Alter Wein in neuen Schläuchen?

Kommentar zu Ulrike Herrmanns Idee, in „Ende des Kapitalismus“ die britische Kriegswirtschaft abc1939 als Vorbild für die Wirtschaft der Zukunft zu nehmen

Wie dem Artikel „Diskussion: Ist der Kapitalismus am Ende?“ in der Wuppertaler Rundschau
Link: https://www.wuppertaler-rundschau.de/termine/diskussion-in-wuppertal-ist-der-kapitalismus-am-ende_aid-82060877
Zu entnehmen ist, werden am 09.01.2023 Prof. Smail Rapic von der Uni Wuppertal und unser Oberbürgermeister Prof. Schneidewind mit der TAZ-Redakteurin Ulrike Herrmann über deren Spiegel-Bestseller
„Das Ende des Kapitalismus.
Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – uns wie wir in Zukunft leben werden“
diskutieren.
Anknüpfen möchte ich an dem folgenden Absatz des Artikels:
„Auch die Idee vom „grünen Wachstum” ist nach Herrmann eine Illusion, weil die Ökoenergie aus Solarpaneelen und Windrädern nicht reichen werde. Es bleibe daher nur „grünes Schrumpfen”, um einen Klimakollaps abzuwenden. Ein denkbares Modell sieht Herrmann in der britischen Kriegswirtschaft ab 1939.“
Die Idee der Kriegswirtschaft als Modell ist nicht neu. Allerdings ging es da um den Ersten Weltkrieg und die Idee stammte von einem Austromarxisten: Otto Neurath. Als erster Zugang zu diesem Thema könnte der Wikipedia-Artikel „Otto Neurath“ dienen:
Link https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Neurath
Im Abschnitt „Werkbezogene Biographie“ finden sich die Absätze:
„1914 bis 1918 leistete Neurath Kriegsdienst und wurde 1916 in die Wirtschaftsabteilung im k.u.k. Kriegsministerium berufen.]Weiterhin habilitierte er sich 1917 in Politischer Ökonomie an der Universität Heidelberg über Die Kriegswirtschaftslehre und ihre Bedeutung für die Zukunft (s. Nationalökonomi
Ab 1918 war er Direktor des Deutschen Kriegswirtschafts-Museums in Leipzig.
In der Bayerischen Räterepublik schlug Neurath 1919 die Gründung eines Zentralwirtschaftsamtes vor und wurde dessen Präsident. Weil er in dieser Funktion den Versuch unternahm, eine geldlose Wirtschaft zu installieren, wurde er nach der Niederschlagung der Räterepublik durch preußische Truppen wegen Beihilfe zum Hochverrat für 18 Monate inhaftiert.[8] Nach diplomatischer Intervention der österreichischen Regierung kam er wieder frei und wurde nach Österreich ausgeliefert, durfte allerdings Deutschland als persona non grata bis 1926 nicht betreten und verlor so seine Privatdozentenstelle bei Max Weber in Heidelberg.“
Und im Abschnitt „Nationalökonomie“ steht:
„Otto Neurath definierte die Aufgabe der wissenschaftlichen Nationalökonomie soziologisch: Sie sollte das Verhältnis zwischen ihren Institutionen und deren Nutzen für die Gesellschaft untersuchen, innerhalb welcher sie verortet ist.[28]
Die Gegenstände seiner eigenen Untersuchungen entsprechen dieser Aufgabendefinition. Zudem werden sie von der These geprägt, dass die Geldwirtschaft nicht das System darstellt, das den Gesellschaften am meisten nutzen kann. Insofern untersuchte Neurath vorwiegend die soziologische Funktion alternativer Systeme: Von Kriegszeiten ausgehend, deren Wirtschaftssysteme auf Not gründen und durch Naturaltausch konstituiert werden, entwickelte er geldlose Wirtschaftsideen für Zeiten des Friedens.[5]
Daraus resultierend verfolgte er im Zusammenhang sozialistisch geprägter Überzeugungen theoretisch das Ziel der Planwirtschaft, versuchte sie allerdings in der Bayerischen Räterepublik ebenso politisch zu implementieren.[3] Insofern wechselte er gleichsam von der wissenschaftlichen Erkenntnisarbeit zur gesellschaftspolitischen Umsetzung.
Neuraths letzte ökonomische Publikation erschien 1918. Dies legt nebst der Betrachtung seines weiteren Werkes den Schluss nahe, dass die Ökonomie für Neurath nach seiner Habilitation theoretisch an Bedeutung verlor. Zum einen hat der Verlust der Privatdozentenstelle bei Max Weber das Ende seiner wissenschaftlichen Laufbahn herbeigeführt (s. Werkbezogene Biografie).] Zum anderen wurde diese Ambition wohl zugunsten gesellschaftlicher – auch ökonomischer – Gestaltungsinteressen zurückgestellt.“
Als Ausgangspunkt für eine fruchtbare Diskussion über Produktionsbeschränkungen, die nicht zwangsläufig zu einer „Verzichtdebatte“ führen, könnte ich mir beides vorstellen. Wie in der „Werkbezogenen Biographie“ steht, hat sich Neurath nach dem Ersten Weltkrieg allerdings zunächst einem zivilgesellschaftlichen Thema zugewandt:
„Zurück in Österreich, gründete Neurath 1920 den Österreichischen Verband für Siedlungs- und Kleingartenwesen und wurde zu dessen Generalsekretär (s. Siedlungspolitik).[4] In dieser Funktion widmete er sich innerhalb volksbildnerischer Ausstellungen erstmals der bildlichen Vermittlung von Wissen und entwickelte erste Vermittlungszeichen.“
Und auch im Austromarxismus gab es einen anderen Ansatz für das alternative Wirtschaften: die „Gemeinwirtschaftliche Anstalt“:
Link https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinwirtschaftliche_Anstalt
Gemeinwirtschaftliche Anstalt (gwA) war eine öffentlich-rechtliche Unternehmensform in der Ersten Republik Österreich (1919–1934), die durch den sozialdemokratischen Politiker Otto Bauer konzipiert worden war.
Diese wurden in Anlehnung an Aktiengesellschaften gestaltet, wobei ein demokratisch gewähltes Gremium an die Stelle der Hauptversammlung trat und so die Angelegenheiten der mit dem Unternehmen verbundenen Interessengruppen, darunter insbesondere die der dort beschäftigten Arbeitnehmer, vertreten sollte.
Die Einführung der Rechtsform gwA war mit dem Versuch verbunden, ein Wirtschaftssystem zu etablieren, welches heute unter dem Namen „Konkurrenzsozialismus“ bekannt ist und auf der Synthese zwischen den volkswirtschaftlichen Theorien John Maynard Keynes und des Marxismus basierte. In diesem sollten die gemeinwirtschaftlichen Anstalten als Basiseinheiten dienen.
Das ist ein Ansatz, der sympathischer wirkt, weil er gewisse Ähnlichkeiten mit den heutigen Vorstellungen vom Solidarischen Wirtschaften hat.
Eine Sammlung von Beispielen dafür findet sich in
Bastian Ronge (Hg.)
„Solidarische Ökonomie als Lebensform
Berliner Akteure des alternativen Wirtschaftens im Porträt“
In ihrem Buch hat Ulrike Herrmann ihre Vorstellungen davon, wie weit die britishce Kirgswirtschaft als Voebild für die Wirtshft der Zukunft dienen soll,nicht fetailliert dartgelegt. Es ist lediglihcc+ klar, dass die Wirtschaft zunächst schrumpfen und dann ggf. wieder wachsen soll. Dafür sollen die Eigentumsverhälntisse nicht angerührt werden, aberstaatliche Einschränkungen für das, was produizert werden darf, erfolgen.
Es wird ich zeigen, wie diese Idee bei ihren Gesprächspartnern ankommt.

// Hinzufügen fixer Banner der Mediengruppen-Seiten

Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.