Ein Quartier macht mobil

Zum Weltalzheimertag hat die Gemeinde Langerfeld beim Quartiersprojekt "Tuhuus" im Themenjahr "Demenzfreundlichkeit 2021" eine Meinung.

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Weltalzheimertag: Ein Quartier macht mobil

Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz – Tendenz steigend. Für Betroffene und Angehörige stellt die Krankheit häufig eine große Belastung dar. Die Evangelische Kirchengemeinde Wuppertal-Langerfeld möchte das ändern. Mit ihren Kooperationspartnern beim Quartiersprojekt „Tuhuus“ hat sie das Themenjahr „Demenzfreundlichkeit 2021“ ausgerufen. Pfarrerin Heike Ernsting gibt zum Weltalzheimertag am 21. September einen Einblick in das Vorhaben.

„Langerfeld wird demenzfreundlich“: So lautet eines der Ziele des Quartiersprojekts „Tuhuus – Gut und lange leben im Quartier“ in Wuppertal-Langerfeld. Stets bemüht, älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein angenehmes Leben im Stadtteil zu ermöglichen, legen die Beteiligten mit dem Themenjahr „Demenzfreundlichkeit 2021“ seit Juni dieses Jahres den Fokus verstärkt auf die immer weiter verbreitete Krankheit. „Eine zentrale Frage dabei ist, was ,demenzfreundlich‘ eigentlich bedeutet“, sagt Heike Ernsting, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Langerfeld. Ihrer Ansicht nach gehe es vor allem darum, Scham abzubauen. Betroffene sowie Angehörige müssten spüren, dass die Krankheit nicht verborgen werden müsse. „Sie dürfen sich nicht schämen, im Stadtteil sichtbar zu sein.“ Entscheidend dafür seien eine gute Infrastruktur sowie ein Gefühl der Sicherheit.

Kompetenz im Umgang mit Demenz wird gefördert

Deshalb hat die Kirchengemeinde mit ihren Kooperationspartnern – dem Arbeiter-Samariter-Bund sowie der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal – die öffentlichen Wege im Blick und schult Mitarbeitende in Geschäften im Umgang mit dementen Menschen. Das ist laut Ernsting in verschiedenen Alltagssituationen wichtig: „Beispielsweise, wenn eine Person orientierungslos ist oder mehrmals die Woche 400 Euro bei der Bank abhebt.“ Es gelte, die Menschen für solche Situationen zu sensibilisieren und ihre Kompetenz zu fördern. „All das macht einen Stadtteil demenzfreundlich“, betont die Pfarrerin. Dabei nimmt sie zentrale Anliegen in den Fokus: „Wir möchten, dass die Betroffenen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld leben können.“

Infoveranstaltungen, Lesungen und geistliche Angebote

Um die Menschen mit dem Thema Demenz vertraut zu machen, gibt es im Zuge des Themenjahrs „Demenzfreundlichkeit 2021“ unter anderem Infoveranstaltungen, Lesungen, Fotoausstellungen sowie sinnliche und geistliche Angebote. Der Ansatz ist es laut Ernsting, verschiedene Erfahrungswelten zu bespielen, sodass alle Menschen andocken können. „Wir wollen das Thema aus der Tabuzone herausholen.“

Demenzcafé und Angehörigenstammtisch

Die Evangelische Kirchengemeinde Langerfeld sowie die Diakonische Altenhilfe Wuppertal haben selbst mehrere Angebote für an Demenz erkrankte Menschen und ihre Angehörigen parat. Seit einigen Jahren etwa lädt sie zweimal wöchentlich in das Allee Café Plus ein. „Neben Kaffee und Kuchen am schön gedeckten Tisch gibt es ein spezielles Programm für Menschen mit Demenz“, erklärt Ernsting. Dazu gehören beispielsweise Singen, Gedächtnistraining und Ausflüge. Geleitet wird das Café von Diakonie-Mitarbeiterin Birgit Hipp. Unterstützt wird sie von extra geschulten Ehrenamtlichen. Hipp bietet darüber hinaus feste Beratungszeiten für Angehörige. „Und neuerdings gibt es einmal monatlich einen Angehörigenstammtisch. Das ist wichtig, weil diese oft besonders darunter leiden, Unterstützung und Austausch benötigen“, sagt Ernsting.

Demenzfreundlicher Gottesdienst an Erntedank

Das Angebot im Quartier wächst stetig und ist vielfältig. Das ist laut Ernsting wichtig, denn auch Demenz ist eine facettenreiche Krankheit. „Manche Betroffene sind sehr ruhig, andere werden schnell wütend. Dann gibt es Menschen, die gerne unter Leuten sind, andere wiederum haben lieber ihre Ruhe.“ Deshalb werden zielgruppenorientiert immer neue Ideen entwickelt. Die Kirchengemeinde arbeitet derzeit etwa an geistlichen Formaten. Dazu haben Ehren- und Hauptamtliche aus der Kirchengemeinde an einer Fortbildung zum Thema „Demenzfreundliche Gottesdienste“ teilgenommen. „Zum Start planen wir einen entsprechenden Erntedankgottesdienst“, berichtet Ernsting. Der Gottesdienst findet am 3. Oktober um 11 Uhr in der Alten Kirche in Wuppertal-Langerfeld statt. Es gelten die 3G-Regeln. „Künftig wollen wir solche Gottesdienste regelmäßig anbieten.“ Damit sollen laut der Pfarrerin auch diejenigen angesprochen werden, die sich aufgrund ihrer Demenz aus dem Gemeindeleben zurückgezogen haben. „Unsere Erfahrung ist ohnehin, dass Betroffene und Angehörige vorhandene Angebote nicht wahrnehmen. Diese Hemmschwellen wollen wir abbauen.“

„Würde mir wünschen, das Krankheit an Bedrohung verliert“

Teil des Themenjahrs ist außerdem eine Plakataktion. Auf einem dieser Plakate ist Ernsting mit den Worten „Wenn ich einmal dement werde, dann möchte ich über meine Vergesslichkeit auch lachen können“ zu sehen. Das ist jedoch nicht der einzige Wunsch, den Ernsting in Bezug auf Demenz hat. „Ich wünsche mir, dass diese Krankheit an Bedrohung verliert und Menschen weniger Angst davor haben.“ Für viele sei es das Schlimmste, sich vorzustellen, im Alter dement zu werden. „Dabei ist auch mit Demenz ein glückliches Leben möglich.“ Deshalb werde im Zuge des Projekts neben den Schwierigkeiten das Positive herausgearbeitet – also all das, was trotzdem funktioniert. „Gerade im Bereich von Emotionen wie Freude oder in Bezug auf Beziehungen ist dies der Fall“, weiß Ernsting.

Erschienen auf ekir.de
foto: bettina osswald/diakonie

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