Das Nachhaltigkeitsgebot und das Ende ethikfreier Wirtschaftslehren

Das Lieferkettengesetz ist ein erster Hebel zur weltweiten Durchsetzung nachhaltigen Wirtschaftens. Dabei geht es nicht nur um Klimaschutz als ökologischem Gesichtspunkt, sondern auch um Soziales.

Der Klimaschutz ist einer der Aspekte, die seit Neujahr laut dem deutschen Lieferkettengesetz von hinreichend großen Unternehmungen zu beachten sind. Entlang der gesamten Lieferkette soll im internationalen Handel die Nachhalitgkeit beachtet werden. Dem Wortlaut nach geht es um die Beachtung der Menschen- und Arbeitnehmerrechte sowie den Umweltschutz. Das sind Themen, die auch in den Zielen nachhaltiger Entwicklung angesprochen werden.
Um zunächst auf das Thema „Umweltschutz“ zurückzukommen: Der Klappentext des Spiegel-Bestsellers „Das Ende des Kapitalismus. Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden“ beginnt so:
„Der Kapitalismus hat viel Positives bewirkt
Demokratie und Wohlstand, ein längeres Leben, mehr Gleichberechtigung und Bildung.“
Nicht nur orthodoxe Marxisten werden sich da fragen: „Wirklich?“ Vielleicht war es auch die hegelianische „List der Vernunft“, von der diese Wohltaten bewirkt wurden, ohne dass die „Kapitalisten“ das beabsichtigt hatten. Auch dass solche Werte trotz der Ethjkfreiheit der neoklassischen Volkswirtschaftslehre realisiert wurden, könnte diesen Grund haben
Empirische Naturwissenschaften waren ethikfrei, aber sobald es um Leben und Wohlergehen von Versuchstieren geht, werden heutzutage Forschungsvorhaben ethisch hinterfragt. Eine ethikfreie Wirtschaftslehre ist deshalb noch fragwürdiger, weil sogar das Leben und/oder Wohlergehen von Menschen in Frage gestellt sein kann. Ein ähnliches Problem gibt es in der Technik. . Ein geeignetes Vorbild für die Wirtschaft könnte deshalb das Ingenieurwesen sein. Im einfachsten Fall käme eine Bindestrich-Disziplin in Frage. Interessanterweise gibt es an der Wuppertaler Uni solche Bindestrich-Studiengänge. Für Wirtschaftsingenieure im Bereich des Verkehrswesens, der Elektrotechnik und des Maschinenbaus (Automotive).
Durch die technischen Normen bedingt, muss es in Produktionsbetrieben eine „Geschäftsethik“ geben, die zumindest diese Normen enthält – ein Einfallstor des Nachhaltigkeitsgebots in die „real existierende“ Wirtschaft. Für die soziale Seite der Nachhaltigkeit ist die Organisation einer Unternehmung zuständig. Hierfür gibt es die Disziplin der Geschäftsethik (business ethics).
Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Business_ethics
Die einschlägige Fachzeitschrift trägt den Untertitel „The Magazine of Corporate Responsibility“. Es geht hier also um die Verantwortung wirtschaftlicher Entscheider für die Folgen ihrer Entscheidungen. Diese Verantwortlichkeit sollte auch in einer Wirtschaftsethik (economic ethics) vorkommen.
Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftsethik
Der Artikel beginnt mit den bemerkenswerten Sätzen:
„Gegenstand der Wirtschaftsethik ist die Reflexion ethischer Prinzipien im Rahmen wirtschaftlichen Handelns und ihre Anwendung auf diesen Bereich. Als zentrale Werte gelten dabei Humanität, Solidarität und Verantwortung.“
Für diese Werte ist in der mikroökomischen Neoklassik kein Raum. Aber soweit sie sich in Gesetzen niedergeschlagen haben, sind sie jedenfalls in der Betriebswirtschaftslehre zu berücksichtigen. Insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich hat aber inzwischen die Fairness einen etablierten Platz. . Wenn man das vernachlässigt, können bedenkenlos die Löhne der Landarbeiter gedrückt werden – direkt von Arbeitgebern oder indirekt in Preisverhandlungen mit ihnen . Das scheinen deutsche Einzelhandelskonzerne, insbesondere bei Südfrüchten aus Südafrika und Südeuropa zu tun..
Einen deutlichen Eindruck davon, unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen dort die Produktion von Südfrüchten erfolgt, vermittelt die Dokumentation „Europas dreckige Ernte“
Link: https://www.ardmediathek.de/video/reportage-dokumentation/europas-dreckige-ernte/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3JlcG9ydGFnZSBfIGRva3VtZW50YXRpb24gaW0gZXJzdGVuL2U4YjQ0ZGYwLWNmNTQtNGE3ZC05NDM5LTBjOWU1YTdlNWU0NA
Da könnte ein funktionierendes Lieferkettengesetz helfen, das nicht nur die Landwirte vor unfairen Praktiken der Abnehmer ihrer Produkte schützt.
Für den Zuständigkeitsbereich des Wirtschaftsministeriums gibt es jetzt ein Lieferkettengesetz, das auch die Arbeitnehmer schützt. .
Allgemeines über das Zweite steht unter
Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Lieferkettengesetz
Der Artikel beginnt mit:
Ein Lieferkettengesetz soll einen rechtlichen Rahmen schaffen, um den Schutz der Umwelt, Menschen- und Kinderrechte entlang globaler Lieferketten zu verbessern. Unternehmen, die im Ausland Vorleistungsgüter oder Fertigerzeugnisse beschaffen, müssen Verantwortung übernehmen für Produktionsverfahren und Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern, Missstände zurückverfolgen und diese von vornherein oder ab Kenntniserlangung vermeiden oder abstellen.
Für Deutschland gilt das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, das zum 1. Januar 2023 in Kraft trat. Seit Neujahr ergeben sich also neue Möglichkeiten zur Durchsetzung des Nachhaltigkeitsgebots. Unser Staat wird geeignete Maßnahmen zur Durchsetzung dieses Gesetzes brauchen. Angesichts der bisher geübten Praktiken könnt das schwer sein. Zwecks Vorbereitung des Nachwuchses auf die neue Lage werden in Volks- und Betriebswirtschaftslehren solche Sorgfaltspflichten künftig eine wichtige Rolle spielen müssen.

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