Die Vielfalt feiern

Der Kirchenkreis lädt Sonntag (28.08.) zu einem Gottesdienst zum Christopher Street Day ein. Simone Pries und Martin Schmitz organisieren ihn.

In den Wuppertaler „Wochen der Vielfalt“ gibt es am Sonntag (28.9.) um 17 Uhr in der CityKirche einen Gottesdienst zum Christopher Street Day. Zum ersten Mal wird er von Pfarrerin Simone Pries und Presbyter Martin Schmitz organisiert.

Ein Stein für all, das was bedrückt und das Herz schwer macht, ein Licht für die Hoffnung und natürlich ein Regenbogen: Der Gottesdienst zum Christopher Street Day (CSD) am 28. August in der Elberfelder CityKirche soll anschaulich, lebendig und bunt sein. In Wuppertal wird er schon seit vielen Jahren gefeiert. Für Pfarrerin Simone Pries und Presbyter Martin Schmitz ist es der erste CSD-Gottesdienst, den sie vorbereiten. Dafür haben sie das Motto „Hoffnung“ gewählt.

„In dieser Krisenzeit brauchen wir alle Hoffnung auf Frieden, Gesundheit und auch darauf, dass wir so, wie wir sind, akzeptiert und geliebt werden“, sagt Simone Pries. Für Menschen aus der queeren Community sei das noch immer keine Selbstverständlichkeit, beobachtet Martin Schmitz. Trotz der „Ehe für alle“ und der Möglichkeit, sich auch kirchlich trauen zu lassen, erlebten sie in manchen Gemeinden, aber auch am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft Verständnislosigkeit und Ausgrenzung.

„Du bist gewollt, wie du bist“

„Es sind selten offene Anfeindungen wie es sie früher häufig gab, sondern eher Fragen wie: ‚Muss es sein, dass ihr kirchlich heiratet?‘ oder ‚Warum müsst ihr jetzt noch ein Kind haben?‘“, erzählt Martin Schmitz. Auch die Frage, ob er nicht mit einer Frau hätte glücklich werden können, habe er schon häufiger gehört, berichtet der homosexuelle Presbyter. „Das ist übergriffig und verletzend.“

Liebe ist Liebe, ganz egal, mit wem sie gelebt wird. Pfarrerin Simone Pries

Im Gottesdienst soll dieser Erfahrung der Ausgrenzung bewusst und – wie Pfarrerin Simone Pries betont – durchaus auch provokativ die Verkündigung des barmherzigen Gottes entgegengesetzt werden. „Liebe ist Liebe, ganz egal, mit wem sie gelebt wird. Wir glauben an einen barmherzigen Gott, der uns so annimmt, wie wir sind.“ Damit könne jeder und jede jedem Zweifel an sich selbst und der Ablehnung von außen entgegentreten: „Du bist gewollt mit allem, was du bist, mit deinem Körper und so, wie du liebst.“

In aller Verschiedenheit willkommen

Zeichen für Hoffnung und Vielfalt: die CityKirche in Regenbogenfarben

Die evangelische Pfarrerin will deutlich machen, dass alle in ihrer Verschiedenheit willkommen sind. Nicht nur die LSBTIQ-Community mit ihren lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen möchte sie mit dem Gottesdienst erreichen, sondern auch die anderen, heterosexuellen Menschen. „Es wäre schön, wenn hier eine Gemeinschaft der Vielfalt entsteht, die über den Gottesdienst hinaus Bestand hat.“

Genau das erhofft sich auch der „Runde Tisch LSBTIQ*“ für Wuppertal, der die Wochen der Vielfalt vom 13. August bis 25. September veranstaltet. In Workshops, Lesungen, Vorträgen, Film- und Tanzveranstaltungen sollen Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung und Lebensweise stattfinden, die Vorurteile abbauen und eine Basis für ein gutes Miteinander schaffen. Immerhin hat Wuppertal eine recht große „queere Community“ mit rund 27.000 Menschen. Höhepunkt der Veranstaltungen ist der Christopher Street Day, der am 10. September mit einer Parade auf dem Johannes-Rau-Platz gefeiert wird.

Freude über das Erreichte

In Anlehnung an den Protest von 1969 in New York demonstrieren seit Jahrzehnten Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender am Christopher-Street-Day (CSD). Sie kämpfen um rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz. Zu diesen politischen Forderungen kam mit den Jahren die selbstbewusste Feier, die Freude über das Erreichte.
Sie soll auch im Gottesdienst am 28. August nicht fehlen. „Wir zeigen, dass Kirche nicht verstaubt und verklemmt ist, sondern fröhlich und bunt“, sagt Martin Schmitz. Und Simone Pries ergänzt: „Die CityKirche ist genau der richtige Ort dafür, denn hier ist Platz für alle in ihrer Vielfalt und Verschiedenheit.“

Text und Fotos: Sabine Damaschke

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