Drei Metzger und eine Bank.

In der Folge der Präsentation der kanadischen Video-Arbeit "1001 Lights" im Rahmen von 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland entstand in Schwelm ein Programm zur Erinnerung an die dortige jüdische Gemeinde das noch bis 5.2.2023 läuft.

 

Die Veranstaltungsreihe „Drei Metzger und eine Bank“ erinnert in Schwelm an das jüdische Leben und die jüdische Kultur sowie an das Leiden und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten. Die von Kunst bis hin zu Information reichenden Veranstaltungen möchten über das Thema für die Situation von verfolgten, vertriebenen und als fremd diffamierten Menschen in totalitären Systemen sensibilisieren, aber auch die Bereicherung unseres Lebens durch andere Kulturen verdeutlichen.

Bis zur Verfolgung durch die Nationalsozialisten gab es auch in Schwelm eine jüdische Gemeinde. Die pittoresken bergischen Gebäude in der Altstadt um den Immanuel-Ehrlich-Platz in Nachbarschaft der einstigen Schwelmer Synagoge in der Fronhofstraße sind noch heute stille Zeugen ihrer Existenz. Hier waren zu Zeiten der jüdischen Gemeinde drei Metzger und eine Bank ansässig, die für den Namen der aktuellen Veranstaltungsreihe Pate standen.

Eröffnet wurde „Drei Metzger und eine Bank“ bereits am 18. Dezember 2022 mit einer gut besuchten Matinee zur Erweiterung des Konfessionskabinetts im Haus Martfeld einen Tag vor Channukka, dem jüdischen Lichterfest. Nach der Begrüßung von Bürgermeister Stephan Langhard und Frau Dr. Jäger von Haus Martfeld gab Albano-Müller interessante Einblicke in die Entstehung der jüdischen Gemeinde, die mit der lokalen Geschichte und der heutige Stadtstruktur Schwelms eng verknüpft ist. Die Erweiterung des Konfessionskabinetts im Museum Haus Martfeld ist in die ständige Ausstellung integriert und kann von nun an zu den Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden.

Seit Jahresbeginn wird das Programm fortgesetzt. Folgende Veranstaltungen können noch besucht werden. Ein Highlight wird sicherlich das Konzert „Verwehte Lieder“ am 28.1.2023:

 

Bis 25.1.2023
1001 Lights – Multichannel-Videoinstallation
in den Abendstunden im Schaufenster der spinnereischwelm, Römerstraße 7
Kooperation Mouvement Perpétuel, Montréal, spinnereischwelm und TANZRAUSCHEN Wuppertal

Die Videoarbeit von Mouvement Perpétuel auf der Luminocity 2018. ©Devon Lindsay

„Jeden Freitagabend, kurz vor Sonnenuntergang, zündete sie die Schabbatkerzen an. Obwohl sie keine offenkundig religiöse Frau war, war ihr diese Tradition sehr wichtig … Ich glaube, es war für sie eine bedeutsame Meditation und ein Moment der Erneuerung.“ (Philip Szporer)

Die zum Innehalten einladende Installation von Mouvement Perpétuel aus Kanada bezieht sich auf das jüdische Leben, ist darüber hinaus jedoch für alle Bevölkerungsgruppen attraktiv. Sie stellt Fragen nach dem Ritual: Was gibt es uns? Was sind für uns besondere Momente? Was bedeutet Kerzenlicht? Wann zünden Menschen Kerzen an? Was bedeuten ritualisierte Bewegungen? … Die Arbeit erzeugt Stille, fordert zu Reflexion, Besinnung und Verbundenheit auf.

Die 15-minütige Videoinstallation läuft im Loop (Dauerschleife) und arbeitet mit den Mitteln der Videokunst und der Choreographie. Dabei werden choreografierte Bewegungen von professionellen Tänzerinnen ebenso wie die ritualisierten Handbewegungen der praktizierenden Frauen (Non-Professionals) verarbeitet.

 

https://1001lights.online/

https://mouvementperpetuel.net/1001-lights-promo

www.spinnereischwelm.net

www.tanzrauschen.de

 

Bis 3.2.2023
Ausstellung „Die Kinder vom Bullenhuser Damm“
Märkisches Gymnasium Schwelm in Kooperation mit der Vereinigung aus Hamburg
Kontakt und Anmeldung über bu@mgs-mail.de (Frau Buetz) notwendig

Die Ausstellung „Die Kinder vom Bullenhuser Damm“ erzählt die Geschichte von 20 jüdischen Kindern, die als medizinische Versuchsobjekte missbraucht wurden. Sie wird vom 9. Januar bis zum 3. Februar im Atrium des Märkischen Gymnasiums Schwelm zu sehen sein und ist für die Öffentlichkeit immer mittwochs in der Zeit von 13:15 Uhr bis 14:15 Uhr nach vorheriger Anmeldung zugänglich. In dieser Zeit wird – wenn erwünscht – auch eine Führung angeboten.

www.mgs-schwelm.de

 

 

 

Freitag 27.1.2023 // 15:00 Uhr
Holocaust-Gedenktag
Eine Veranstaltung der Stadt Schwelm mit Bürgermeister Stephan Langhard unter Beteiligung der AG Stolpersteine des Märkischen Gymnasiums Schwelm / am Gedenkstein in der Südstraße 7.

 

 

Samstag 28.1.2023 // 20 Uhr
„Verwehte Lieder“ // Konzert mit dem Judith Genske Trio
im Musiksaal vom Museum Haus Martfeld

Ticket-Vorverkauf digital über Wuppertal-Live und bei Bücher Köndgen, Schwelm
https://www.wuppertal-live.de/?445788

Sängerin Judith GenskeDie Wuppertaler Sängerin Judith Genske singt begleitet von ihrem Trio im Museum Haus Martgfeld ©Amelie Koch

„Verwehte Lieder“ – Chansons und Lieder der 1920er und 30er Jahre

Das Judith Genske Trio präsentiert Lieder verfolgter Chanson-Komponisten und Texter, deren Kunst von den Nazis als „entartet“ verfemt wurde. Zu hören sind Werke von Friedrich Hollaender und Georg Kreisler, Kurt Weill, Hanns Eisler, Paul Dessau und Bertolt Brecht, Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko, Fritz Grünbaum, Marcellus Schiffer und Mischa Spoliansky, Fritz Löhner alias Beda, Kurt Tucholsky, Alfred Grünwald, Ralph Benatzky und anderen. Melancholisch, ironisch, politisch pointiert, temperamentvoll und immer melodisch schmelzend geht es um moderne Frauen, um Sehnsüchte, Wünsche, Tränen und das Rettende der Liebe. Die ungewöhnlichen Arrangements aus Gesang, Klavier und Klarinette geben den Liedern das zurück, was sie in ihrer Zeit hatten: Direktheit, Modernität und Überraschung.

Ein Programm, das vielschichtige Aspekte auslotet, das intensiv und unterhaltend ist, das das Lachen
im Weinen nicht fürchtet, das Spott mitten im Entsetzen verspricht.

Judith Genske, Gesang, André Enthöfer an den Klarinetten und Oliver Taupp am Klavier

https://www.judithgenske.de/programme/verwehte-lieder/

Das Konzert „Verwehte Lieder“ des Judith Genske Trios wird exklusiv unterstützt durch die Lederer GmbH, Ennepetal.

 

 

Sonntag 5.2.2023 // 16:00 Uhr „Die Kinder vom Bullenhuser Damm“
Katalogvorstellung, Kaffee und Gespräch

Nicole Mattern, vom Verein Kinder vom Bullenhuser Damm e. V. aus Hamburg
Stadtbücherei Schwelm, Hauptstraße 9-11
Kooperation Märkisches Gymnasium Schwelm, Stadtbücherei Schwelm, TANZRAUSCHEN Wuppertal und Vereinigung der der Kinder vom Bullenhuser Damm e. V., Hamburg

Die Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm e. V. setzt sich seit mehr als 40 Jahren für die Erinnerung an die Ermordung von 20 jüdischen Kindern und 28 Erwachsenen ein und organisiert jährlich eine öffentliche Gedenkfeier für die Familienangehörigen. An den 20 Kindern wurden von den Nazis „medizinische“ Experimente durchgeführt, bevor sie kurz vor Kriegsende im Keller der Schule Bullenhuser Damm ermordet worden sind. Die Wanderausstellung der Vereinigung ist vom 9. Januar bis zum 3. Februar im Märkischen Gymnasium Schwelm zu sehen. Nicole Mattern, Vorsitzende der Vereinigung, berichtet von ihrem Kontakt zu den Familienangehörigen der Kinder, die heute in vielen Ländern der Erde leben.

Der Katalog zur Ausstellung wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Wilhelm-Erfurt-Stiftung.

 

 

 

 

Für das Programm „Drei Metzger und eine Bank“ haben sich unterschiedliche Institutionen zusammengeschlossen. Es entstand in Gemeinschaft von Haus Martfeld, Frau Dr. Jäger, der Stadt Schwelm, der Stadtbücherei Schwelm, Frau Arnold, der AG Lokalgeschichte/ Stolpersteine des Märkischen Gymnasium, Frau Buetz, der Vereinigung der Kinder vom Bullenhuser Damm e. V. Hamburg, Frau Mattern, TANZRAUSCHEN e. V. aus Wuppertal und der spinnereischwelm.

Herzlichen Dank an die Akteure und Unterstützer!

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Kontakt

TANZRAUSCHEN e.V.
Kerstin Hamburg
Mobil 0 172 / 260 42 18

info@tanzrauschen.de

 

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