Fakten-Check: QUARTIERS-ENTWICKLUNG UND RESSOURCEN-SCHONUNG? (1v3)

Teil 1 von 3 „weiter so“ – wie bitte? Best Practice? Was geschah: Der Status Quo, mögliche Alternativen, mehrfaches Bemühen um gemeinsames Erarbeiten einer guten Lösung und dann doch die Entscheidung für "weiter so".

Teil 1 von 3 „weiter so“ – wie bitte?

Best Practice? Was geschah

Ein Bestands-Mehrfamilienhaus mit 3.000 qm Grundstück am Wuppertaler Stadtrand stand in 2019 zum Verkauf. Geboten haben dafür zwei Nachbar-Familien aus dem Stadtraum, ein im Bezirk ansässiges Dachdecker-Unternehmen sowie ein Malerbetrieb aus dem Nachbarkreis – alle jeweils zum im Exposé des Maklers gebotenen Verkaufspreis. Den Zuschlag erhielt Ende 2019 eine Bauträger-Firma aus Essen.

vom Camp for Future 2017: es gibt meist mehrere Wege – auch grün und gesund… ©Beate Petersen: eigenes Foto

Status Quo, Teil-1: neu bauen mit „Weiter so“

Damit stand zugleich die Entscheidung für den Abriss des – lt. Bauträger – über 300 Jahre alten Mehrfamilienhauses für eine Siedlungsbebauung mit weiterer großflächiger Versiegelung im Raum, nachdem im engsten Umfeld in den letzten Jahren empfindlich viele „Flächen in Wert gesetzt“ und dafür reichlich Natur zerstört und großflächig versiegelt wurden.

kann weg? Ressourcen?!    Foto/Quelle: privat ©privat: Beate Petersen

Option, Teil -1: Alternativen gab es reichlich – mit Zukunftspotential

Plan B (a): Alternativ hätte sich dort der eine oder andere mitbietende regionale Handwerker angesiedelt, das alte Haus umgebaut und das unbebaute Grundstück weitgehend unversiegelt gelassen.

Plan B (b): Alternativ hätte sich dort ein Nachbarschaftsprojekt umsetzen lassen – inkl. Upcycling, Marktschwärmerei zur Nahversorgung im Quartier und „Ort“. All dies fehlt in W-Nord ja leider weiterhin – nach Verdrängung der Ausstellung Eigenheim und Garten.  Dort war unser „Ort“, das gefühlte „Herz von W-Nord“:  Das dortige Restaurant samt altem Bürgerpark-ähnlichem Teichgelände stand uns – dank guter Nachbarschaft – bei Bedarf dankenswerterweise jederzeit zur Verfügung. Zumindest einen neuen geeigneten Seminarraum haben wir im Herbst 2020 gesucht und gefunden – danke dafür!

Plan C: Erfreulicherweise konnten wir beide Handwerker – quasi als Nachbarschaftsprojekt – für eine artenreiche Wiese mit Hühnern und Schafen vom befreundeten Arche-Hof sowie eine große Gemeinschafts-Agro-Photovoltaik-Anlage begeistern.

Allein artenreiche Wiesen erfahren – so ist es uns aus anderen Bundesländern konkret bekannt – Wertschätzung und sogar monetäre Förderung. Noch in 2020 waren wir selbst aktiv mit daran beteiligt, dass insbesondere Agro-Photovoltaik und energetische Sanierung im Bestandsbau mit dem Deutschen Solarpreis ausgezeichnet wurden. Innovative Beispiele – feinste Best-Practice – hätten wir also prima vor Ort nutzen können. Interesse der Preisträger*innen war da. So wurde es auch allen Beteiligten deutlich vermittelt. Soll(te) dies hier nicht zählen? So sieht es aktuell leider aus.

Option-2: überzeugen – es zumindest versuchen

Seit Ende 2019/Anfang 2020 wurden unzählige Gespräche geführt:

  • verschiedene Stellen und Entscheider in Politik und Verwaltung (vom Bürgerbüro Bauen bis zur Fachabteilung, vom Natur- bis zum Klimaschutz…) wurden zum Bauprojekt und Zukunftspotential befragt
  • auch der Bauträger selbst wurde aufgesucht, es gab eMails, Telefonate, Ortstermine – mit gemeinsamen Optionen und auch verfügbaren Alternativgrundstücken – allesamt in Wuppertal
  • und last but not least nutzten wir unsere Kontakte auch zu Pionieren und Zukunftskünstlern – wie Architekten für ökologisches Bauen, Energiewende-Pionieren etc.

Erhaltene Informationen zu grauer Energie, zu Ressourcen sparendem ökologischen Bauen – z.B. mit Holz – sowie zu weiteren Klima-relevanten Optionen – wie erneuerbare Energien und Nachbarschafts-Auto… wurden ebenso bereitwillig weitergegeben wie Teil-Kaufangebote und auch konkrete Alternativen zur Ressourcen schonenden frühzeitigen Gemeinschaftsbildung der potentiellen Interessent*innen für die 6 bis 8 Einfamilien- bzw. Doppelhaushälften. Drei (Baulücken-)Ausweich-/Ersatz-Grundstücke wurden angeboten. Weitere Optionen sind uns nicht eingefallen. Die Ernte für unser Bemühen um eine gute Quartiers-Lösung ist karg. Dafür ein gemeinsamer Runder Tisch?  Leider auch Fehlanzeige. „Beratungsresistent“ wäre hier wohl ein treffender Begriff.

Klimaschutz? graue Energie?! Foto/Quelle: privat ©privat: Beate Petersen

Status Quo, Teil-2: Entscheider mit „weiter so“

Mit Beginn des neuen Jahres wurden Bauzäune um das Haus und Container vor das Haus gestellt.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Entkernung für den Abriss des – keineswegs baufälligen über 300 Jahre alten – Bestandsgebäudes begonnen hat und eine Genehmigung dafür wie auch für den Neubau der 6 bis 8 Einfamilien- bzw. Doppelhäuserhälften erteilt wurde.

Wieder darf ein Investor in Wuppertal antragsgemäß neu bauen – ohne jedwede Interessen des Quartiers – die enormes Zukunftspotential beinhaltet hätten – zu berücksichtigen! Warum bitte?

Archiv : Idylle pur! auch der historische Mühlinghausteich musste Pressspan-Möbeln weichen (Foto/Quelle: privat)

Offene Fragen

  • Hat man tatsächlich die hier im Stadtraum durch höchst umstrittene Neuansiedlungen verursachten Schäden für  die Menschen samt Mitwelt schon vergessen? Obwohl gutachterlich untersucht und konkrete Lösungswege aufgezeigt worden sind, wurden weder die massiven Böden- und Gewässerschäden noch der penetrante Gestank bisher gemindert oder beseitigt.
  • Wer findet den Fehler?
  • Welchen Preis möchten wir echtem Klimaschutz in Wuppertal wirklich zugestehen.

Fiktion?

Nein, leider ist es die bittere Wahrheit – obwohl nun inzwischen jede/r oder zumindest die allermeisten – verstanden haben, dass „weiter so“ in der Klimakrise keine zukunftsfähige Option mehr ist.

Fazit

Da „weiter so“ keine Option ist, muss sich etwas ändern, JETZT und HIER! Wissen ist da nicht die Herausforderung, Wollen schon eher.
Auch dies ist längst bekannt: Im Grünen wohnen zu wollen, bedeutet immer auch weiteren Flächenfraß inkl. Baumfällungen und Verdrängung dort lebender Arten (Pflanzen und Tiere)  – es sei denn,

  • es erfolgt ein rasches Umdenken und Tun auf allen Ebenen
  • die Natur bekommt einen monetären Wert und wird im unmittelbaren Umfeld ausgeglichen
  • sowie: sogenannte „graue Energie“ wird in die CO2-Bilanz von Neubauten mit eingepreist.

 

vertiefende Links
z.B. zu Holzbau, ePetition Bauwende und grauer Energie s. hier:

http://hasko03.de/fakten-check-quartiersentwicklung-und…/

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Kommentare

  1. Bea sagt:

    auch in W-Elberfeld auf dem Heiligen Berg stellt sich weiter die Frage, wie sinnvoll hier Sanierung oder Abriss/Neubau der ehemaligen Pädagogischen Hochschule ist. Klimaschutz, historische Bedeutung, Transparenz der Entscheidungsfindung, Kostenklarheit… sind wichtige Aspekte: https://www.njuuz.de/beitrag61366.html

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