04.09.2020

Hohe Zuschüsse: Die Heizung austauschen um jeden Preis?

Herr H. ist sich unsicher: Jedes Jahr verbrennt er dreitausend Liter Heizöl in seinem Kessel. Würde er jetzt auf eine elektrische Erdwärmepumpe umrüsten, so erwartet ihn staatlicherseits ein Geldregen von 14.000 €. Das ist viel Geld.

Andererseits ist solch eine Wärmepumpe nicht gerade billig. Ihm liegt ein Angebot von fast 30.000 Euro vor. Ein neuer Ölkessel wäre trotz dieser Förderung für deutlich weniger Geld zu haben. Und er braucht diesen eigentlich gar nicht, denn seine 15 Jahre „junge“ Heizung könnte durchaus noch einige Jahre funktionieren. Allerdings verbrennt sie Öl – und wäre Strom nicht zukunftssicherer?

Solche Fragen treiben derzeit viele Hausbesitzer um. Gerade bei Ölheizungen legen Zuschüsse von 40 % oder mehr den Gedanken nahe, diese vorzeitig abzuwracken.

Für neue Gaskessel gibt es gar keine Zuschüsse mehr, es sei denn, es wird gleichzeitig eine Solaranlage auf dem Dach montiert. Selbst wenn diese Solaranlage wegen Verschattung und Norddach kaum Ertrag bringen würde, kann sich solche eine Anlage im Extremfall durch die Förderung rentieren, wenn zum Beispiel hohe Kosten für einen Gasanschluss anfallen würden. Andererseits ist der Umweltvorteil einer Gasheizung gegenüber einer Ölheizung überschaubar.

Solche Entscheidungen sind nicht einfach. Ein Grund zur Eile besteht jedoch nicht, da das Förderprogramm langfristig angelegt ist. Somit haben Hauseigentümer Zeit, einige grundlegende Dinge zu klären. Zum Beispiel die Höhe der Vorlauftemperatur. Wird die Wohnung im Winter schon bei Heiztemperaturen von 40 Grad ausreichend warm, oder muss der Kessel auf 70 Grad hochheizen, um das Haus warm zu bekommen? Hohe Temperaturen sprechen eher gegen eine Wärmepumpe, weil dann die Stromrechnung höher ausfallen könnte, als Gas oder Öl kosten würden. Und gegen den aktuell extrem niedrigen Heizölpreis wird es ohnehin keine Wärmepumpe aufnehmen können. Viele Hauseigentümer handeln aber nicht nur nach den Kosten, sondern machen sich auch Gedanken um die Umweltbelastung. Denen kann der Rat gegeben werden: Die beste Energie ist die, die man gar nicht erst verbraucht. Wer neue Fenster einbaut, die Wände dämmt oder das Dach dämmt, wird bei Altbauten mit viel weniger Energie auskommen, sei es Gas, Wärme, Strom oder Holzpellets. Die öffentliche Hand bezuschusst Wärmedämmungen.

Welche Förderungen es genau gibt und was für ihren konkreten Fall am sinnvollsten ist, können Hauseigentümer im Gespräch mit einem Energieberater der Verbraucherzentrale erfahren: Sei es am Telefon, per Videochat oder zu Hause vor Ort. Termine können vereinbart werden unter 0211 / 33 996 55.

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