18.02.2011

EDE Wuppertal Mittelstand

Editorial Bergische Blätter 04.2011

Aus Fehlern lernen – ein Kommentar von Silke Nasemann

Die Probleme beim Aufbau des neuen Logistikzentrums haben dem EDE (Einkaufsbüro Deutscher Eisenhändler) im Jahr des Wachstums 2010 nach der großen Krise gezeigt, dass Expansion alleine nicht alles sein kann. Das jedenfalls ist das Fazit von Hans-Jürgen Adorf, Vorsitzender der Geschäftsführung des Wuppertaler Familienunternehmens.
„Wir sind zu schnell gewachsen und dann macht auch ein EDE Fehler“, so Adorf. Die Probleme beim Logistikzentrum haben gut fünf Millionen Euro Mehrkosten verursacht, unter anderem durch die zusätzliche Einstellung von 250 Leiharbeitern, die dann zum Teil rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet haben, um der Nachfrage der Mitgliedsunternehmen gerecht zu werden. Deshalb heißt die neue Strategie für die nächsten zehn Jahre: Mehr Qualität und Service statt „nur“ Wachstum im In- und Ausland.
Dazu gehöre auch einiges, um das sich das EDE bisher kaum gekümmert habe, etwa die digitale Signatur, eine bessere Vernetzung mit und zwischen den Mitgliedern und letztendlich auch der Bereich Social Media mit Internetplattformen wie Facebook und Twitter, bei denen das EDE überhaupt nicht vorkommt, wie Adorf sagt – was man aber nicht länger ignorieren könne.
Aber was tun? Für das EDE ist die Lösung ganz einfach: „Wir haben gut verdient, deshalb geben wir nun fünf Millionen Euro mehr für unser Personal aus“. Das betreffe sowohl die Planstellen, die um 40 erhöht werden, als auch mehr Ausbildungsplätze und die Weiterbildung der Mitarbeiter.
Das scheint mehr als konsequent: Die fünf Millionen Euro, die man wegen des Logistikzentrums salopp gesagt in den Sand gesetzt hat, tun sicherlich mehr weh als die gleiche Summe noch einmal in die eigenen Mitarbeiter zu investieren.
Das Beispiel zeigt aber auch, dass der Mittelstand (ebenso wie Familienunternehmen, was in diesem Fall beides zutrifft) aus eigenen Fehlern lernt und im Zweifel beweglicher ist als große Unternehmen. Dort fände man die fünf Millionen Euro wahrscheinlich eher auf der Liste der Einsparungen statt Mehrausgaben wieder.

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