Vom Friedhof aufs Fußballfeld

Beim Fußball-Präses-Cup der rheinischen Kirche tritt Wuppertal mit einer besonderen Mannschaft an: Der Friedhofsverband hat ein inklusives Team aufgestellt.

Beim Fußball-Präses-Cup der rheinischen Kirche tritt Wuppertal am 5. September mit einer besonderen Mannschaft an: Der Friedhofsverband hat ein inklusives Team aufgestellt.

In der Bayer SoccArena in Wuppertal-Sonnborn laufen sie sich warm für den Präses-Cup am 5. September in Duisburg. Kondition ist gefragt, aber auch Ballgefühl, Taktik und Teamgeist, wenn die elf Spieler und zwei Spielerinnen für das Turnier trainieren. Sichtlich stolz tragen sie dabei die gelben Trikots des CVF Wuppertal, des „Christlichen Friedhofsverbands“. Unter den Teilnehmenden des 20. Fußball-Präses-Cups, bei dem neun Kirchenkreise und Einrichtungen in der Evangelischen Kirche im Rheinland mit ihren jeweiligen Fußballteams antreten, sind sie die Exoten.

„Friedhof und Fußball – das scheint auf den ersten Blick vielleicht etwas merkwürdig, aber wir haben beim Friedhofsverband viele Mitarbeitende, die fußballbegeistert sind und sofort beim Präses-Cup mitmachen wollten“, erzählt Trainer Martin Witulski. Seit 25 Jahren spielt er Fußball in einer Betriebssportmannschaft und hat schon einige Turniere mitgemacht. Die Rolle des Trainers dagegen ist neu für ihn. „Alle in unserem Team haben irgendwann in ihrem Leben schon mal Fußball gespielt“, sagt er, „aber das Niveau ist recht unterschiedlich.“

Ein bunt gemischtes Team

So verschieden wie der sportliche Ehrgeiz und die Leistung ist auch das Alter der Spieler:innen. Es reicht von 25 bis 60 Jahren. Ein erfahrener Spieler steht im Tor. Auch ein gehörloser Spieler ist dabei, der aber viel Spielpraxis mitbringt. „Da wir uns beim Spiel ohnehin mehr mit Gesten als mit Worten verständigen, klappt es prima“, berichtet der 50-jährige. „Es passiert viel mit Augenkontakt. Auf dem Spielfeld lässt sich daher kein Unterschied erkennen.“

Martin Witulski (rechts) mit Co-Trainer Thorsten Biehl

Die meisten Spieler:innen, die auf den verschiedenen Friedhöfen arbeiten, die der Friedhofsverband selbst verwaltet, haben sich beim Training besser kennengelernt. Als Team zusammenzufinden, sei gut gelungen, aber durchaus eine Herausforderung gewesen, erzählt Martin Witulski, der als Wirtschaftsökonom in den Zentralen Diensten der Verwaltung arbeitet. „Wir haben einige Leistungsträger auf dem Spielfeld, aber alle sind wichtig, denn es wird immer ausgewechselt.“

Kurze Spiele, viele Auswechslungen

Beim Turnier, das im Leichtathletikstadion in Duisburg-Wedau stattfindet, dauert ein Spiel nur zwölf Minuten und wird von jeweils sechs Feldspieler:innen mit einem Torwart bestritten. Auswechslungen sind in den neun Vorrundenspielen jederzeit erlaubt. Es wird in zwei Gruppen überkreuz mit Halbfinale und Finale bzw. jeder gegen jeden mit anschließendem Finale (Erster gegen Zweiter) gespielt.

Bei einem Unentschieden in der Finalrunde erfolgt die Entscheidung durch Neunmeter-Schießen mit drei Spieler:innen, die bis zur Entscheidung schießen und nur bei einer eventuellen Verletzung ausgewechselt werden dürfen. Zu gewinnen gibt es einen Wanderpokal, den der frühere Präses Manfred Kock gestiftet hat.

Amtsleiter Ingo Schellenberg (links) und Stellvertreter Philipp Sonneck unterstützen Trainer Martin Witulski und sein Team.

„Klar wäre es toll, wenn ausgerechnet wir als Neulinge den Pokal nach Wuppertal bringen würden, aber das steht für uns nicht im Vordergrund“, betont Martin Witulski. Ihm und seinem Co-Trainer Thorsten Biehl geht es vor allem darum, dass das Team Spaß am Spiel hat, fair spielt und sich nicht verletzt.

Wir wollen auch mit Klischees aufräumen.

Einen Vorteil bringt die Friedhofsmannschaft aber mit: Fast alle sind ständig draußen, bewegen sich an der frischen Luft statt den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen. Und sie sind äußerst motiviert, wie Martin Witulski betont: „Mit unserer Teilnahme wollen wir auch mit ein paar Klischees aufräumen und zeigen, dass Mitarbeitende eines Friedhofs durchaus fußballbegeistert, sportlich und locker sein können.“


Text: Sabine Damaschke

Fotos: Martin Witulski

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