18.03.2011

Contor Müller Schlüter Hochschul-Sozialwerk

Aus Nöten eine Tugend gemacht

Das Hochschul-Sozialwerk Wuppertal baut 84 neue Studentenwohnheimplätze auf einem Steilhang aus Mitteln des Sozialen Wohnungsbaus und macht dabei aus Kompromissen Tugenden

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Ab dem Wintersemester 2012/2013 werden gleich zwei Abitur-Jahrgänge die Hochschulen Nordrhein-Westfalens stürmen – und einige von ihnen auch in der Stadt ihrer ausgewählten Universität leben wollen. Da sind Studentenwohnheime meist die erste Anlaufstation.
In Wuppertal studieren derzeit über 14.000 junge Menschen, von denen etwas über acht Prozent in einem Studentenwohnheim des Hochschul-Sozialwerks wohnen. Ab dem Jahr 2012 könnte die Zahl auf 15.000 bis 16.000 steigen, von denen dann ebenfalls um die acht Prozent einen Platz in einem Wohnheim suchen werden. Doch gesicherte Zahlen dazu gebe es nicht, sagt Fritz Berger, Geschäftsführer des Hochschul-Sozialwerks (HSW) in Wuppertal.
Deshalb hat das HSW den Spieß umgedreht und geschaut, wie viel Platz auf den eigenen Grundstücken noch zur Verfügung steht. Das Ergebnis: 84 neue Wohnheimplätze werden ab dem Wintersemester 2012/2013 für die Wuppertaler Studenten zur Verfügung stehen. Zwar hätten es auch noch ein paar mehr sein können, aber nach dem Boom des doppelten Jahrgangs werden die Zahlen aufgrund des demografischen Wandels auch wieder zurückgehen – mit dann 1.084 Wohnheimplätzen sei man in beide Richtungen gut aufgestellt, so Berger.
Gebaut wird unterhalb der „Neuen Burse“ auf einem Steilhang-Grundstück mit fast 20 Metern Höhenunterschied zwischen der Max-Horkheimer-Straße und dem Ostersiepen. Dort befinden sich drei plateauartige Flächen, auf die drei viergeschossige Neubauten gesetzt werden sollen (und für die ein marodes Haus des HSW bereits weichen musste). Dabei habe man sich bewusst gegen eine Randbebauung des unteren Straßenverlaufs entschieden, um die Wegeführung von der Uni zum Ostersiepen mit Einkaufsmöglichkeiten bestehen zu lassen, berichtet Architekt Christian Schlüter vom Contor Müller Schlüter, das die Bauplanung und -ausführung übernommen hat.
Anknüpfend an die „Neue Burse“, die ebenfalls vom Contor Müller Schlüter gebaut wurde, werden auch die drei neuen Häuser in der sogenannten Hybridbauweise gebaut und damit zu Passivhäusern. Dabei würden laut Schlüter die Baustoffe nach ihrem „Können“ ausgewählt: Das Grundtragesystem wird aus Beton bestehen, weil er die Anforderungen an Brand- und Schallschutz am besten erfülle und zudem ein guter Wärmespeicher sei. Die Hülle wird wie bei der „Neuen Burse“ aus Holz bestehen, weil es die besten Dämmeigenschaften habe. Damit kommen die Häuser ohne Heizung aus. Alle drei Häuser verfügen über eine mechanische Lüftung, Fenster können jedoch beliebig geöffnet werden.
Alle drei Häuser werden mit einem freien Grundriss geplant, bei dem nur die Hülle tragend ist – ähnlich einem Hochregallager, bei dem nur das Treppenhaus vorgegeben ist, erklärt Schlüter. Das sei eine Folge der Finanzierung, die zur Hälfte aus einem Darlehen aus Mitteln für den sozialen Wohnungsbau bestehe. So können dort sowohl Appartements als auch klassische Familienwohnungen für den sozialen Wohnungsbau eingebaut werden.
Das Haus auf dem mittleren Teil des Grundstücks kann zudem auf ein Treppenhaus verzichten – was zunächst aus einer Not heraus entstanden sei, wie Schlüter erklärt. So könne es durch den Steilhang keine direkte Zufahrt für die Feuerwehr geben, Treppenhäuser bergen jedoch ein großes Risiko in Brandfällen. Die Lösung: Jede der vier Etagen hat über Stege, Brückenkonstruktionen und einen Aufzug einen direkten Zugang nach draußen – und ist damit auch komplett barrierefrei.

Alle mit eigenem Bad

Auch räumlich werden sich die beiden Haustypen unterscheiden: Während zwei Häuser überwiegend aus Einzel- und Zweierappartements (zwischen 24 und 29 Quadratmetern) bestehen werden, ist das mittlere von Wohngemeinschaften geprägt. Teilen sich im ersten Typ nicht mehr als zwei Bewohner Küche und Bad, sind es bei den Wohngemeinschaften bis zu sechs, die gemeinsam eine Küche nutzen werden. Dafür habe aber jedes Zimmer ein eigenes Bad, betont Berger. Denn aus Umfragen wisse man, dass vor allem Einzel- und Zweierappartements von den Studierenden gewünscht seien.
Doch die Universität habe ausdrücklich den Wunsch geäußert, vor allem für ausländische Gaststudenten Wohngemeinschaften einzurichten, damit sie schneller Kontakte knüpfen könnten, so Berger. Der Kompromiss sei dann das jeweils eigene Badezimmer.
Die drei neuen Bauten werden voraussichtlich 6,65 Millionen Euro kosten. Die Stadt Wuppertal bewilligte rund 3,1 Millionen Euro als Darlehen aus Mitteln des sozialen Wohnungsbaus des Landes Nordrhein-Westfalen.

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