekt?

Am 28.05 haben wir eine Aktion geplant die sich “ Die toten Bäume“ nennt. Sie wird einen symbolischen Wert gegen die Abholzung von Tropenwäldern und anderen Wäldern haben. Es wird eine Fotoreihe entstehen. Alle sind herzlich eingeladen, mit zu machen! Genau Infos dazu findet ihr auf:

>>zur Aktion

Ganz viele weitere Projekte und Berichte gibts auch auf changeworks-online.com zu betrachten und natürlich auch bei facebook und

>>ChangeWorks auf facebook

>>ChangemakerCity Wuppertal

>>ChangemakerCity Potsdam

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Fragen: Wilma Schrader im Auftrag von ChangeWriter ChangeWriter auf Facebook

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